LKW-Ersatz: Wie das “schwebende Förderband” die Umwelt schont

LKW-Ersatz: Wie das “schwebende Förderband” die Umwelt schont

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Das Förderband transportiert laufend Kalkstein vom Steinbruch in die Fabrik. (Foto: Leitner)

von Jonas Gerding

Mit der ungewöhnlichen Konstruktion verbindet ein südtiroler Seilbahnhersteller einen Steinbruch mit einem 7,2 Kilometer entfernten Zementwerk

Die alte Seilbahn war nicht mit Kabinen, sondern mit großen Kübeln ausgestattet, die Kalkstein transportierten. Fuhre um Fuhre gelangte der Rohstoff so vom Steinbruch “Mata do Ribeirao” in die 7,2 Kilometer entfernte Zementfabrik der brasilianischen Stadt Borroso. Ein mühsames Unterfangen und noch dazu ein limitiertes. Der Betreiber, der schweizerische Baustoffhersteller LafargeHolcim, hätte die Seilbahn einstellen müssen, um die Fabrik wie geplant zu erweitern.

Um die Produktion mit den nötigen 1500 Tonnen Kalkstein in der Stunde zu versorgen, hätte das Unternehmen das Material auf Lastwagen verladen müssen. Etwa alle eineinhalb Minuten hätte ein Transporter aufbrechen müssen, um den 12,5 Kilometer langen Weg auf Landstraßen zurückzulegen. Der Spritverbrauch wäre eine enorme Belastung für die Umwelt gewesen.

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Zweites, kürzeres Förderband wird in Frankreich betrieben

Alles zum Glück Konjunktiv, denn die Firma ist einen anderen Weg gegangen. Der Baustoffhersteller hat anstelle des übermäßigen Lastwagen-Verkehrs auf eine ungewöhnliche Methode gesetzt und ein “schwebendes Förderband” errichten lassen, das nun fortlaufend Kalkstein beim Steinbruch aufnimmt und zur Fabrik transportiert.

Die Konstruktion soll nach dem Willen der Firma Leitner bald auch in anderen Ländern zum Einsatz kommen. (Foto: Leitner)

Die Konstruktion soll nach dem Willen der Firma Leitner bald auch in anderen Ländern zum Einsatz kommen. (Foto: Leitner)

Als “das weltweit längste schwebende Förderband” bewirbt die Leitner AG ihre Konstruktion: den “FlyingBelt”. Bislang gibt es nur ein weiteres, aber wesentlich kürzeres Förderband dieser Art in Frankreich, das ebenfalls die Firma aus dem italienischen Südtirol entwickelt hat.

Im vergangenen Jahrhundert hat sich das Traditionsunternehmen vor allem im Seilbahnbau für Skianlagen einen Namen gemacht. Mit dem “schwebenden Förderband” zeigen sie nicht zum ersten Mal, dass innovative Transportmöglichkeiten in luftigen Höhen auch einen ökologischen Nutzen haben können: In Mexiko City hat Leitner jüngst eine Seilbahn als Alternative für den Straßenverkehr errichtet.

Ähnlichkeit mit einer Hängebrücke

In einer geraden Linie zwischen Steinbruch und Fabrik haben Leitners Ingenieure stählerne Masten installiert. Das Förderband sieht aus wie eine gigantische Hängebrücke, die von Mast zu Mast führt, um die hügelige, teilweise dicht bewaldete Landschaft überqueren zu können.

An manchen Stellen, insbesondere auf den Bergspitzen, ist eine Schneise in den Wald unterhalb des Förderbands geschlagen worden. Auch wenn dies bereits für die alte Seilbahn nötig war, zeigt dies: Ohne Eingriffe in die Natur kommt auch die futuristische Konstruktion nicht aus.

So sah die vorherige Lösung aus. (Foto: Leitner)

So sah die vorherige Lösung aus. (Foto: Leitner)

Schaden nimmt die Umwelt auch durch die jahrzehntelange Kalkförderung im Steinbruch und den Weitertransport des fertigen Zements. Dennoch: Das “schwebende Förderband” verringert die Auswirkungen - vor allem die auf das Klima. Der Verzicht auf LKW soll den jährlichen CO²-Ausstoß um 325 Tonnen geringer ausfallen lassen, hat Leitner ausgerechnet. Das entspricht einem Unterschied von über 95 Prozent.

Leitner möchte ähnliche Förderbänder auch andernorts errichten, sei es mit LafardeHocim oder mit anderen Unternehmen, die mit Erzen oder Zement arbeiten und Materialien über schwieriges Gelände transportieren müssen. Denkbar wären auch Konstruktionen in Deutschland.

 

Sehen Sie hier eine Videopräsentation des ungewöhnlichen Förderbands:

 

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