Liefer-Startup: Kühles Bier und Schnittchen aus der Nachbarschaft

Liefer-Startup: Kühles Bier und Schnittchen aus der Nachbarschaft

von Peter Vollmer

Eine App führt Menschen zusammen. Die einen ordern Bier oder Würstchen, die anderen beliefern sie gegen einen Obolus.

Ein sonniger Tag am Main, die frisch gemähte Wiese kitzelt an den Füßen und ein leichter Wind weht von den Bankentürmen herüber. Durst. Jetzt ein kühles Bier…

Das dachte sich auch Florian Tolkmitt. Allerdings: Aufstehen, losgehen, den nächsten Kiosk suchen, das war ihm zu viel Aufwand. Einen Nachbarschafts-Lieferservice müsste es geben, wo man Bier und Schnittchen idealerweise per Handy bestellen kann.

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Einen solchen gründet Tolkmitt derzeit mit "Deeliva". Doch aus der Idee mit dem Lieferservice soll sich mehr entwickeln: "Ein Hintergedanke ist auch, dass Leute, die einen Zuverdienst brauchen, Lieferanten werden." Tolkmitt denkt dabei an Rentner, Studenten und vor allem Arbeitslose. Mit dem örtlichen Jobcenter war er deshalb schon im Gespräch.

Lieferservice aus der NachbarschaftLiefern darf aber jeder - und es muss nicht bei Bier und Grillgut aufhören. Ob Bücher, Blumen, Bio-Fleisch - die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Deshalb will Tolkmitt auch den Einzelhandel für seine Idee begeistern: Mit nachhaltigen Geschäften habe er schon über Kooperationen gesprochen. Die Einzelhändler könnten mit Deeliva endlich auch ein Stück vom Online-Kuchen abbekommen.

Um Kunden, die beliefert werden wollen, mitten im Park oder am Mainufer zu finden, will das Unternehmen Satellitentechnik nutzen. Ein erster Software-Prototyp soll in diesem Sommer fertig werden, allerdings noch webbasiert. "Nächstes Jahr kommen dann Apps dazu", sagt der Gründer.

In die App können Lieferanten eintragen, welche Produkte sie zu welchem Preis, in welchem Radius und mit welcher Geschwindigkeit liefern. Und dann kann jeder von überall per Smartphone bestellen. "Wir sehen uns als Airbnb für Sofortlieferungen", sagt Tolkmitt mit Blick auf die bekannte Privatwohnungs-Plattform.

Deeliva soll auch Rollstuhlfahrern helfenDas Unternehmen will nicht nur eine alternative Einnahmequelle für sozial Benachteiligte schaffen, den Einzelhandel stärken und im Idealfall auch die Nachbarschaftsbeziehungen verbessern: Gerade mobil eingeschränkte Menschen könnten von seinem Angebot besonders profitieren.

Auch wenn erste Supermärkte schon Lieferservices anbieten und der Online-Versand nahezu jedes Produkt liefern kann – der kleine Schmuckladen um die Ecke oder der Metzger an der Hauptstraße liefern eben noch nicht nach Mausklick.

Und im Gegensatz zum herkömmlichen Onlineversand sind die Lieferwege je nach Produkt kürzer, zudem fällt zusätzliches Verpackungsmaterial weg. Natürlich bräuchte die Geschäftsidee den grünen Unterbau, nicht, aber Tolkmitt ist diese soziale Ausrichtung wichtig. Unter anderem deshalb gewann Deeliva 2013 den Kopf schlägt Kapital Ideen-Wettbewerb, den Günter Faltins Stiftung Entrepreneurship auslobt.

In drei Jahren soll der Lieferservice Gewinne erwirtschaften. Wenn das klappt, kann sich Tolkmitt auch mal an einem sonnigen Tag frei nehmen, zum Mainufer spazieren – und sich von einem Privat-Lieferanten ein kühles Bier bringen lassen.

Wie Deeliva funktioniert, zeigt auch diese Youtube-Clip:

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