Metalle: Das Meer wird zur Rohstoffquelle

Metalle: Das Meer wird zur Rohstoffquelle

von Andreas Menn

Auf dem Meeresboden lagern Rohstoffe im Wert von vielen Milliarden Euro. Mit riesigen Schiffen und Robotern rücken Unternehmen jetzt der Tiefsee zu Leibe.

Goldmünzen, Silberbesteck, Edelsteine – manches Raubgut von Piraten soll auf dem Grund des Meeres liegen und auf Finder warten. Doch alle versunkenen Schatztruhen zusammen dürften nur einen Bruchteil dessen wert sein, was die Rohstoffe in der Tiefsee einbringen könnten.

Tausende Meter unter Wasser ruhen Billionen kartoffelähnlicher Knollen im Sediment, die vermutlich mehr Mangan enthalten als alle Lagerstätten an Land. Mangan ist ein unverzichtbarer Bestandteil bei der Legierung von Stahl. Und rund um heiße Quellen am Meeresboden finden sich Schwefelverbindungen, die bis zu zehn Mal mehr Gold, Silber oder Kupfer enthalten als die besten Erze an Land. Es sind Schätze von Milliardenwert.

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Und nun machen Startups und staatliche Forschungsinstitute Ernst damit, sie zu heben: Roboter, groß wie Lieferwagen, sollen in die Tiefsee ausschwärmen, um mit kräftigen Schaufeln metallhaltige Knollen und Steinbrocken zu schürfen. Noch am Meeresboden zerkleinern Häcksler das Material, bevor mächtige Pumpen es durch einen Schlauch auf Frachtschiffe an die Wasseroberfläche befördern.

Maritimes Ökodrama

Einen solchen Unterwasser-Tagebau planen unter anderem das kanadische Startup Nautilus Minerals, das südkoreanische Institut für Meereswissenschaften und Technologie und das britische Unternehmen Seabed Resources, eine Tochter des britischen Ablegers des US-Rüstungskonzerns Lockheed Martin.

Der genaue Wert der Ressourcen auf dem Meeresgrund lässt sich kaum beziffern. Ein führender UN-Funktionär beschrieb die Mineralienvorräte in den Weltmeeren gegenüber der britischen BBC allerdings als "atemberaubend" – beispielsweise lagerten dort Kobalt- und Nickel-Ressourcen, die mehrere hundert Jahre reichen könnten.

Untersützt von der britischen Regierung hat sich Seabed Resources eine Lizenz zur Erkundung eines riesigen Unterwasser-Areal in 4000 Metern Tiefe gesichert, das zweimal so groß ist wie Wales.

Es sei umweltschonender, Ressourcen im Meer zu schürfen statt an Land, argumentieren Befürworter. Kritiker warnen indes vor einem Ökodrama durch die maritime Materialschlacht: Die Unterwasserroboter, befürchten sie, könnten den Meeresgrund zerstören und der Staub, den sie aufwirbeln, Pflanzen und Tiere im weiten Umkreis unter sich begraben.

Vorsicht ist jedenfalls geboten. Denn es sind weder die Folgen des Abbaus ausreichend erforscht noch ist bekannt, was überhaupt alles am Meeresgrund kreucht und fleucht, das zerstört werden könnte.

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In einer Mini-Serie beleuchtet WiWo Green die fantastische Unterwasserwelt mitsamt ihrer ökonomischen Perspektiven. Bisher sind erschienen:



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