Karriere: Warum Sozialunternehmen unterschätzt werden

Karriere: Warum Sozialunternehmen unterschätzt werden

von Jan Willmroth

Zwar können es sich viele vorstellen, für ein Sozialunternehmen zu arbeiten. Doch nur wenige gehen den Schritt.

Der soziale Sektor in Deutschland wächst – und er hat ein Problem: Zwar kann sich laut einer aktuellen Umfrage mehr als jeder Dritte eine Karriere bei einem Sozialunternehmen vorstellen, aber kaum jemand geht den Schritt tatsächlich. Das zeigt eine Studie der Organisation Ashoka und der Unternehmensberatung McKinsey, die WiWo Green exklusiv vorliegt. Demnach geben nur acht Prozent der Befragten an, sich aktiv nach Jobs bei sozialen Unternehmen umzusehen.

Die Gründe sind vielfältig. Der wichtigste: Der Sektor der Unternehmen, denen soziale Verantwortung wichtiger ist als ihr Profit, ist zwar bekannt. Aber nur die wenigsten wissen, welche Karrieremöglichkeiten die Unternehmen bieten. So falle es Sozialunternehmen schwer, talentierte Arbeitskräfte zu gewinnen, heißt es in der Studie. Mehr als die Hälfte der Befragten wünscht sich mehr Informationen über Karrierewege mit sozialer Wirkung.

Anzeige

Zudem glaubten viele der Befragten, sie fänden im sozialen Sektor zwar Arbeit, aber nicht die Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die sie aus der Privatwirtschaft gewohnt sind. Und nicht zuletzt spielt das Geld eine entscheidende Rolle: Knapp zwei Drittel der 1767 Befragten würden nicht in den sozialen Sektor wechseln, wenn sie dort weniger verdienen. Dabei wüssten viele nicht, dass die Gehälter im sozialen Sektor mit denen im öffentlichen Dienst vergleichbar seien.

Headhunter für SozialunternehmenFelix Oldenburg, Geschäftsführer der Förderorganisation Ashoka (und Gastautor bei WiWo Green), will deshalb den Jobmarkt im sozialen Sektor professioneller organisieren und das Unwissen beseitigen. „Die Umfrage zeigt, dass wir eine andere Art von Jobs mit Sinn brauchen“, sagt sein Kollege Dennis Hoenig-Ohnsorg, bei Ahsoka zuständig für das Thema Karriere. Viele Menschen wünschten sich Berufe und Karrierewege, in denen sie ihre gesellschaftliche Wirkung direkt erleben können. „Diese Jobs sind aber noch schwieriger zu finden, als gewöhnliche“, sagt Hoenig-Ohnsorg.

Ashoka hat deshalb mehrere Initiativen gestartet, um  Sozialunternehmen und Talente zusammenzubringen. Eine davon ist die im Dezember gestartete Talentagentur Talents4Good, die als Headhunter für den sozialen Sektor funktionieren, Fach- und Führungskräfte dauerhaft vermitteln oder für einzelne Projekte von Unternehmen abwerben soll. Als Ansprechpartner sowohl für Talente als auch Unternehmen hat die Agentur schon zehn Arbeitnehmer erfolgreich vermittelt.

„Sozialunternehmen können zu einem Magnet werden für Menschen, die es auch sonst überall schaffen würden“, sagt Hoenig-Ohnsorg. Top-Talente also. Nichts ziehe gute Leute mehr an, als gute Kollegen: „In diesen Kreislauf müssen wir hineinkommen.“

Mit einer weiteren Idee richtet sich Ashoka deswegen auch an junge Ehrenamtliche. Das Programm Engagement mit Perspektive, finanziert vom Softwarekonzern SAP, soll Ehrenamtlichen zwischen 16 und 27 Jahren helfen, ihre Projekte voranzubringen. Dazu vergibt die Initiative Stipendien, fördert einzelne Projekte und bietet Weiterbildungen an.

Ein Programm für ältere Arbeitnehmer macht die Talentoffensive für den Sozialsektor komplett: Derzeit arbeitet Ashoka mit der European Business School zusammen, um das Potenzial der Initiative Erfahrungsunternehmer zu erörtern. Sie soll ältere Arbeitskräfte schon vor dem Renterneinttritt auf ein sozialunternehmerisches Engagement vorbereiten. Denn ein Drittel der 45-65-Jährigen kann sich vorstellen, auch als Rentner weiter zu arbeiten. Auf den sozialen Sektor wartet ein großes Potenzial an Arbeitskräften. Bald wird es wohl stärker ausgeschöpft.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%