Marktplatz für Hobby-Imker: Lokalen Honig gibt's jetzt auch online

Marktplatz für Hobby-Imker: Lokalen Honig gibt's jetzt auch online

von Anna Gauto

Importhonig ist billig, aber umweltschädlich. Über einen Online-Marktplatz können Imker bald lokalen Honig verkaufen.

Auf den Honiggläsern in deutschen Supermärkten grünt und blüht es. Sie tragen Schriftzüge wie "Landhonig" oder "Bergblüte". Fast meint man, Bienen auf Wiesen umgeben von idyllischer Landschaft summen zu hören. Doch wie so oft sieht die Realität etwas anders aus...

80 Prozent des Honigs, der hierzulande von Croissants und Brötchen tropft, kommt nicht von deutschen Imkern. Er stammt überwiegend aus Mexiko, Argentinien oder China. Allein im Jahr 2013 importierte Deutschland 87.000 Tonnen Honig.

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Das Problem?

Der Importhonig stammt aus Ländern, in denen gentechnisch veränderte Pflanzen wie Soja angebaut werden. Besonders Südamerika gilt als Mekka für Gen-Soja.

Es überrascht also nicht, dass eine Untersuchung der Zeitschrift "Ökotest" Pollen der Gen-Soja-Sorte „Roundup Ready Soja“ in Honig aus Supermärkten fand. Entwickelt hat die Pflanze der US-Technologiekonzern Monsanto.

Doch nicht nur Gegner der Grünen Gentechnik haben Gründe, Importhonig kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Denn Honig aus Übersee muss CO2-intensiv nach Deutschland transportiert werden, obwohl es auch hierzulande Bienen gibt. Da die meisten deutschen Imker ihr Handwerk aber nebenberuflich ausüben, fehlen ihnen die Mittel, um sich gegen den Billighonig zu behaupten.

Bestäubung lässt sich nicht importierenDas hat Folgen, die nicht nur die Branche treffen. „Honig kann man zwar importieren, nicht aber die Bestäubungsleistung der Bienen“, sagt Michael Gelhaus, Mitgründer des Münchner Startups „nearBees“.

„Weil wir in Deutschland einen Bienenrückgang haben, ist es wichtig, die lokalen Imker zu unterstützen. Die Honigbiene ist ohne die Imker nicht überlebensfähig."

Seit Jahren diskutieren Experten, was das Bienensterben in Europa verursacht. Als Gründe führen sie neben dem Klimawandel auch Pestizide und Schädlinge wie die Varroamilbe an.

Die Honigbiene gehört nach Rind und Schwein zu den wichtigsten Nutztieren in Deutschland. Laut dem Deutschen Imkerbund sind rund 80 Prozent der 2.000 bis 3.000 heimischen Nutz- und Wildpflanzen auf die Honigbienen als Bestäuber angewiesen.

Der volkswirtschaftliche Nutzen der Bestäubungsleistung übersteige den Wert der Honigproduktion um das 10- bis 15-fache, schätzt der Imkerbund. In Geldwert umgerechnet sind das rund zwei Milliarden Euro jährlich in Deutschland und 70 Milliarden US-Dollar weltweit.

Ohne Bienen leiden Landwirte

Schrumpft der Bienenbestand, leidet also nicht nur die Biodiversität - auch die Erträge in der Landwirtschaft gehen zurück, wie die Grafik links zeigt.

Gemeinsam mit der Hobbyimkerin Viktoria Schmidt hat Gelhaus daher nearBees gegründet, einen Onlinemarktplatz für lokalen Honig.

Über die Website können Konsumenten Honig aus der Umgebung portofrei nach Hause bestellen. Damit unterstützen sie heimische Erzeuger und fördern die regionale Artenvielfalt.

Der Honig landet direkt im Briefkasten, in einem von den Jungunternehmern entwickelten Honigbeutel.

Im Gegensatz zu konventionellen Honiggläsern fällt bei der Herstellung der zehn Gramm leichten Verpackung laut dem Startup deutlich weniger CO2 und bis zu 90 Prozent weniger Abfall an.

Den Erzeugern wollen nearBees mit ihrem Angebot die aufwendige Vertriebsarbeit abnehmen.

„Die Vermarktung des Honigs ist für viele Hobbyimker schlicht zu zeitintensiv und wenig lohnend" sagt Mitgründerin Viktoria Schmidt. "Gerade in der Stadt findet sich kaum eine Möglichkeit, Honig vom Imker ums Eck zu kaufen – obwohl etwa im Großraum München beispielsweise mehr als 1.000 Imker ansässig sind."

Lokaler Honig bald in ganz Deutschland?Seit Herbst 2014 ist nearBees online und hat in einer ersten Testphase in München knapp 1.000 Beutel mit lokalem Honig verkauft. Den Preis legen die Imker selbst fest. Er liegt laut Gelhaus zwischen 7,80 Euro und 12 Euro pro 400 Gramm und damit über dem Preis des durchschnittlichen Supermarkthonigs.

"Dafür entsteht der Honig in liebevoller Handarbeit, kommt aus der Nachbarschaft und ist gentechnikfrei hergestellt", sagt Gelhaus. nearBees behalten pro Verkauf eine Provision von 15 Prozent.

Nun wollen die Unternehmer, deren Startup inzwischen zu einem achtköpfigen Team herangewachsen sind, ihr Angebot auf ganz Deutschland ausweiten.

Das nötige Geld sammeln die Honigvermarkter per Crowdfunding über die Plattform Startnext.

 

 

Hier stellen nearBees ihr Konzept im Kurzvideo vor:

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