Mobilität: US-Ehepaar baut Straßen aus Solarmodulen

Mobilität: US-Ehepaar baut Straßen aus Solarmodulen

von Jan Willmroth

Die Brusaws werkeln an einem ehrgeizigen Projekt: Sie wollen energieerzeugende Straßen bauen. Auf einem Parkhausdach startet jetzt der Praxistest.

Die Brusaws sind eigentlich ein ganz normales nordamerikanisches Ehepaar. Er arbeitet als Elektroingenieur, sie als Psychologin und Familientherapeutin, gemeinsam leben sie mit Tochter und Hund in ihrem Haus in Sandpoint, Idaho. Von der Veranda blicken sie über den Lake Pend Oreille, die kanadische Grenze ist nicht weit.

In dieser oft schneebedeckten kleinbürgerlichen Idylle werkeln sie an einem überhaupt nicht normalen Projekt, für das viele sie anfangs belächelten. Warum bauen wir unsere Straßen mit Asphalt, für dessen Produktion wir Erdöl brauchen? Julie Brusaw stellte sich vor Jahren diese Frage, als die Klimawandel-Debatte losging. Und hatte eine Idee: Solar Roadways, Straßen aus Solarmodulen, die Strom erzeugen und ins Netz einspeisen, die beheizbar sind und LEDs als Markierung nutzen. Die Brusaws dachten an Parkhäuser, Supermärkte, an Landstraßen und Highways – ein riesiges Potenzial.

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„Die eine Hälfte der Leute hielt uns für Genies, die andere dachte, wir seien nicht mehr ganz dicht“, sagt Scott Brusaw. Er fand die Idee seiner Frau so überzeugend, dass er jahrelang daran arbeitete. 2009 bekamen die beiden 750.000 Dollar staatliche Förderung für einen Prototyp. Die Behörden gehörten offenbar zu jenen, die an das Projekt glaubten.

Pilotprojekt ParkhausdachIn diesem Frühjahr statten die Brusaws ein Parkhaus-Dach in Sandpoint mit ihren Solarmodulen aus. Die befahrbaren Sonnenkraftwerke sind jetzt mehr als nur eine Idee. Und sie können tatsächlich alles, was die Erfinder sich vorgestellt haben.

Dazu haben sie die Straßen aus drei Teilen konstruiert: Zuoberst ein extrem hartes Glas mit Solarmodulen darunter, LED-Leuchten zur Fahrbahn- und und Parkplatzmarkierung und Heizelementen, um Schnee und Eis zu beseitigen. Darunter eine Schicht mit der Technik zur Kommunikation und zur Steuerung der Leuchten. Ganz unten befindet sich die Basis mit Leitungen, die den Strom zu Häusern und Ladestationen für Elektroautos transportieren.

Als wäre das noch nicht genug, befinden sich an den Seiten Kanäle, die abfließendes Wasser sammeln und filtern. Im Parkhaus-Prototyp werden drei Arten von Solarmodulen verbaut: Mono- und polykristalline, sowie Dünnschicht-Module.

Hoffnung auf ElektroautosNun wollen die Brusaws herausfinden, welche Technologie die besten Ergebnisse liefert. Klar ist, dass die Solarstraßen weniger Strom produzieren als Paneele in Solarparks oder auf Dächern, weil man sie nicht optimal zur Sonne ausrichten kann. Scott Brusaws Gegenargument: Die Straßenfläche in den USA betrage mehr als 45.000 Quadratkilometer – und die Parkplätze von Supermärkten böten viel mehr Fläche als deren Dächer.

Besonders viel verspricht er sich von der Elektromobilität. Er hat schon Gespräche mit einem Unternehmen geführt, das drahtlose Lademöglichkeiten entwickelt. „Theoretisch könnte uns dann nie der Saft ausgehen“, stimmt Brusaw diese Zukunftsmusik an.

Wie so oft kommt hier aber wieder ein Einwand ins Spiel, den die Brusaws (noch) nicht entkräften können: Die Solarstraßen werden fürchterlich teuer. Er will es noch nicht genau beziffern, rechnet aber mit den dreifachen Kosten von asphaltierten Fahrbahnen. Doch sie sind schon jetzt sehr weit gekommen – 2014 könnten die ersten Straßen in Serie gehen.

Sehen Sie im Video, wie die Brusaws ihre Idee verwirklichten:

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