Klimaanlagen: Kühltechnik für Bierfässer senkt Strombedarf in Gebäuden

Klimaanlagen: Kühltechnik für Bierfässer senkt Strombedarf in Gebäuden

von Wolfgang Kempkens

Der Stromverbrauch durch Klimaanlagen steigt an. Ein Startup steuert mit einem innovativen Kühlsystem dagegen.

Viel wird derzeit darüber diskutiert, wie Eigenheimbesitzer und Unternehmen ihre Gebäude energiesparend wärmen können. Dabei wird vergessen, dass auch das Kühlen von Gebäuden enorm viel Strom verbraucht.

Und es wird nicht besser: So geht die Beratungsagentur Ecofys davon aus, dass in den kommenden 20 Jahren mit einer Verdoppelung der Kohlendioxidemissionen durch höheren Stromverbrauch durch Kühlung von Wohngebäuden zu rechnen ist. Bei Nichtwohngebäuden ist es ein Plus von 25 Prozent. Allein drei Prozent des deutschen Stromverbrauchs geht in die Kühlung von Gewerbeimmobilien.

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Die Frage stellt sich also: Wie kühlen und gleichzeitig Strom sparen? Vor diesem Problem stand auch das Management des Jungunternehmens SorTech in Halle an der Saale, das aus dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg hervorging. Die Antwort der Sachsen-Anhaltiner: Adsorptionstechnik. Für alle, die jetzt stutzen: Sie ist einer breiteren Öffentlichkeit als stromloses Kühlsystem für Party-Bierfässer bekannt.

Die Adsorptionstechnik hat zwei große Vorteile. Zum einen brauchen Kältemaschinen, die nach diesem Prinzip arbeiten, kaum Strom. Zum anderen verwerten sie Wärme, die sonst nicht genutzt wird oder werden kann. Etwa die aus Fabriken; aus Solarkollektoren, wenn der Warmwasserspeicher voll ist; aus Blockheizkraftwerken, die im Sommer fast keine Abnehmer für ihre Wärme finden oder auch aus Automotoren.

Und so funktioniert es - ein Video dazu finden Sie am Ende des Textes: Die Wärmekaltmacher, wie sie sich bei SorTech scherzhaft nennen, setzen auf hoch poröse Naturprodukte wie Zeolithe. Das Verfahren funktioniert nur in einer luftleeren Box. Darin befinden sich vier Systeme: Ein Kaltwasserbehälter, zwei Behälter, gefüllt mit Zeolithen und ein Kondensator. Der Prozess beginnt mit dem Öffnen eines Ventils zwischen dem ersten Adsorber und dem Wassertank. Im Vakuum verdampft Wasser bereits bei weniger als Zimmertemperatur. Die Zeolithe saugen den Dampf gierig auf und kühlen sich auf Grund der Verdunstungskälte ab. Diese wird zum Klimatisieren genutzt.

Gleichzeitig findet im zweiten Adsorber, der sich im vorherigen Zyklus voll Wasserdampf gesaugt hat, der umgekehrte Prozess statt. Er wird mit Überschusswärme beheizt, sodass das Wasser verdampft und in den kälteren Kondensator eindringt. Hier wird er wieder zu Wasser, das in den Vorratsbehälter zurückfließet. Dieser Schaukelprozess findet immer wieder statt. Mal saugt der eine Adsorber, mal der andere. Und mal wird der eine erwärmt, mal der andere.

In vielen Fällen reicht es, wenn das Wasser im Vorratstank einfach mit Umgebungsluft gekühlt wird. Bei hohen Außentemperaturen, vor allem in tropischen und subtropischen Regionen, kann dieser Kühleffekt zu gering sein. Dann empfiehlt SorTech, Rohre ins Erdreich zu treiben, durch die das Wasser aus dem Vorratstank gepumpt wird. Selbst in Wüstenregionen liegt die Erdtemperatur in einigen Metern Tiefe bereits bei wenig mehr als zehn Grad Celsius.

Diese „Premium-Lösung“, wie sie SorTech-Vertriebsleiter André Weiß nennt, verteuert die Installation allerdings beträchtlich. Andererseits wird die Erde rund um die Rohre aufgewärmt. Diese Energie lässt sich in Ländern, in denen es Wintertage gibt, durch Umkehrung der Funktion der Kältemaschine nutzen. Sie wird zum Wärmepumpe.

Die Maschinen reduzieren die Klimakosten um bis zu 70 Prozent, sagt Weiß. Der Preis beträgt rund 900 Euro pro Kilowatt Kälteleistung. Das Unternehmen baut Anlagen in Größen von fünf bis 50 Kilowatt. Geeignet sind sie für Privathäuser, Handwerk, Büros und Industrie.

Und hier wird die Technik noch einmal im Video erklärt:



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