Komposttoilette: Startup Goldeimer macht Dixi-Klos Konkurrenz

Komposttoilette: Startup Goldeimer macht Dixi-Klos Konkurrenz

von Caroline von Eichhorn

Das Startup Goldeimer aus Kiel bietet Öko-Toiletten für Musikfestivals an – sie sollen Chemieklos ersetzen.

Die Festivalsaison ist im vollen Gange, zur Freude der Musik- und Naturfans. Aber einen etwas unappetitlichen Aspekt bringen die Outdoor-Veranstaltungen mit sich: den Toilettengang. Es soll Festivalbesucher geben, die drei Tage lang darauf verzichten, weil sie sich vor den Gerüchen und der mangelnden Hygiene in den Dixi-Klos schaudern.

Gegen die Klophobie auf Festivals haben sich fünf junge Gründer aus Kiel und Karlsruhe mit ihrem Startup Goldeimer etwas überlegt: Und zwar eine geruchsfreie Öko-Toilette, die die menschlichen Hinterlassenschaften in Humus transformiert – ganz ohne Wasser.

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Sägespäne als GeruchskillerDas Prinzip: Urin und Kot sollen nicht wie in einem Dixi-Klo vermengt, sondern getrennt voneinander aufgefangen werden. Der Urin wird dann als Dünger aufbewahrt. Auf die Exkremente schaufelt der Benutzer einen Haufen Sägespäne. So stinken sie nicht. Hinzu kommen Mikroorganismen, die eine Fermentierung einleiten.

Am Ende bleibt nicht wie in herkömmlichen Dixi-Klos eine chemische Brühe, die Unternehmen in Kläranlagen entsorgen müssen, sondern fruchtbare Erde. Die Verwandlung des Kots in Humus findet auf einem Komposthaufen statt und dauert ein Jahr. Anschließend können Festivalbetreiber oder Landwirte aus dem Umland die entstandene Erde zur Verbesserung ihres Bodens verwenden. Niedergetrampelte Festivalböden sind oft vertrocknet, nährstoffarm und somit unfruchtbar.

„So wird ein Wirtschaftskreislauf geschlossen“, sagt der Goldeimer-Mitgründer Markus Bier. „Die Nährstoffe aus dem Kot kommen dorthin, wo sie gebraucht werden.“ Die Idee der Komposttoilette ist nicht neu. Sie wurden bereits von Menschen in der Antike eingesetzt und werden von zahlreichen Unternehmen für die unterschiedlichsten Anwendungen angeboten – nur eine für Festivals fehlte bisher.

Poo als TabuDiesen Sommer sind die Goldeimer-Gründer auf 14 Festivals vertreten und testen ihre Öko-WCs. „Ein Toilettengang kostet zwei Euro“, sagt Markus Bier. „Dafür gibt es Kleiderhaken, Spiegel, Licht, schöne Holzwände, Recycling-Klopapier, meistens eine Waschbecken-Anlage und keine widerlichen Gerüche.“

Nicht zuletzt hoffen die Gründer, mit ihrem Goldeimer zum Denken anzuregen. „Kot ist kein Abfall, sondern eine Ressource“, sagt Markus Bier. „Die Nährstoffe sind optimal geeignet, um daraus fruchtbare Erde zu gewinnen.“ Darauf möchten sie mit Goldeimer aufmerksam machen. An Toilettenthemen seien allerdings viele Menschen nicht interessiert. „Sie sind ein Tabu, über das die Meisten nicht gerne reden.“

Seit diesem Jahr kooperieren Goldeimer außerdem mit der Hamburger Trinkwasser-Initiative Viva Con Agua, die sich für Sanitäranlagen und sauberes Trinkwasser in Entwicklungsländern einsetzt. Gemeinsam wollen sie mit interaktiven Aktionen, unter anderem mit Bands und Künstlern auf Festivalbühnen, für die ökologischen Vorteile der Komposttechniken werben.

Korrektur: Kot und Urin werden derzeit noch voneinander getrennt aufbewahrt, wie in einer früheren Version des Textes geschrieben. In Zukunft soll das aber möglich sein, ebenso wie die Aufbewahrung des Urin als Dünger.

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