Lebensmittel-Aufdruck: Frosta veröffentlicht Herkunft aller Zutaten

Lebensmittel-Aufdruck: Frosta veröffentlicht Herkunft aller Zutaten

von Peter Vollmer

Der Lebensmittelhersteller Frosta veröffentlicht die Herkunft seiner Zutaten - und setzt damit die Konkurrenz unter Druck.

Der Tiefkühl-Lebensmittelhersteller Frosta will die Herkunft seiner Zutaten künftig auf die Packung drucken. Offiziell soll das mehr Transparenz und Vertrauen schaffen. Tatsächlich setzt Frosta damit auch die Konkurrenz unter Druck.

Das TK-Unternehmen aus Bremerhaven hat bereits 2013 eine interaktive Karte ins Netz gestellt, auf der Verbraucher die Inhaltsstoffe verschiedener Produkte zurückverfolgen können. So kann man nach Eingabe des Produktcodes sehen, dass die Kidneybohnen für die Steakhouse-Pfanne aus China kommen, das Öl aus der Ukraine und die Butter aus Deutschland.

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Nun also ein Info-Aufdruck, den neue Maschinen problemlos möglich machen sollen. Das ganze könnte als nette Werbeaktion durchgehen, hat aber einen politischen Hintergrund: Eine verbindliche Herkunftskennzeichnung, die das EU-Parlament auf den Weg bringen wollte, scheiterte nämlich am Druck der Lebensmittellobby. Bei Fisch gibt es diese aber schon, bei Fleisch seit April ebenfalls.

Frosta prescht nun komplett vor. Ein geschickter Zug, denn das Unternehmen verzichtet schon seit Jahren auf künstliche Zusätze, deren Deklaration es sich damit spart. Außerdem sind die freiwilligen Herkunftsangaben der Bremerhavener immer noch recht grob.

Anderen Unternehmen, vor allem mit günstigeren Produkten, dürfte eine solche Transparenz deutlich schwerer fallen. Denn viele Zutaten kommen aus unterschiedlichsten Ländern, gerne auch aus solchen mit niedrigen Verarbeitungsstandards und langen Transportwegen. Das Hackfleisch kann theoretisch auch von Tieren aus drei verschiedenen Ländern kommen. Hinzu kommen die Zusätze. Hier Transparenz zu schaffen hieße, in der kompletten Lieferkette aufzuräumen.

Wie günstig ist die Transparenz?Tatsächlich würden aber laut einer TNS-Studie (im Auftrag von Frosta) 72 Prozent der Befragten auch bei Produkten mit vielen Einzelzutaten gerne wissen, aus welchen Ländern diese kommen. Ist das kostengünstig möglich? Ja, sagt Frosta. Es handele sich um Mehrkosten von „nur ein paar Cent“.

Dem wiedersprich Stephan Becker-Sonnenschein vom Lebensmittel-Interessenverband „Die Lebensmittelwirtschaft“. Der Huffington Post sagte er: „Was da gerechnet wird, ist eine Milchmädchenrechnung. Das sind bestenfalls die jeweils anfallenden Druckkosten auf die Verpackung. Was nicht berücksichtigt wird, ist, welche Kosten und welche Prozesskette im Vorfeld dieses Aufdrucks auf einer TK-Lasagne stehen.“

Frosta-Vorstand Hinnerk Ehlers, zuständig für Marketing und Vertrieb, gibt durch die Blume zu, dass Frosta so die klare Herkunft der Zutaten und den Verzicht auf Zusätze bewirbt: „Nur so wird unser kompromissloser Verzicht auf sämtliche Zusätze für unsere Kunden nachvollziehbar.“ Heißt im Klartext: Wenn das Unternehmen schon auf Billigst-Zutaten verzichtet, will man damit auch werben.

Wie diese Werbung konkret aussieht, kann man in diesem Video sehen:

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