Konfliktmineralien: US-Firmen müssen Rechenschaft ablegen - ein bisschen

Konfliktmineralien: US-Firmen müssen Rechenschaft ablegen - ein bisschen

von Peter Vollmer

US-Unternehmen dürfen keine "Konfliktmineralien" mehr verwenden. Nachweise bleiben viele schuldig.

US-Unternehmen dürfen, so ein Passus der neuen US-Finanzgesetze, keine "Konfliktmineralien" nutzen. Gemeint sind Rohstoffe aus dem Kongo, die den dortigen Konflikt finanzieren. Unternehmen müssen also entsprechende Nachweise einreichen - doch viele drücken sich davor.

Zumindest ist die Bereitschaft der Unternehmen, für Transparenz in ihren Lieferketten zu sorgen, unterschiedlich ausgeprägt. Marken wie Apple, Intel oder Boeing gehen die Sache mit großer Transparenz an, zu wichtig ist ihnen ihre Reputation. Sie befolgen die Verpflichtungen aus dem 2010 verabschiedeten Dodd-Frank Act, der hauptsächlich die US-Finanzmärkte in den Griff bekommen sollte.

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Nur 1.300 von geschätzt 6.000 börsennotierten Unternehmen, die unter das Gesetz fallen dürften, haben bislang Reports bei der zuständigen Aufsichtskommission SEC eingereicht, berichtet die Seite "Global Risk Insights".

Dies dürfte mehrere Gründe haben: Zum einen ist es teuer, solche Reports zu erstellen. Sie kosten bis zu vier Milliarden Dollar im ersten Jahr und dann immer noch einen dreistelligen Millionenbetrag, schätzt zumindest die SEC. Da kommt den Unternehmen die Schützenhilfe eines US-Gerichts gerade recht.

Beweisen zu müssen, dass man keine Konfliktmineralien nutze, widerspreche der Meinungsfreiheit, urteilten die Richter. Nun müssen die Unternehmen nur nachweisen, dass sie überhaupt ihre Lieferketten untersucht haben - und sparen so eine Menge Geld.

Komplexe Lieferketten für MineralienZudem hat die SEC nur beschränkte Möglichkeiten, Unternehmen zu sanktionieren, die keine oder unzureichende Reports einreichen. Die Unternehmen können teils selbst entscheiden, ob sie unter die Deklarationspflicht fallen. Diese bezieht sich auf insgesamt vier Mineralien: Zinnerz, Coltan, Gold und Wolframit. Je nach Produkt lassen sich diese auch ersetzen, sodass Unternehmen dann nicht an den Dodd-Frank Act gebunden sind.

Eine weitere Hürde ist die Komplexität der Lieferketten, an der viele Unternehmen scheitern. Sie schaffen es gar nicht, alle Zulieferer, Drittunternehmen und sonstige Beteiligte zu durchleuchten. Mineralien legen einen weiten Weg zurück und nicht immer kann das letzte Unternehmen in der Kette alle Handelswege überprüfen - auch wenn der Grat zwischen echter Überforderung und Ausrede schmal sein mag.

Die Situation im Kongo ist unübersichtlich: Viele Minen sind in den Händen von nicht-staatlichen Militärs. Die Regierung verdient lediglich etwa 0,9 Milliarden Dollar mit dem Minengeschäft – dabei wird der Wert der Bodenschätze auf knapp 25 Billionen Dollar geschätzt. Viele Bergleute arbeiten auf eigene Faust im sogenannten informellen Sektor.

Es sind vor allem soziale Aktivisten, NGOs und einzelne Medien, die nun Druck auf Unternehmen ausüben. Damit, dass Firmen ihre Rechenschaftspflicht zur Verwendung von Konfliktmineralien vernachlässigen, haben sie womöglich ein weiteres Mittel in der Hand.

Die Marktmacht der Verbraucher dürfte letzten Endes das schärfste Schwert sein, um Konfliktmineralien aus Produkten zu verbannen. Das zeigt auch das Beispiel von Fairphone aus Holland: Das begehrte Smartphone macht seine Lieferkette transparent und wirbt damit, auf problematische Ressourcen und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen zu verzichten.

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