Medizinischer Rucksack: Startup reinigt Skalpelle in mobiler Spülmaschine

Medizinischer Rucksack: Startup reinigt Skalpelle in mobiler Spülmaschine

von Anna Gauto

Ein solarbetriebener Rucksack soll Operationsbesteck von allen Keimen befreien.

Was Krankheit in einem Entwicklungsland bedeuten kann, erlebte Raphael Schönweitz, damals noch Student, während eines Aufenthaltes in Tansania. Dort sah er, unter welchen Bedingungen Ärzte ihre Patienten versorgen müssen.

Denn in den Ländern südlich der Sahara sind Medikamente rar. Wenn sie verfügbar sind, sorgt die Hitze dafür, dass sie schnell verderben. Chirurgen müssen unter hygienischen Bedingungen operieren, die den Menschen mehr schaden als helfen. So überrascht es nicht, dass chirurgische Wundinfektionen (Surgical Site Infections - SSI) in den Krankenhäusern der Region die Hauptursachen für Krankheit und Tod sind.

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Geräte, um Skalpelle und Nadeln zu sterilisieren, brauchen hochreines Wasser und Strom. Doch gerade Elektrizität ist ein Luxus, den sich viele immer noch nicht leisten können.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass eineinhalb Milliarden Menschen buchstäblich im Dunkeln leben, 80 Prozent davon in Südasien oder südlich der Sahara. Sie sind besonders gefährdet, die nächste OP nicht zu überleben.

Die mobile Spülmaschine reinigt SkalpelleEine charmante wie pragmatische Lösung haben die drei Sozialunternehmer Raphael Schönweitz (27), Philipp Odernheimer (26) und Martin Reh (32) entwickelt: Ein Rucksack, in dem eine Wasseraufbereitungsanlage integriert ist, die ohne Reinigungsmittel auskommt. Sie desinfiziert und sterilisiert benutztes Operationsbesteck. Der Clou an der mobilen Waschmaschine, die sie in Kooperation mit Ärzten gebaut haben: Sie bezieht ihre Energie über thermische Solarkollektoren.

So kann der Rucksack selbst aus verkeimten Flüssen oder Brunnen hochreines und destilliertes Wasser durch Erhitzen gewinnen. Schon nach einer Aufwärmphase von etwa 30 bis 45 Minuten kann das Reinigen und Sterilisieren von Besteck mit dem sauberen Wasser beginnen. Die Temperatur im Rucksack wird dabei auf 125 Grad Celsius erwärmt, was sämtliche Keime an Skalpellen, Zangen und Pinzetten abtötet.

Auch eine Wolke vor der Sonne kann der medizinischen Spülmaschine nichts anhaben, denn Speichertechnologie im Rucksack konserviert die Energie.

Ärzte in Entwicklungsländern sind begeistert„Unser Sterilisationsgerät ist robuster und energieeffizienter als herkömmliche Maschinen und an den Einsatz in Entwicklungsregionen speziell angepasst. Es soll lange und auch bei schwankender Sonneneinstrahlung funktionieren“, sagt Martin Reh, Mitgründer von Rucksackspende. 

Dass die Reinigungsanlage auch im Ernstfall funktioniert, bestätigt laut Reh das Institut für technische Thermodynamik der Universität Kassel. Als Partner hat das Startup den Hersteller Deuter gewonnen und in den Einsatzländern stehen die Ärzte laut Rucksackspende bereits Schlange.

Was jetzt fehlt, ist ein Prototyp, der die funktionierende Technik in ein kompaktes Gerät fügt. Um diesen finanzieren zu können, haben die Gründer eine Crowdfunding-Kampage auf Startnext gestartet. Bis Anfang Dezember hoffen sie, 40.000 Euro einzusammeln. 2016 soll der Rucksack - leicht genug, damit eine Person ihn tragen kann - auf den Markt kommen. Die Kosten verortet Reh im vierstelligen Bereich. Das sei wenig, bei vergleichbaren Geräten dürfe man noch eine Null dranhängen.

Auch börsennotierte Konzerne sind interessiertDamit medizinische Einrichtungen in Entwicklungsländern von der mobilen Spülmaschine profitieren, arbeitet Rucksackspende mit Unternehmen, Privatpersonen und Vereinen zusammen, die sich sozial engagieren und die Kosten für die Rucksäcke und den Transport tragen wollen.

„Die ersten Kaufzusagen von Großunternehmen liegen schon vor. Selbst börsennotierte Konzerne haben Interesse signalisiert“, sagt Reh. Jetzt hoffen die Gründer von Rucksackspende, dass genug Geld zusammenkommt.

Denn mit einem einzigen Rucksack, da sind sie sicher, können sie die medizinische Situation eines ganzen Dorfes erheblich verbessern. Dafür brauchen sie jetzt Unterstützung. "Ebola hat uns auf traurige Art und Weise gezeigt, dass Wegschauen nicht hilft."

 

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