Klimawandel: Großkonzerne fordern weltweiten CO2-Preis

Klimawandel: Großkonzerne fordern weltweiten CO2-Preis

von Jan Willmroth

Vorstoß im Vorfeld der Klimakonferenz in Doha: Mehr als 100 Großkonzerne haben am Montag einen weltweit einheitlichen Preis für CO2-Emissionen gefordert.

Es ist ein ungewöhnlicher Vorstoß im Vorfeld der Klimakonferenz in Doha: Mehr als 100 Großkonzerne haben am Montag einen weltweit einheitlichen Preis für CO2-Emissionen gefordert, der gegen den drohenden Klimawandel helfen soll. Nur ein globaler Marktpreis schaffe für Großunternehmen die regulatorische Sicherheit und gleiche Wettbewerbsbedingungen für die nötigen Investitionen in emissionsarme Produktion und Innovationen, heißt es in dem Carbon Price Communiqué der Initiative "Prince of Wales Corporate Leader's Group on Climate Change".

"Der Privatsektor investiert Billionen Dollar in Energie und Infrastrukturprojekte - aber in den meisten Fällen nicht gelenkt von dem Ziel, die Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren", schreiben die Autoren. Es sei ein effektiverer Ansatz nötig, um die privaten Investitionen im Kampf gegen den Klimawandel in die richtige Richtung zu steuern. Dazu stellen die Corporate Leader drei zentrale Forderungen:

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1. Die Regierungen sollten CO2-Preise zum Kern ihrer Klimapolitik machen

2. Sie sollen langfristig einen weltweiten Emissionshandel einrichten

3. Sie sollen sich dabei am 2-Grad-Ziel orientieren.

Globale Schwergewichte wie die Ölkonzerne Shell und Statoil, der britische Energieversorger EDF Energy, der Lebensmittelhersteller Unilever oder der Rückversicherer Swiss Re haben das Communiqué unterzeichnet."Wenn wir CO2 bepreisen, stellen wir sicher, dass die günstigen Maßnahmen zur Reduktion von Emissionen zuerst umgesetzt werden", sagte Grahan van't Hoff, Chairman von Shell UK.

Statt verschiedener Emissionshandels- und CO2-Steuersysteme in verschiedenen Weltregionen, sollen Verschmutzer also langfristig weltweit das gleiche zahlen. Ist der CO2-Preis hoch genug, sorgt der Markt für die nötigen Investitionen in Effizienz, so das Kalkül. Zusätzlich können Regierungen das Geld aus dem Verkauf von Zertifikaten wieder in den Klimaschutz investieren. Allerdings sei ein CO2-Preis nicht die alleinige Lösung und müsse von anderen Maßnahmen begleitet werden, heißt es im Communiqué weiter.

Gleichzeitig fordern die Initiatoren auch, bestehende Systeme auszubauen und miteinander zu verknüpfen. Vor einigen Monaten kündigte die EU an, ihr Emissionshandelssystem mit dem noch jungen System in Australien zu verknüpfen. Auch eine Verknüpfung des australischen Systems mit dem neuseeländischen und dem neuen Emissionshandel in Kalifornien sind im Gespräch. Eine Chance auf dem Weg zu einem weltweiten CO2-Preis könnte es sein, bestehende Systeme so zu vereinheitlichen.

Mit einer Vereinheitlichung des Emissionshandels befassen sich die Experten auch bei den Klimaverhandlungen, die am kommenden Montag in Doha im Emirat Katar starten. Die Konferenzteilnehmer beraten dort nach Kopenhagen (2009) und Durban (2011) erneut über eine Forsetzung des Kyoto-Protokolls von 1998, das am Ende des Jahres ausläuft - viel wird davon abhängen, welche Zugeständnisse die größten CO2-Emittenten, USA und China, in Sachen Emissionshandel machen wollen. Halten die beiden sich zurück, könnten regionale Kooperationen ein Ausweg aus den stockenden Verhandlungen sein.

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