Knappes Wasser: Großkonzerne sorgen sich um ihr Geschäft

Knappes Wasser: Großkonzerne sorgen sich um ihr Geschäft

von Anna Gauto

Wasserknappheit lässt die Alarmglocken bei Unternehmen läuten. Zwei Drittel von ihnen bereitet das Phänomen laut einer aktuellen Umfrage Sorgen.

Es sollte eine der größten Gold- und Silberminen der Welt werden. Doch derzeit tut sich wenig rund um das Pascua-Lama-Projekt des kanadischen Konzerns Barrick Gold, das sich zwischen Chile und Argentinien erstreckt. Im Mai 2013 stoppten die chilenischen Umweltbehörden die Bauarbeiten und verdonnerte den größten Goldproduzenten der Welt zu einer Rekord-Strafe von 16 Millionen US-Dollar.

Denn Barrick Gold hat neben der Justiz auch die lokale Bevölkerung gegen sich, da die Firma kein vernünftiges System zur Behandlung und Reinigung von Wasser installiert hatte. Die Kosten für das Projekt, das ursprünglich auf drei Milliarden Dollar taxiert wurde, haben sich mittlerweile auf mehr als acht Milliarden Dollar aufgetürmt.

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Auch Rio Tinto erlebt ein FiaskoEin ähnliches Fiasko erlebte die Bergbaufirma Rio Tinto in Alaska. Bedenken, die „Pebble Mine“ könnte die Umwelt und den Lachs-Bestand vor Ort gefährden, führten dazu, dass die US-Umweltbehörde den Laden dicht machte. Rio Tinto musste sein Investment aus der Mine zurückziehen.

Die Beispiele der eingemotteten Minen zeigen, dass gute Strategien für den Umgang mit Wasser für Konzerne unerlässlich sind. Andernfalls können sie viel Geld verlieren – genau wie ihre Anteilseigner. "Denn der drohende Klimawandel, der die Unternehmen jagt, ist der Hai", sagt Paul Simpson, der CEO des Carbon Disclosure Project (CDP), einer NGO, die Unternehmen regelmäßig zu ihren Umweltdaten befragt. "Seine Zähne sind der Wassermangel" und die bekommen Firmen als erstes zu spüren.

Um sich also gegen Verluste abzusichern, haben Kapitalgeber mit einem Anlagevolumen von insgesamt 60 Billionen US-Dollar das CDP beauftragt, die Strategien von Unternehmen in Bezug auf die knappe Ressource Wasser zu erfragen. 1.064 Unternehmen gaben dem CDP Auskunft, der sich in seinem aktuellen Water Report auf 174 Konzerne aus dem FTSE-Global-Equity-Index, der die weltweit größten Unternehmen vereint, konzentriert hat. Das sind die zentralen Ergebnisse:

  • Zwei Drittel der evaluierten Konzerne sehen sich in Bezug auf den Rohstoff Wasser „substantiellen“ Risiken ausgesetzt. 22 Prozent, also fast ein Viertel, befürchtet sogar, dass Wasserknappheit oder -verschmutzung das Wachstum ihres Unternehmens hemmen könnten. Von diesen Firmen meint ein Drittel, dass die negativen Auswirkungen bereits in den nächsten zwölf Monaten eintreten werden.
  • Neben Knappheit oder Verschmutzung kämpfen Firmen mit höheren Wasserpreisen, rechtlichen Hürden bei der Entnahme und Auseinandersetzungen mit den Bewohnern vor Ort – ähnlich wie bei Barrick Gold. Die Unternehmen benennen insgesamt 853 Risiken und erwarten, dass sich etwa die Hälfte davon entweder sofort oder in den nächsten drei Jahren auf ihr Geschäft auswirken werden.
  • Besonders unter Wasserstress geraten werden die aufstrebenden Schwellenländer Brasilien, China, Indien und Mexiko. Die Weltbank schätzt, dass in Mexiko schon jetzt fast 40 Prozent mehr Grundwasser entnommen als wieder aufgefüllt wird. Und auch in Sao Paolo könnte die Wasserversorgung wegen ausbleibender Regenfälle kollabieren.
  • Da verwundert es nicht, dass sich der Anteil der Investoren, die über das CDP Informationen von Unternehmen und ihrem Wassermanagement anfragen, nach Angaben von Paul Simpson seit 2010 fast vervierfacht hat.
  • Die Studie zeigt zwar, dass Firmen, deren Geschäft, wie die Getränkeindustrie, besonders stark von Wasser abhängt, für die Risiken aufgeschlossener sind. So wissen 74 Prozent, wie Qualität und Wasser-Verfügbarkeit ihr Wachstum beeinflussen. Doch zu wenige haben die Zukunft im Blick. Nur etwa ein Drittel kennt die Effekte, die Wasserknappheit auf seine Wachstumsstrategien in den nächsten zehn Jahren haben wird. Und das, obwohl Studien zeigen, dass die globale Wasser-Nachfrage das Angebot bis 2030 um 40 Prozent übertreffen könnte.
  • Lieber nichts über ihr Wassermanagement sagen, möchten 42 Prozent der angefragten Unternehmen. Gerade die Energiewirtschaft ist sehr zurückhaltend mit Informationen, obwohl gerade sie besonders viel Wasser benötigt und verbraucht. Zu den größten Unternehmen die keine Angaben zu ihrem Wassermanagement machen wollen, gehören Nike und ExxonMobil.
  • Doch eine Reihe von Unternehmen (75 Prozent) hat die Möglichkeiten erkannt, die in der Ressource Wasser schlummern. So schätzt der Chemieriese BASF, dass er durch seine Produkte, die Wasser einsparen und recyceln, zusätzlich Einnahmen im Wert von einer Milliarde Euro erreichen kann. Das Telekommunikationsunternehmen Cisco hat ein neues Löt-Verfahren eingeführt, das den Verbrauch von Wasser reduziert und spart so jährlich eine Million Dollar ein. Und auch Coca Cola investiert viel Geld in Wasserschutzprogramme.
  • It's the water, stupid! Wasser ist zur Chefsache geworden: Bei 62 Prozent der Konzerne kümmert sich der Vorstand um das Thema – 2013 waren es noch 58 Prozent. Außerdem geben nahezu alle Unternehmen (82 Prozent) an, sich Ziele gesetzt zu haben, um weniger Wasser zu verbrauchen.

„Wasser ist eine entscheidende Ressource für jedes Unternehmen. Sowohl Geldgeber als auch die Unternehmen haben verstanden, dass Probleme mit Wasser den Wert einer Marke beschädigen und die Wachstumsaussichten eintrüben könnten", resümiert Paul Simpson.

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