Klimafreundlich: Diese Ziegelsteine wachsen im Gewächshaus

Klimafreundlich: Diese Ziegelsteine wachsen im Gewächshaus

von Robyn Schmidt

Ein Unternehmen lässt Ziegelsteine wachsen. Das spart Unmengen an Kohlenstoffdioxid ein.

Fast alle Häuser haben eines gemeinsam - den Ziegelstein. Egal ob Villa, Reihenhaus oder Wohnblock, nur die wenigsten von ihnen haben kein Ziegelherz. Damit tragen sie einen nicht unwesentlichen Teil zum globalen CO2-Ausstoß bei. Schließlich müssen Ziegelsteine normalerweise tagelang bei großer Hitze in Öfen gebrannt werden, bevor man sie zum Bau nutzen kann. Der Effekt ist immens - wie China im vergangenen Jahr gezeigt hat.

Doch was, wenn man die Ziegel nicht mehr brennen, sondern wie Pflanzen in einem Gewächshaus züchten könnte? Ginger Krieg-Dosier ist Architektin und hat sich genau darüber Gedanken gemacht. "In der Architektur-Schule habe ich gemerkt, dass der Ziegelstein der kleinste gemeinsame Nenner in der Konstruktion ist", sagt sie in einem Ted Talk.

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Als sie dann 2005 bei einem einer Architekturfirma gearbeitet hat, sollte sie nach grünen Alternative für Baumaterialien suchen. Dabei hat sie entdeckt, dass Ziegel in dem Bereich bisher immer übergangen wurden. Das wollte sie ändern. "Was ist, wenn wir die Natur - anstatt nur von ihr abzukupfern - in unseren Herstellungsprozess einbinden könnten?"

Ziegelsteine in fünf TagenSie hat mit Wissenschaftlern zusammengearbeitet und ein Verfahren entwickelt, mit dem man Ziegelsteine aus Sand und Bakterien wachsen lassen kann. 2012 hat sie das Unternehmen BioMason gegründet, nächstes Jahr soll der Ziegel an den Markt gehen. In der Zwischenzeit hat sie über 2.5 Millionen Euro an Startkapital, Zuschüssen und Preisgeldern gesammelt.

Der Prozess ist vergleichbar mit dem, bei dem sich Korallen bilden. Korallen können allerdings brüchig sein, die Ziegel sind es nicht. Sie sind stark genug für Häuser und andere Gebäudestrukturen. Der Vorgang beginnt mit Sand, der in eine rechteckige Form gepackt wird. Dann mischt man Bakterien unter den Sand. Diese umschließen die einzelnen Körner und fügen sich dann zu einem Kern zusammen.

Um den Kern wiederum bilden sich sogenannte Kalziumkarbonat-Kristalle. Diese wachsen, wenn die Ziegel über ein Bewässerungssystem mit nährstoffreichem Wasser versorgt werden. Das füllt die letzten Lücken zwischen den Sandkörnern. Nach drei bis fünf Tagen sind die Ziegel fertig und können benutzt werden. Die Bakterien sterben, sobald sie keine Nährstoffe mehr bekommen.

Das benutzte Wasser wird übrigens komplett wiederverwertet. Das ist nicht nur sparsam, beim Wachstumsvorgang entsteht auch ein Nebenprodukt durch die Bakterien, das als Düngemittel wirkt. Man kann damit also Blumen gießen - oder das Wasser für die nächsten Ziegel weiternutzen, die damit umso besser wachsen.

Gespräche mit großen HerstellernDer Markt für das Produkt ist auf jeden Fall da. Jedes Jahr werden weltweit über 1.23 Billionen Ziegel produziert, sagt Krieg-Dosier. Dabei würden 800 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen. "Wenn man die Ziegel aneinanderreihen würde, würden sie 325 Mal zum Mond und wieder zurück reichen." Diesen Bedarf kann BioMason leider noch nicht decken. Momentan haben sie eine Testfabrik, die 1500 Ziegel pro Woche produzieren kann. Damit bekommt man auch über das Jahr gesehen keinen Häuserblock zusammen.

Momentan hat BioMason Lizenzvereinbarungen mit zwei US-amerikanischen Herstellern und ist in Gesprächen mit mehreren anderen, darunter auch europäische Firmen. Der Ausbau soll als kommen - und damit die Hoffnung, dass der vielleicht wichtigste Baustein des Häuserbaus bald klimafreundlich werden könnte.

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