Internet: US-Initiative will Web in die hintersten Winkel der Welt bringen

Internet: US-Initiative will Web in die hintersten Winkel der Welt bringen

von David Sahay

Nach Google und Facebook verspricht eine neue Initiative Internet für alle. Der Nutzen für Entwicklungsländer wäre enorm.

Schon länger wird darüber diskutiert, ob der Zugang zum Internet ein Menschenrecht sei. Auf welcher Seite man auch immer in dieser Diskussion steht, sicher ist: der Zugang zum World-Wide-Web könnte die Lebensbedingungen in Entwicklungsländern drastisch verbessern. Informationen über das Wetter, Politik und Wirtschaft könnten die Erträge in der Landwirtschaft erhöhen, die Demokratisierung vorantreiben und Unternehmensgründer unterstützen.

Trotzdem haben 60 Prozent der Weltbevölkerung kein Zugang zum Internet.

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Das will der in den USA ansässige Media Development Investment Fund (MIDF) jetzt ändern. Bisher finanziert es vor allem unabhängige Nachrichten-Startups. Nun will sich der Fond, der unter anderem von der UN unterstützt wird, eines Projekts annehmen, das gleich alle vier Milliarden Menschen ohne Internetzugang mit eben diesem versorgen will.

Outernet heißt das Projekt, das das Internet auch in die entferntesten Ecken der Welt tragen soll. Die Idee dahinter: Ein Netzwerk aus hunderten Mini-Satelliten, sogenannten CubeSats, soll in einer Höhe ab 200 Kilometern um die Erde kreisen. Jeder der Satelliten ist mit einem Netzwerk aus Bodenstationen verbunden, die Daten versenden können.

Einweg-InternetDiese Idee ist so einfach wie schlicht. Mit dem herkömmlichen Internet ist die Technik jedoch schwer vergleichbar, denn die Satelliten funktionieren nur in eine Richtung: Nutzer des Outernets können nicht mit Websites interagieren, sondern lediglich Daten empfangen. - Das Outernet ist ein Einweg-Internet. Dem Nutzen für Entwicklungsländer würde das keinen Abbruch tun. Hier nur einige der geplanten Funktionen, die ständig für jeden nutzbar wären:

  • Nachrichten und Informationen von lokalen Nachrichten bis zur Wikipedia
  • Apps und Unterhaltung von Landkarten bis zu Spielfilmen.
  • Bildungskurse, Sprachkurse bis zu Tipps für die Ernte
  • Notfallkommunikation von Warnmeldungen bis zur Katastrophen-Koordination

Ab Juni 2014 sind erste Tests geplant, im April 2015 soll die Produktion der CubeSats, die rund 30.000 Dollar kosten, beginnen. Kurz darauf wird das Outernet zu empfangen sein. Langfristig ist geplant, das Netz durch einen weiteren Ausbau, um die Möglichkeit der Interaktion zu ergänzen. Erst dann wäre auch in Entwicklungsländern eine echte Beteiligung am World-Wide-Web möglich.

Eine freie Gesellschaft, weltweitDer Media Development Investment Fund (MIDF), der das Projekt finanziell trägt, ist ein Fond mit Sitz in New York. Das Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, erschwingliche Finanzierungs- und Geschäftshilfe für Startups zu leisten, die unabhängige Informationen in Länder und Gebiete tragen wollen, in denen diese bisher fehlen.

Ziel sei eine freie Gesellschaft weltweit. Seit 1996 hat der MIDF nach eigenen Angaben rund 128 Millionen Dollar in 96 unabhängige Nachrichten-Unternehmen aus 31 Ländern gesteckt. Finanziert wird der Fond von Investoren, größeren Unternehmen und Regierungsstellen: Mit dabei sind unter anderem das United Nations Development Program (UNDP), die Swiss Agency for Development and Cooperation und die Open Society Foundation.

Zu den Kosten für das Projekt Outernet macht das MIDF keine Angabe. Fraglich ist allerdings, ob sich das Vorhaben gegen die Pläne von Google und Facebook durchsetzen wird: Beide Unternehmen entwickeln derzeit eigene Konzepte, um das Internet weltweit zugänglich zu machen.

Googles Projekt Loon sieht vor, das Internet flächendeckend mithilfe von Ballons zu verbreiten. Diese schweben im Abstand von etwa 40 Kilometern zwanzigtausend Meter über der Erde. Nach ersten Tests in Neuseeland fliegen die Ballons mittlerweile im amerikanischen Kalifornien. Wann die Ballons serienreif sind, ist noch unklar. Wie das Projekt geplant ist, zeigt diese Skizze:

Das Soziale Netzwerk Facebook hat bisher keinen Ansatz genannt, aber auch dessen CEO Mark Zuckerberg will mit seinem Projekt Internet.org den weltweiten Webzugang ermöglichen. Geplant ist eine globale Partnerschaft von führenden Technologieunternehmen und gemeinnützigen Organisationen. Wie diese Partnerschaft im Detail aussieht, ist derzeit noch unklar.

Bisher wirft jedes der Projekte Fragen auf: So stehen die großen US-Konzerne unter dem Generalverdacht, nicht so sehr an digitaler Entwicklungshilfe interessiert zu sein, sondern nur neue Kunden ködern zu wollen. Beim Projekt Outernet hingegen ist unklar, wie nachhaltig hunderte Mini-Satelliten im Orbit der Erde sind. Laut Europäischer Weltraumorganisation (ESA) ist Weltraummüll schon heute ein zunehmendes Problem.

Ganz gleich welches der spannenden Projekte sich durchsetzt, eines scheint sicher: Weltweiter Internetzugang ist wohl nur noch eine Frage der Zeit.

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