Kein Müll mehr: Zwei Unternehmen zeigen, wie das gehen kann

Kein Müll mehr: Zwei Unternehmen zeigen, wie das gehen kann

von Sandra Lukatsch

Einmal aussortiert, enden Kunststoffe meist im Verbrennungsofen. Neue Cradle-to-Cradle-Konzepte sollen das ändern.

Auf der einen Seite häufen sich die Müllberge – auf der anderen werden die Ressourcen knapp. Schon am 20. August markierte der „Earth Overshoot Day“, dass die Menschen sämtliche natürlichen Ressourcen eines ganzen Jahres erschöpft haben.

Der Entwickler des Cradle-to-Cradle-Konzepts, Michael Braungart, sieht darin aber keinen Grund, weniger verschwenderisch zu leben: „Sparen und einschränken bringt nichts“, sagt der Chemiker. „Auf diese Weise verbrauchen wir unseren Planeten trotzdem – wenn auch langsamer.“

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Cradle-to-Cradle heiß übersetzt so viel wie "von der Wiege zur Wiege". Die Vision Braungarts: Ein Leben ganz ohne Abfall muss her. Die Ressourcen müssen in geschlossenen biologischen oder technischen Kreisläufen zirkulieren. Damit das funktioniert, müssen sich Produkte wieder in ihre einzelnen Bestandteile zerlegen lassen. Nur dann können sie in Folgeprodukten von Grund auf wiederverwendet werden.

Bei Verbundverpackungen ist dies bisher kaum möglich. Das sind etwa Getränkeboxen oder Tütensuppen mit mindestens zwei verschiedenen Materialien. So lassen sich Kunststoff-Aluminium-Kombinationen nur schwer trennen, weil sie oft giftige Zusatzstoffen enthalten. Vollständiges Recycling unmöglich. Aus alten Verpackungen entstehen dann oft minderwertigere Produkte, als das Ausgangsmaterial (sogenanntes „Downcycling“). Häufiger noch werden die Verpackungen einfach thermisch verwertet - also verbrannt.

"Newcycling" trennt Aluminium und Kunststoff

Um dieser Umweltbelastung zu entgehen, hat die APK Aluminium Kunststoff AG das sogenannte "Newcycling" entwickelt. Bei dem Verfahren werden Verbundmaterialen in ihre Bestandteile zerlegt. Dabei entstehen schließlich sortenreine Kunststoffe mit Neuwarencharakter.

Der Betrieb aus Merseburg hat sich speziell auf die Trennung von Aluminium und Low-Density-Polyethylen (LDPE) spezialisiert. Die Trennung erfolgt in zwei Stufen. In der ersten, der mechanischen Aufbereitung, werden die Verbundverpackungen zu sortenreinen Granulaten aufgearbeitet. In der zweiten Stufe trennt das weltweit neuartige chemisch-physikalische Löseverfahren das reine LDPE vom Aluminium.

APK geht davon aus, dass der dadurch neu hergestellte Kunststoff später wieder in Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden kann. Was früher als Kunststoffabfall verbrannt wurde, wird nun ein technischer Nährstoff für ein gleichwertiges Folgeprodukt.

Kaffeekapsel für den KompostAuch BASF nutzt das Cradle-to-Cradle-Prinzip. Der Weltkonzern produziert mit dem sogenannten "ecovio" einen Kunststoff, der vollständig in den biologischen Kreislauf zurückgeführt werden kann. Zusammen mit der Swiss Coffee Company hat das Chemieunternehmen daraus eine Kaffeekapsel entwickelt, die zu einem hohen Anteil aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird. Das macht sie vollständig kompostierbar, also biologisch abbaubar.

Bisher sind die Kapseln jedoch nur in der Schweiz zu haben. Aber auch hier gibt es schon grüne Alternativen zu umweltschädlichen Aluminium-Kaffekapseln. So etwa vom Hersteller Esprimo.

Deutsche Abfallentsorgungsbetriebe warnen allerdings davor, Verpackungen aus zertifiziert kompostierbarem Kunststoff in der Biotonne zu entsorgen. Denn das Material benötigt für den Abbauprozess mehr Zeit, als normaler Bioabfall. Zudem ergebe sich kein Nutzen für die Kompostierung: Es entstünden weder wertvolle Nährstoffe, noch Humus oder Biomasse, sondern lediglich Wasser und Kohlendioxid.

Die Beispiele zeigen: Innovative Cradle-to-Cradle-Konzepte können heute schon giftige Kunststoffe umweltfreundlich wiederverwenden. Der erste Schritt für Braungarts Vision in eine abfallfreie Welt.

Wie Cradle-to-Cradle funktioniert, sehen Sie in diesem Video:

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