Methanol: Isländer könnten Hälfte ihres Spritbedarfs bald mit Ökotreibstoff decken

Methanol: Isländer könnten Hälfte ihres Spritbedarfs bald mit Ökotreibstoff decken

von Wolfgang Kempkens

Aus CO2 und Wasser macht ein isländisches Unternehmen Methanol, einen Benzinersatz. Das hat Potenzial.

Wasserstoffzeitalter? Nein danke, schrieb der ungarisch stämmige US-Chemie-Nobelpreisträger George Olah 2005 sinngemäß in einem Buch. Der extrem flüchtige Wasserstoff, den viele Experten als Energieträger der Zukunft sehen, lasse sich schlecht speichern und fasse pro Volumeneinheit viel zu wenig Energie.

Olah plädierte stattdessen für Methanol als Energieträger der Zukunft. Eine Alkoholart, die nicht entscheidend weniger Energie enthält als Benzin, Diesel oder Kerosin.

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Sprit aus Wasser und LuftDas Methanol lässt sich wie heutiger Sprit in Tanks speichern. Tankstellen könnten den Treibstoff ohne großartige Umbauten "ausschenken". Und die meisten Motoren vertragen sogar ein Benzin-Methanol-Gemisch. Speziell umgerüstete Autos könnten sogar ausschließlich mit diesem Alkohol fahren. Nur einen Nachteil hat Methanol: Es ist giftig. Allerdings kommt auch niemand auf den Gedanken, einen Schluck Benzin zu sich zu nehmen.

Methanol lässt sich, wie Wasserstoff, aus Erdgas oder Erdöl herstellen, jedoch auch mit Hilfe von Strom. Die erste große Fabrik, in der das geschieht, steht im isländischen Städtchen Grindavik auf der Halbinsel Reykjanes. Den Strom bezieht die Methanol-Produktionsstätte aus einem benachbarten Geothermiekraftwerk, das umweltfreundlich arbeitet. Zu Ehren von Olah trägt die Methanol-Fabrik dessen Namen, sie produziert fünf Millionen Liter Treibstoff pro Jahr. Das entspricht 2,5 Prozent des isländischen Treibstoffbedarfs.

Ausgangsmaterialien für das Methanol sind Kohlendioxid und Wasserstoff. Aus den beiden Gasen bildet sich in einer chemischen Reaktion der Alkohol. Diese sogenannte Methanolsynthese hat das Unternehmen Carbon Recycling International aus Reykjavik, der isländischen Hauptstadt, entwickelt.

Weil es in Island keine fossilen Kraftwerke gibt – das Land deckt seinen Strombedarf zu 100 Prozent aus Wasserkraft und Erdwärme –, lässt sich das benötigte Kohlendioxid nicht aus Abgasen gewinnen.

Die Isländer nutzen stattdessen das, was sie in Überfluss haben: umweltfreundlichen Strom. In einem kombinierten Prozess gewinnen sie das Klimagas aus der Luft und Wasserstoff per Elektrolyse aus Wasser. Nebenprodukt ist reiner Sauerstoff. Das Methanol wird Benzin beigemischt, ähnlich wie in Deutschland Ethanol, also trinkbarer Alkohol. 4500 Tonnen Kohlendioxid braucht Olah für die Methanol-Produktion pro Jahr.

Im Gegensatz zu Biosprit aus Pflanzen ist der Methanol-Alkohol aus Island ein vergleichsweise umweltfreundlicher Treibstoff. Das Kohlendioxid entweicht bei der Verbrennung in Motoren zwar wieder in die Luft, aber nur in der Menge, in der es vorher abgesaugt wurde.

Andere Länder könnten folgenGeplant ist jetzt eine Methanolanlage, die 50 Millionen Liter pro Jahr erzeugt. Sie würde ein Viertel des isländischen Spritbedarfs decken, theoretisch jedenfalls. Denn es dürfen nur maximal zehn Prozent dieses Alkohols dem Benzin beigemischt werden. Aus diesem Grund will das Unternehmen den Biosprit ins Ausland verkaufen.

Attraktiv wird das für die Kunden, wenn CO2 im Zertifikatehandel entweder viel Geld kostet oder Unternehmen mit der Methanolnutzung ihre Umweltbilanz aufpolieren können. Derzeit ist das noch nicht der Fall. Für eine eingesparte Tonne gibt es im Augenblick deutlich weniger als zehn Euro.

Viele andere Ländern der Welt könnten ebenfalls das Methanolzeitalter einläuten, sogar noch leichter als die Isländer. Denn nahezu alle betreiben fossile Kraftwerke, deren Abgase einen Teil der benötigten Ausgangsmaterialien liefert: Kohlendioxid. Den anderen, Wasserstoff, könnten sie mit überschüssigem Solar- und Windstrom herstellen.

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