Kampf um .eco: Umweltschützer retten Internetdomain

Kampf um .eco: Umweltschützer retten Internetdomain

von Thiemo Bräutigam

Naturschutzorganisationen haben sich die Endung .eco gesichert. Nur, was wollen sie damit?

Echter Umweltschutz statt Greenwashing, so lautet das Motto von doteco, einer Koalition von mehr als 50 Naturschutzorganisationen mit dem gemeinsamen Ziel, die Domainendung .eco zu sichern (WiWo Green berichtete). Mit Erfolg, wie jetzt bekanntgegeben wurde.

Die Initiative, die auf das kanadische Unternehmen Big Room zurückgeht und der sich zahlreiche namhafte NGOs wie Greenpeace und der WWF angeschlossen haben, entscheidet in Zukunft darüber, ob ein Interessent die Domain .eco erhält oder nicht. Damit setzte sich doteco gegen die Konkurrenz von Unternehmen wie Planet.Eco, Donuts und United Domains durch.

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Bei unternehmerischen Anliegen ist es vergleichsweise einfach, einen Namen oder eine Adresse im Internet zu erwerben, doch bei Projekten mit „gesellschaftlicher Relevanz“ stehen die Dinge etwas anders. In dieser Kategorie entscheidet die ICANN, eine Organisation, die die Vergabe von Namen und Adressen im Internet koordiniert, zum Vorteil des Bewerbers, der die Interessen einer geschlossen auftretenden Branche vertritt. Während United Domains und Donuts, zwei Unternehmen aus der Domain-Branche, mit ihren privatwirtschaftlichen Interessen schon zu Beginn wenig Chancen hatten, kämpften doteco und Planet.Eco geradezu erbittert gegeneinander.

Klage, Gegenklage, WiderklageSogar rechtliche Auseinandersetzungen haben die beiden Wettbewerber nicht gescheut. Schon im Frühjahr 2012 überzog Planet.Eco den Konkurrenten doteco beziehungsweise die Firma Big Room mit Klagen. Ein kalifornisches Gericht sollte doteco die Bewerbung um die Domain vollständig verbieten, auch eine Schadenersatzforderung in Millionenhöhe wurde gestellt. Der Grund: Die Initiative doteco hatte zuvor versucht, Planet.Eco per Gerichtsbeschluss aus dem Rennen zu nehmen. Auf den erneuten Vorstoß von Planet.Eco reagierte doteco mit einer Widerklage.

Nun hat die ICANN endgültig entschieden. In Zukunft wird die Domainendung von doteco verwaltet. Ob so tatsächlich nur wirklich grüne Projekte Zugang zu der begehrten Adresse bekommen, das bleibt abzuwarten. Schließlich verdient auch doteco an der Vergabe der Top-Level-Domain. Und ob sich Planet.Eco mit dem Ausgang des Verfahrens zufrieden gibt, ist unwahrscheinlich.

Shell.eco? Ausgeschlossen!Am wichtigsten sei nun, sagt Jacob Malthouse von Big Room, dass .eco nicht bedeutungslos werde. Mit hohen Qualitätsstandards und einer grünen Agenda solle der Anspruch an echte Nachaltigkeit gesichert werden. Auch ein Community Council, ein Beirat der Öffentlichkeit, solle künftig an der Vergabe der Endung beteiligt sein. Unternehmen, die ihre Umweltsünden hinter einer grün-klingenden Domain verbergen wollen, werden bei der Vergabe aussortiert.

Dass .eco überhaupt an ein geschlossenes Bündnis vergeben wurde, ist eine Seltenheit. Mit einem solchen Anliegen waren bisher nur wenige Branchen erfolgreich. Ein bekanntes Beispiel sind Hoteliers, die sich die Endung .hotel sicherten. Kein Wunder: Allein die Bewerbungsgebühr für die exotischen Domains liegt zwischen 50.000 und 500.000 US Dollar. Der fortlaufende Betrieb kann ebenfalls viele personelle wie finanzielle Ressourcen binden. Damit ist der Sieg von .eco für Big Room und die doteco-Initiatve zuerst und vor allem ein symbolischer Erfolg.

Die Frage, wie und ob eine Domainendung konkret der Umwelt helfen kann, wird wohl ohnehin unbeantwortet bleiben.

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