Lebensmittel aus dem Umland: Rumäniens Supermärkte bekommen eine Regional-Quote

Lebensmittel aus dem Umland: Rumäniens Supermärkte bekommen eine Regional-Quote

Bild vergrößern

Sind die Transportwege zu weit? Auch deutsche Konsumenten schätzen regionale Produkte.

von Marius Hasenheit

Die Abgeordneten in Bukarest wollen ihre Regionen stärken - die EU sieht das kritisch, gerade deutsche Verbraucher sollten das Projekt aber genau beobachten.

Immer mehr Konsumenten achten auf Biosiegel oder Regionalität der Lebensmittel. Und die, die darauf nicht achten, tun dies aus Bequemlichkeit (oder zumindest Gewohnheit), so eine Studie des Rates für nachhaltige Entwicklung. Es ist ja auch praktischer, den gesamten Einkauf in einem Geschäft zu erledigen.

An dieser Stelle setzt ein neues rumänisches Gesetz an, welches von dem Senator Ovidiu Dontu von der sozialdemokratischen Partei PSD eingebracht wurde. Rumänische "Hypermärkte" sollen mindestens 51 Prozent ihrer Produkte von regionalen Erzeugern beziehen. Auf diese Art und Weise sollen Transportwege eingespart und gleichzeitig die lokale Landwirtschaft und die verarbeitende Industrie unterstützt werden.

Anzeige

Gerade kleine Produzenten frohlocken bereits, da sie nun auf einen direkten Zugang zu den Supermarktregalen hoffen. Laut Produzenten und ihrer Verbände ist es für die rumänische Landwirtschaft kein Problem auch in der Nebensaison ausreichend Produkte, vor allem Gemüse, zu liefern.

Um kleine Supermärkte nicht mit der Aufgabe zu belasten, ein komplett neues Liefernetz für Obst, Gemüse, Brotwaren, Honig, Eier und Molkereiprodukte aufzubauen, sind Verkäufer mit einem Umsatz von bis zu 2 Millionen Euro, zunächst von der neuen Regelung ausgenommen.

Abgeordnete stimmen Regional-Gesetz bereits zu

Der Gesetzentwurf passierte bereits die rumänische Abgeordnetenkammer und soll nun vom Präsidenten unterschrieben werden. Ist dies der Fall, tritt das Gesetz in diesem Herbst in Kraft. Interessant dürften dann die Signale aus Brüssel sein - schließlich verstößt das Gesetz ganz klar gegen EU-Regularien, die nationalem Protektionismus vorbeugen sollen.

Die frisch aus der EU ausgetretenen Briten können das entsprechend etwas lockerer sehen. Der britische Transition-Town-Gründer Rob Hopkins etwa, ein energischer Verfechter der regionalen Lebensmittelproduktion, fragt dazu provokant: Wen interessiert das?

Hopkins hofft auf die Geduld des Papiers. In den Jahren, die es braucht um einer Intervention Brüssels rechtlich verbindlich zu gestalten, wird in Rumänien längst ein fundamentaler Wandel mit bleibendem Effekten stattfinden, so der optimistische Ökoaktivist.

Trotz einigem Jubels bei Bauern und Verbraucherschützern: In vielen Punkten bleibt das Gesetzt recht ungenau. So wird beispielsweise nicht eindeutig geklärt, wie "lokal" nun eigentlich definiert ist. Und verhält es sich eigentlich mit den kompletten Lieferketten? Was wenn die steigende Eierproduktion in Rumänien auch zu einem steigenden Sojaimport aus Lateinamerika führt?

Unklare Situation in deutschen Supermärkten

Ein Problem, das sich auch in Deutschland stellt. Zwar kaufen 65 Prozent aller deutschsprachigen Konsumenten wöchentlich regionale Lebensmittel; das ergab eine Studie von A.T. Kearney. Doch heißt es darin auch: "Welcher Anteil [der insgesamt verkauften Lebensmittel] auf regionale Lebensmittel entfällt, lässt sich schwer beziffern, was nicht zuletzt auf das uneinheitliche Verständnis von Regionalität zurückzuführen ist."

Ist Käse aus Bayern in Hamburg noch ein regionales Lebensmittel? Der Gouda aus den Niederlanden ist da näher. Und verarbeitete Produkte müssen nicht komplett aus regionalen Zutaten bestehen, um "regional" auf das Etikett drucken zu dürfen.

Großer Ernährungsreport Frauen essen gesünder, Männer mehr Fleisch

Ein Report nimmt die Essgewohnheiten der Deutschen unter die Lupe - und findet dabei manche Überraschung.

"Ich leg' mir Löwenzahn aufs Brot." Der Ernährungsreport zeigt, dass fleischarme Ernährung zunimmt. Quelle: dpa

Dabei würden die Deutschen gerne lokaler kaufen: 76 Prozent gaben das beim "Ernährungsreport 2016" des Bundesministeriums für Ernährung an. Für sie, für Politiker und auch für Ökonomen lohnt sich also der Blick in Richtung Bukarest.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%