Luftfahrt: Kommen nun endlich die Elektroflieger?

Luftfahrt: Kommen nun endlich die Elektroflieger?

von Wolfgang Kempkens

Ein Konsortium um den Luftfahrtkonzern EADS baut an einer Art Toyota Prius für die Lüfte - das Hybridflugzeug soll das Fliegen umweltfreundlicher machen.

Über den Wolken ... gab es lange nichts Neues mehr. Zwar verbessern die großen Flugzeugbauer wie Airbus und Boeing ihre Flugzeuge ständig, was Komfort, Passagierzahl und bis zu einem gewissen Grad auch den Spritverbrauch angeht. Eine wirkliche Revolution in der Luftfahrt hat es aber seit dem gescheiterten Concorde-Projekt nicht mehr gegeben. Im Verborgenen werkeln die Flugzeugbauer und ihre Zulieferer aber weiter an der Neuerfindung des Fliegens. An einer solchen versucht sich gerade auch ein Konsortium um den Luft- und Raumfahrtkonzern EADS.

Zwar sieht der Miniflieger DA36 E-Star 2 (siehe Aufmacherbild) nach nicht viel aus. Das Besondere aber: Die Propeller werden nicht von einem Verbrennungsmotor, sondern elektrisch angetrieben. Den Strom liefern die Bordbatterie und ein Generator, der von einem Wankelmotor angetrieben wird. Dieser läuft stets im günstigsten Drehzahlbereich, sodass Emissionen und Benzinverbrauch extrem niedrig sind.

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Gegenüber den ansonsten baugleichen, doch normal ausgestatteten Motorseglern des österreichischen Herstellers Diamond Aircraft sinken Spritverbrauch und Kohlendioxidemissionen um immerhin 25 Prozent. Beim Starten und Landen ist kein Motorgeräusch zu hören, sondern allenfalls ein sanftes Surren.

Vier Partner haben zum Bau des Flugzeugs beigetragen, der Weiterentwicklung der ersten Maschine mit Hybridantrieb, die vor zwei Jahren fertiggestellt wurde: Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, zu dessen Produkten die Airbus-Familie gehört, Diamond Aircraft, der Wankelmotorenhersteller Austro Engine und der Siemens-Konzern, der für den gesamten elektrischen Teil zuständig war. Herausgekommen ist so etwas wie der Toyota Prius für die Lüfte.

Geheimrezept LeichtbauVerbessert wurde vor allem der Elektromotor, der bei einer Dauerleistung von 65 Kilowatt ganze 13 Kilogramm wiegt. Getriebe und Leistungselektronik, die für die Drehzahlregelung benötigt werden, stecken mit im Motorgehäuse.  Normale Industriemotoren mit dieser Leistung wiegen etwa fünfmal so viel. Gegenüber dem E-Flugzeug des Jahres 2011 sank das Gesamtgewicht um rund 100 Kilogramm. Am 1. Juni absolvierte das Flugzeug am Flughafen Wiener Neustadt seinen einstündigen Jungfernflug. Auf der Pariser Airshow in Le Bourget gehörte die kleine Maschine, die zwei Personen befördern kann, zu den Stars.

Beim Start reicht der Strom, den der Bordgenerator liefert, aber nicht aus. Dann wird die Bordbatterie, die eine EADS-Abteilung entwickelt hat, zugeschaltet. Sobald die Reiseflughöhe erreicht ist, braucht der Elektromotor so wenig Energie, dass noch genügend übrig ist, um die Batterie wieder aufzuladen. EADS denkt bereits daran, größere Propellerflugzeuge und Hubschrauber mit Elektroantrieben auszustatten. Schon in drei bis fünf Jahren soll es Musterzulassungen für Hybridflugzeuge und -hubschrauber geben, so das Ziel der Entwickler.

„Der serielle Elektroantrieb erlaubt uns, Flugzeuge zu konstruieren, die völlig andere Eigenschaften haben als heutige Maschinen. Senkrechtstarts und hohe Reisegeschwindigkeiten können viel effizienter erreicht werden“, schwärmt Christian Dries, Chef von Diamond Aircraft.

Mittel gegen steigende TreibstoffkostenDie Partner haben vereinbart, die Entwicklungsarbeit fortzusetzen, um der Luftfahrt ein grüneres Image zu geben. Flugzeuge sind derzeit für  gut zwei Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen verantwortlich. Zudem drängen die Fluggesellschaften auf eine drastische Reduzierung des Spritverbrauchs. Nach Angaben der International Air Transport Association (IATA) werden die Treibstoffkosten in diesem Jahr ein Drittel der Betriebsausgaben der Fluggesellschaften ausmachen.

EADS hat unabhängig von dem Motorsegler das Demonstrationsmodell eines Kleinflugzeugs entwickelt, das mit zwei ummantelten Triebwerken ausgestattet ist, die normalen Turbinen ähneln. Die Akkus sind in den Flügeln untergebracht. Der E-Fan, der ebenfalls zwei Personen Platz bietet, ist noch nicht geflogen.

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