Mobilität: So wollen Startups aus Berlin und München den Verkehr umkrempeln

Mobilität: So wollen Startups aus Berlin und München den Verkehr umkrempeln

von Benjamin Reuter

Parktag will den Autoverkehr in der Stadt reduzieren, Adaptive City Mobility das Taxifahren revolutionieren.

Es sind vier ziemlich simple Fakten, die den Berliner Programmierer Silvan Rath an seinen Erfolg glauben lassen: Eine Milliarde Autos gebe es auf der Welt, sagt er. Tendenz stark steigend. Und zwei Billionen Minuten suchten Autofahrer in Städten weltweit pro Jahr nach einem Parkplatz. 2025 werde jedes Auto mobil mit dem Internet verbunden sein, ein Großteil der Menschen in den Industriestaaten sei es heute schon. Letzteres, glaubt Rath, ist auch die Lösung des Parkplatz-Problems.

Rath begann die Arbeit an seiner Smartphone-App im Jahr 2011. Parktag ist ihr Name (eine Betaversion gibt es hier) und sie soll die Parkplatzsuche in Städten erheblich beschleunigen. Die Idee dahinter: Die Software registriert bei den Usern automatisch, ob sie im Auto fahren oder zu Fuß gehen. Auch das auf und ab beim Gehen nehmen die Sensoren der Handys wahr.

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Kraft der CrowdWenn die Fortbewegungsgeschwindigkeit sich stark ändert, geht die App davon aus, dass das Auto geparkt wurde. Kommt der User ein paar Stunden später zu seinem Parkplatz zurückgeschlendert, merkt die App auch das. Steigt er tatsächlich in sein Auto und verlässt den Parkplatz, blinkt bei allen anderen Parktag-Nutzern in der Nähe die freie Stellfläche auf.

Natürlich ist das keine Sicherheit, dass sich die User den Parkplatz dann auch sichern können, wenn ein anderer Autofahrer ihnen zufällig zuvorkommt. Allerdings können sich Nutzer auch untereinander Parkplätze "zuschieben" und freihalten. Die jeweilige Parkplatzgröße wird über das Automodell des Nutzers berechnet.

Wer nun Angst wegen detailierter Bewegungsprofile in fremden Händen hat, den kann Rath beruhigen: "Alle Daten bleiben auf dem Telefon des Besitzers", versichert er.

15.000 Nutzer hat die App schonVorgestellt hat Rath, der als Entwickler unter anderem bei Cisco und Ebay arbeitete, seine App erstmals im vergangenen Jahr in New York auf einer Tech-Konferenz. In Deutschland präsentierte er seine Idee zum ersten Mal Anfang Juni auf dem Ecosummit in Berlin, dem wichtigsten Treffen für grüne Unternehmens-Gründer und ihre Kapitalgeber in Deutschland.

15.000 Mal wurde der elektronische Parkplatzfinder bisher heruntergeladen, vor allem in Berlin, Los Angeles und Jerusalem.

Sechs Prozent der Autofahrer in einer Stadt sei die kritische Masse dafür, so hat es Rath errechnet, dass die Software für die Nutzer auch eine Zeitersparnis bei der Suche nach ein Stellplatz bringt. Bis zu 30 Prozent des Verkehrs in Städten mache diese Suche aus, sagt Rath. Ein großer Teil davon ließen sich mit seiner App vermeiden.

Demnächst soll ein großer Investor helfen, die Entwicklung des Startups weiter voranzutreiben. Das Geschäftsmodell des elfköpfigen Entwicklerteams von Parktag: Die Software sollen andere Unternehmen, wie Carsharer oder Anbieter von Navigationsgeräten, lizenzieren können, um sie in ihr eigenes Angebot einzubinden.

Zwischen TukTuk und PKWAuf dem Ecosummit präsentierte auch Adaptive City Mobility (ACM) aus München seine Idee von elektrisch angetriebenen Taxis. Das ist an sich nichts Neues, aber das Startup will dafür seine eigenen Fahrzeuge entwickeln; die sind nach Aussage von ACM-Chef Paul Leibold eine Zwischenstufe  "der TukTuks, wie sie in Asien unterwegs sind, und herkömmlichen PKWs".

Die Fahrzeuge ähneln kleinen Kabinen, die auf das Nötigste reduziert sind. So sollen die Kosten im Vergleich mit einem gängigen Mercedes, der häufig von Taxiunternehmen verwendet wird, um die Hälfte sinken. Hinzu kommt die Ersparnis bei den Spritkosten von rund 70 Prozent. Mit grünem Strom betankt, wären die E-Taxis zudem sehr viel umweltfreundlicher als Benziner. Die Wagen sollen mit einer Software vernetzt sein, um jeweils das zum Kunden nächstgelegene Fahrzeug zu finden.

Entwickelt haben die 20 Mitarbeiter von ACM das knuffige Gefährt und die Software in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Eingebettete Systeme und Kommunikationstechnik ESK und vier weiteren Partnern aus der Industrie. Noch in diesem Jahr soll es einen ersten Prototypen mit dem E-Antrieb geben, im kommenden Jahr dann einen vollwertigen Erstwagen. Dieser wird dank leichter Verbundwerkstoffe nur 550 Kilogramm wiegen, weniger als die Hälfte eines herkömmlichen Autos.

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