Interview: Was das Jahr 2013 für die grüne Wirtschaft bringt

Interview: Was das Jahr 2013 für die grüne Wirtschaft bringt

von Benjamin Reuter

Energiewende, Geldsorgen und gute Ideen - wohin steuert die Cleantech-Branche? Antworten gibt der Berater und Green-Economy-Experte Marco Voigt.

Der Ingenieur Marco Voigt (39) hat nach Stationen bei Porsche und der PIN AG (Gründer) acht Jahre als Unternehmensberater unter anderem für das BMWi, BMU und die EU gearbeitet. Im Jahr 2008 gründete er mit Sven Krüger in Berlin die Umwelttechnik-Beratung VKPartner. Seit 2008 steht er für den deutschen Umwelttechnik- und Medienpreis Clean Tech Media Award. Dieser findet 2013 unter dem neuen Namen GreenTec Awards in Berlin statt. Die WirtschaftsWoche begleitet die Preisverleihung als Medienpartner und wird über die spannendsten grünen Technikideen berichten. Alle Informationen zur Bewerbung gibt es hier.

Im Interview mit WiWo Green spricht Voigt darüber, was Politik, Unternehmen und Banken besser machen müssen, um grüne Technologien zu fördern. Und er verrät die spannendsten Entwicklungen in diesem Bereich.

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Herr Voigt, welches Produkt oder welche Idee hat Sie 2012 an meisten fasziniert und begeistert?

Voigt: Das elektrische Bugrad, dass das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Stuttgart entwickelt hat, ist eine starke Innovation. Die Einsparmöglichkeiten dahinter sind beträchtlich. Allein am Flughafen Frankfurt lassen sich durch den Einsatz dieser Technologie jährlich 16.000 Tonnen Kerosin einsparen und somit fast 50.000 Tonnen CO2 vermeiden. 2012 gab es aber unzählige weitere dieser Ideen.

Die Ideen umzusetzen, war für Unternehmen, Startups und Erfinder aber 2012 so schwer wie lange nicht. Die Investitionen in Cleantech sind zurückgegangen. Welche Bilanz ziehen Sie für das abgelaufene Jahr?

Voigt: Wir haben eine Zuspitzung der Umweltsituation, die weltweit beobachtet werden kann, daneben ein Scheitern der Klimaverhandlungen beim Gipfel in Doha. Gleichzeitig steigt das Bewusstsein in der Bevölkerung und den Unternehmen, dass etwas getan werden muss. Mit grünen Technologien Energie und Ressourcen zu sparen, wird also immer mehr zur Unternehmensstrategie. 2012 war ein wechselhaftes Jahr: Die Marktkonzentration hat zu großen Problemen in der Solarbranche geführt. Auf der anderen Seite gab es aber auch einen Durchbruch beim Car-Sharing, mit vielen neuen Startups aber auch großen Anbietern wie BMW, Daimler und Volkswagen und eine zunehmende Elektrifizierung der Firmenflotten.

Die Investitionen in die Cleantech-Branche gingen weltweit zurück, gibt es dennoch Gewinner?

Voigt: Wie gesagt, Car-Sharing ist in den Städten und in der Bevölkerung angekommen, ein Trend, der sich nicht umkehren wird. Generell waren es eher „solide“ Trends, die vor allem in der Luftfahrt zu Einsparungen bei CO2 führten. Ich denke da zum Beispiel an die konsequente Weiterentwicklung neuer Triebwerke oder auch die Forschungsarbeiten bei den Biokraftstoffen.

Die USA und China und die dortigen Unternehmen scheinen im Bereich Cleantech zunehmend eine Führungsrolle zu übernehmen. Deutschland hofft mit der Energiewende auch auf künftige Exporte der hier erprobten Technik. Ist diese Strategie damit in Gefahr?

Voigt: Die Bundesregierung hat ihre Versprechen zur Technologieförderung erneuert und umgesetzt. Es mangelt leider oft an Flexibilität bei den Projektträgern bei der Begutachtung von Projekten. Auch die zunehmende Bürokratisierung führt zu Finanzierungsengpässen. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen sind oft abgeschreckt und verschieben dann risikoreiche Projekte. Allerdings ist auch zu beobachten, dass ausländische Staatsfonds zunehmend in Cleantech investieren und große Unternehmen sich verstärkt an Startups beteiligen.

Sprich, es gibt Aufwind in der Branche?

Voigt: Generell ist im Moment sehr viel Kapital vorhanden, um in innovative Unternehmen zu investieren – es mangelt leider oft an den Businessplänen. Wir dürfen nicht vergessen: Cleantech ist kein Goodwill allein – hier geht es um Wirtschaftlichkeit! Mangels Wirtschaftlichkeit kommt die Brennstoffzellenbranche zum Beispiel derzeit nicht weiter. Hier bin ich mittlerweile pessimistisch. Der Wettbewerb um das Geld nimmt generell zu, aber es gibt immer noch vielfältige Finanzierungsmöglichkeiten.

Was muss die Regierung bei der Finanzierung von grünen Ideen besser machen?

Voigt: Eine Erleichterung des Kapitalzugangs durch Entbürokratisierung und schnellere und transparentere Entscheidungen in der Förderpolitik wären ein großer Schritt nach vorne. Wir müssen ein Innovationsklima schaffen, das verlässliche Rahmenbedingungen garantiert. Nur ein Beispiel: Das Schaufenster Elektromobilität. Hier warten die Antragsteller über ein Jahr auf eine Bewilligung! Das ist ein ganz großes Problem. Die zunehmende Selbstbeschäftigung und -verwaltung von Behören. Hier fehlen eindeutig Reformen.

Und wo können die Banken besser werden?

Voigt: Bei den Banken sehe ich aufgrund der Finanzkrise noch immer das Problem der Risikofinanzierung. Banken scheuen derartige Geschäfte. Gerade im Bereich Cleantech haben wir es aber regelmäßig mit hohen Risiken zu tun. Startups oder kleine und mittlere Unternehmen sind heute zu oft gezwungen, Investitionen in Cleantech-Projekte auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Banken tragen hier einen großen Teil dazu bei.

Was ist Ihr Ausblick für 2013? Welche Branchen werden boomen, wo wird es nicht so gut laufen?

Voigt: Das Thema grüne Produktion in der Industrie wird immer präsenter, in der Luftfahrt wird es wichtige Innovationen und Emissions-Einsparungen geben. Für mich persönlich wird das Thema Urban Mining spannend. Auch für die Elektromobilität wird 2013 ein wichtiges Jahr: Wird sie an Fahrt aufnehmen, wenn mehr und mehr deutsche Modelle auf den Markt kommen auch getrieben durch die Schaufenster Elektromobilität? Oder bleibt es bei den pessimistischen Prognosen und der Zurückhaltung beim Kauf?

Die Solarbranche wird eine weitere Marktbereinigung erleben und muss neue Angebote und Anwendungsfälle entwickeln. Das Thema Schiefergas und Fracking wird uns zunehmend beschäftigen – die angestrebte Energieunabhängigkeit der USA wird sich dabei negativ auf die globale Cleantech-Branche auswirken. Hier wird es entscheidend sein, wie sich die europäischen Regierungen zum Thema positionieren. Mit der Energiewende haben wir eigentlich schon die Antwort – wir müssen nur alle konsequent damit umgehen.

Was sind die drei faszinierendsten Startups, Unternehmen oder Entwicklungen, mit denen Sie 2013 rechnen?

Voigt: Ich beobachte schon länger die enbreeze GmbH, die Kleinwindanlagen entwickeln und gerade ihre erste Pilotanlage in Betrieb genommen haben. Auch interessant ist die Firma Heliatek aus Dresden, die organischen Solarzellen entwickeln und jüngst 20 Millionen Euro frisches Kapital erhalten haben. Allerdings ist mein aktueller Favorit das Joint Venture SGL Lindner, das die Gebäudeklimatisierung revolutionieren will. Das klingt erstmal nach einer Nische, ist aber ein riesiger Markt. Außerdem lassen sich dort Unmengen Energie einsparen. Ansonsten werden auch die Bewerber für die GreenTec Awards 2013 wieder zeigen, was im Cleantech-Bereich alles möglich ist.

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