Kompostierbare Kleidung: Freitag macht neben Taschen jetzt auch Bio-Mode

Kompostierbare Kleidung: Freitag macht neben Taschen jetzt auch Bio-Mode

von Anna Gauto

Bekannt wurden die Brüder Freitag mit Kult-Taschen aus Lkw-Planen. Jetzt bringen sie kompostierbare Kleidung auf den Markt.

Muss Kleidung wirklich erst drei Mal um den Erdball reisen, bevor wir sie tragen können? Und wozu der Aufwand, wenn die ausgetragenen Jeans, die wir nicht zur Altkleidersammlung geben, im Abfall landen?

Das haben sich auch Markus und Daniel Freitag gefragt. Berühmt wurden die Brüder mit ihren Kult-Taschen aus alten Lastwagen-Planen und Sicherheitsgurten. Als die Schweizer passende Arbeitskleidung für die Mitarbeiter ihrer Freitag-Fabriken beschaffen wollten, merkten sie, dass sie etwas suchten, was es noch nicht gab.

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 Freitag verzichtet auf BaumwolleDenn die Brüder wollten für ihr Team keine Kleidung aus herkömmlichem Material, sondern „einen konsequent nachhaltig produzierten und kompostierbaren Stoff, made in Europe“, wie das Unternehmen auf seiner Website schreibt.

Also beschlossen die Unternehmer, selbst Bekleidung herzustellen, die ihren Ansprüchen genügen würde. Herausgekommen ist die kleine Kollektion "F-ABRIC" für Frauen und Männer, die aus fünf Teilen besteht: Arbeitshose, T-Shirt, Longsleeve-Oberteil, Arbeitskleid und Tasche.

Das klingt simpel, war es aber nicht. Denn schon die Material-Auswahl gestaltete sich schwierig. Baumwolle, ein beliebter Rohstoff für Textilien, kam für die Brüder nicht in Frage.

Denn Baumwolle braucht viel Wasser, große Anbauflächen und gedeiht vor allem in den Tropen und Subtropen. Auch in Uzbekistan, wo es große Plantagen gibt, ist das Wasser knapp. Große Transportwege wollten die Schweizer aber unbedingt vermeiden. Also entschieden sie sich nach einiger Suche für die Rohstoffe Hanf, Leinen und Modal, eine synthetisch hergestellte Faser natürlichen Ursprungs, die ähnliche Eigenschaften wie Baumwolle hat.

„Es war schwer genug, zunächst eine geeignete Faser und dann einen Produzenten zu finden, der nicht nur ein legeres Sommerhemd, sondern eine stabile Arbeitshose aus Leinen fertigen kann“, sagt Daniel Freitag dem Schweizer Wirtschaftsmagazin Bilanz.

Nach drei Monaten ist Kleidung kompostiertDie größte Schwierigkeit habe aber darin bestanden, ein Kleidungsstück zu produzieren, das robust und gleichzeitig vollständig biologisch abbaubar ist. Fünf Jahre testeten und entwickelten die Brüder, bis sie mit dem Gewebe zufrieden waren.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Kleidung, die nach einem langen Leben in die Biotonne wandert, weil sie zu 100% kompostierbar ist. Etwa drei Monaten dauert es, bis sich das Material vollständig aufgelöst hat. Nur der Hosenknopf ist nicht biologisch abbaubar, er kann aber abgeschraubt und wieder verwendet werden.

Alle Rohstoffe kommen zudem aus europäischer Herstellung, ohne die Böden zu schädigen und unnötig viel Wasser zu verbrauchen, wie das Unternehmen versichert. Die Produktionsschritte finden in einer maximalen Entfernung von 2500 Kilometern zum Hauptsitz in Zürich statt.

Damit ist die Reise von der Faser zum Freitag-Produkt im Vergleich zu herkömmlichen Textilien ein Kurztrip, besonders, wenn sie in Europa über die Ladentheke geht. Zum Vergleich: Bis eine Jeans verkaufsfertig im Regal liegt, hat sie oftmals über 50.000 Kilometer absolviert (hier ein Beispielvideo).

Auch Trigema und Puma bieten recycelbare Kleidung anAuch andere Marken experimentieren mit recycelbarer Kleidung. So hat der deutsche Bekleider Trigema eine Kollektion aus komplett kompostierbarer Bio-Baumwolle auf den Markt gebracht. Der Sportartikelhersteller Puma hat mit "InCycle" (wir berichteten) seine ersten Turnschuhe und Shirts produziert, die sich vollständig biologisch abbauen. Auch Puma verwendet Bio-Baumwolle.

Mit seiner neuen Kollektion hat Freitag nicht nur einen Weg gefunden, seine Mitarbeiter nachhaltig einzukleiden. Sie hilft den Schweizern auch, ihr Produktprotfolio zu erweitern.

Die Taschen aus LKW-Planen sind zwar immer noch hipp, aber auch etwas in die Jahre gekommen. Zudem geht Freitag vom bloßen Upcycling, dem Wiederverwerten von Abfallprodukten, nun konsequent in Richtung Kreislaufwirtschaft, bei der gar kein Müll mehr entsteht.

Die Firma wolle jetzt aber nicht viele neue Hosen verkaufen, weil die Taschen nicht mehr nachgefragt würden. „Aber klar, wenn die neuen Produkte auch wieder neue Aufmerksamkeit auf die Taschen lenken, ist das gut“, sagt Daniel Freitag zu Bilanz. Die F-ABRIC-Produkte sind ab 65 Euro bei ausgewählten Freitag Stores und Einzelhändlern erhältlich.

Die Bio-Kollektion auf Youtube:

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