Kreislaufwirtschaft kurios: Niederländer fertigen Teppiche aus Kreideabfall

Kreislaufwirtschaft kurios: Niederländer fertigen Teppiche aus Kreideabfall

von Anna Gauto

Als weltweit erstes Unternehmen nutzt Desso Kreideabfälle der Getränkeindustrie als Werkstoff für Bodenbeläge.

Geht es nach Michael Braungart, dem Schöpfer der Kreislaufwirtschaft, soll es in Zukunft nur noch zwei Arten von Produkten geben: Verbrauchsgüter, die sich vollständig biologisch abbauen und Gebrauchsgüter, die sich in technischen Kreislaufen immer weiterverwenden lassen, am besten endlos.

Cradle to Cradle (von der Wiege bis zur Wiege) nennt er das Prinzip, bei dem kein Müll mehr entsteht, weil er sich entweder auflöst oder zum Rohstoff für neue Produkte wird.

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Aus Kalkrückständen werden TeppicheIn diesem Geiste machte sich Desso, ein Unternehmen aus den Niederlanden, das Teppichböden und Sportplatzbeläge fertigt, auf die Suche nach einem Abfallstoff, den es als Ressource für seine Teppichfliesen nutzen kann.

Fündig geworden ist Desso dort, wo Teppiche als Endprodukt so gewöhnlich sind, wie Klavierunterricht im All: In Zusammenarbeit mit niederländischen Trinkwasserunternehmen wie Brabant Water und Water Maatschappij Limburg (WML) hat der Konzern einen Weg entwickelt, aufbereitetes Kalziumkarbonat (Kreide oder Kalk) für seine Produktion nutzbar zu machen.

Denn bevor Getränkeanbieter Wasser zum Verzehr anbieten, müssen sie es aufbereiten und enthärten. Dabei entstehen Kalkrückstände – für die Wasseranbieter Abfall, für Desso „Nahrung“, wie das Unternehmen sagt. Ein Anbieter mineralischer Rohstoffe zerkleinert das Kalkgranulat, so dass Desso sie schließlich in der Rückenbeschichtung seiner Teppiche verarbeiten kann (hier ist der Prozess genauer beschrieben).

Intelligente Materialströme könnten 1 Billion Dollar im Jahr einsparenDesso ist nach eigener Angabe damit das erste Teppichunternehmen weltweit, das Kalziumkarbonat upcycled – also den gebrauchten Werkstoff oder Abfall zu einem hochwertigeren Produkt macht. Insgesamt 20.000 Tonnen Kreide, die die von Braungart aufgestellten Cradle to Cradle-Kriterien erfüllen, wollen die Holländer in ihren Materialstrom integrieren. Aktuell entspringt etwa die "Transitions" Teppich-Kollektion des Unternehmens der Kreislaufwirtschaft.

Doch auch die Getränkeunternehmen profitieren von der Kooperation. Sie können sich aufs Revers heften, ein Produkt ohne Rückstände herzustellen: So sagt Ria Doedel, CEO von WML: „Mehr als 99 Prozent unserer Abfälle, vor allem Eisen und Kalzium, werden nun recycelt”.

Mit seiner Kreideoffensive bewegt sich Desso im Epizentrum der Kreislaufwirtschaft, einer jungen aber aussichtsreichen Industrie, glaubt man einer Studie der britischen Ellen MacArthur Stiftung und den Unternehmensberatern von McKinsey. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass man durch eine intelligentere Nutzung von Materialströmen weltweit Kosten in Höhe von insgesamt einer Billion Dollar pro Jahr einsparen könnte.

Unser heutiger Wohlstand, so die Studienautoren, beruhe auf einer „übermäßigen Material- und Energieverschwendung“ und könne nicht unbegrenzt beibehalten werden. Die Kreislaufwirtschaft biete daher ein Potenzial, "das nicht hoch genug eingeschätzt werden kann".

 

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