Mobilität: Wie Tesla den Markt in Deutschland aufrollen will

Mobilität: Wie Tesla den Markt in Deutschland aufrollen will

von Felix Ehrenfried

Gerade erst hat Tesla wieder einen Quartalsgewinn verkündet und plant jetzt ein Elektroauto für die Massen. Nebenbei soll der deutsche Markt erobert werden.

Das Thermometer zeigt 35 Grad Celsius in der Münchner Blumenstraße. Während die Sonne von Himmel knallt, hat Tesla zur Probefahrt geladen.

Auf dem polierten Fließenboden steht der Wagen, der erklären soll, wie ein kalifornisches Start-Up schaffen will, woran renommierte Autobauer wie Mercedes, BMW oder VW bisher gescheitert sind: Die Elektromobilität in Deutschland zu etbalieren. Das Tesla Model S sieht elegant aus und erinnert in seiner Linienführung ein wenig an Jaguars aktuelle Sportlimousine XF.

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"Jeder erkennt in dem Wagen etwas anderes", sagt Kathrin Schira, Kommunikationsmanagerin von Tesla für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Auch wenn also jeden der Tesla S an ein anderes Automodel erinnert, eine Sache kommt einem nicht in den Kopf: Dass diese Limousine mit einem Elektromotor angetrieben wird.

Vielleicht ist das auch das Geheimnis der amerikanischen Autoschiede, die gerade erst wieder alle Analysten Lügen getraft hat und auch für das zweite Quartal 2013 einen Gewinn verkündete. Mittlerweile verkauft Tesla um den Gründer und CEO Elon Musk in den USA mehr Autos im Luxussegment als manch etablierter Autobauer wie Audi mit seinem A8 oder Daimler mit seiner S-Klasse.

Denn die luxeriösen Autos von Tesla mit ihren knapp 500 Kilometer Reichweite haben so gar nichts mit den Vorurteilen zu tun, die man für gemeinhin gegen die Elektromoblität hegt. Sie zeichnet vor allem aus: Dass sie eigentlich wenig von herkömmlichen Benzinern unterscheidet - ja, sie vielleicht in Punkto Komfort und Features vielen fossil betriebenen Autos die Schau stehlen.

Mit genau dieser Qualität will Tesla nach den USA auch Deutschland erobern.

Tesla punktet dabei, wie gewohnt mit den klassischen Features: Da der Elektroantrieb im Verhältnis zu einem klassischen Vebrennungsmotor sehr wenig Platz benötigt und die Batterie im Boden der Karosserie versteckt ist, hat das Model S ein riesiges Platzangebot. Vorne unter der Motorhaube 150 Liter Stauraum, im Heck kommen bei umgelegter Rückbank weitere 1645 Liter hinzu.

Zentrale Einheit des Autos ist der riesige 17 Zoll große Touchscreen über den sich nahezu jeder Parameter des Autos einstellen lässt.

Ob Eigenschaften der Lenkung, Fahrwerkverstellung oder die Beleuchtung im Innenraum: Das Fahrzeug lässt sich rundum auf die Bedürfnisse des Fahrers anpassen. Damit wird der Computer zum zentralen Kontrollpunkt des Wagens, was einen entscheidenden Vorteil mit sich bringt. "Sollte einmal etwas nicht funktionieren, kann sich der Service einfach per Internet in den Wagen einwählen und schauen, wo das Problem liegt", erklärt Kathrin Schira.

Das Model S ist beeindruckend - Doch reicht das?Auch auf der Probefahrt überzeugt der Wagen. Schon ab dem ersten Meter sorgen die 600 Newtonmeter Drehmoment für eine gleichmäßige Beschleunigung, ohne erst auf Touren kommen zu müssen. Das Fahrwerk ist komfortabel und lässt den Fahrer entspannt dahin gleiten, dank des Elektromotors außerdem so gut wie lautlos.

Ein schönes, gut zu fahrendes Auto, zweifelsohne. Aber genügt das, um hierzulande Fuß zu fassen? Dazu noch bei einem Preis, der schon in der einfachsten Variante bei 71 400 Euro liegt. Vorbestellungen für den Wagen gibt es aktuell nach Angaben von Tesla "mehr als 15 000". Wie hoch dabei allerdings der Anteil europäischer oder deutscher Kunden ist, verrät Tesla nicht.

Ähnlich sieht es bei der Frage aus, wie man der fehlenden Förderung für Stromer hierzulande begegnen will. Während in den USA Elektroautos mit rund 10 000 US-Dollar (rund 7600 Euro) gefördert werden und Länder wie Norwegen den Stromern Privilegien, wie die Benutzung der Busspur einräumen, sieht es hierzulande mau aus.

"Wer einen Tesla kauft, der kauft nicht nur ein Elekroauto sondern einfach ein besseres Auto und ist dann auch bereit einen entsprechenden Preis dafür zu zahlen"", sagt Kathrin Schira. Keine günstigeren Preise, um fehlende Subventionen abzufedern also. Jedoch sei man mit der Politik im Gespräch und arbeite an einer Form der Förderung für E-Autos.

Supercharger erst 2014 in DeutschlandTrotz der vielen Unbekannten stehen die Zeichen gut, dass das Unternehmen Tesla hierzulande für einen Schub bei der Elektromobilität sorgen wird. Schon in dieser Woche sind laut Tesla die ersten Wagen in Europa ausgeliefert worden.

Firmengründer Musk ist ebenfalls optimistisch, dass sein Konzept in Deutschland aufgeht. "Deutschland ist ein Land, das Ingenieurskunst wirklich wertschätzt, umweltbewusst ist und an modernen Technologien im Automobilbereich Interesse hat", sagt er gegenüber WiWo Green.

Sehen das die Experten genauso?

"Wir glauben, dass der Verkaufsstart des Model S einen signifikanten Einfluss auf den deutschen Automobilmarkt haben wird", erklärt Marcus Fendt von The Mobility House, einem Dienstleister für Elektromobilität. Zu seinem Kundenstamm zählen neben renommierten Autoherstellern wie BMW oder Volvo auch Tesla.

Einen Vorteil habe ein Auto aus dem Hause Tesla nämlich, den sonst nur wenige Autos bieten: "Mit einem Tesla kann man sich von der Masse abheben, sich differenzieren. Dafür sind die Leute bereit viel Geld zu bezahlen", sagt Fendt. Außerdem bringe das Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil aufgrund seiner geringen Größe mit.

So müsse man bei Tesla keine umfangreichen Strukturen berücksichtigen, könne wesentlich freier agieren und sich damit schneller an den Markt anpassen. Hierzulande hat das Unternehmen gerade einmal 14 Mitarbeiter, was für dementsprechend flache Hierarchien sorgt.

Elektroauto: Vom Handy zum SmartphoneAls Beispiel führt Fendt an: "Wenn man sich bei Tesla überlegt, die Wagen ab sofort mittels einer Flotte von Trucks direkt vor der Haustür des Kunden warten zu lassen, dann macht man das einfach, ohne auf ein großes Händlernetz Rücksicht nehmen zu müssen."

Daneben bieten die Wagen von Tesla einen weiteren, beeindruckenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz mit Ottomotor: Der Tesla S ist im Prinzip "digital" aufgebaut, er lässt sich frei konfigurieren.

Am Besten beschreiben lässt sich diese Eigenschaft mit einem Vergleich zwischen einem klassischen Handy und modernen Smartphones: Während man bei Klassikern a lá Nokia 3210 noch vollständig vom Hersteller abhängig wär, dessen gelieferte Software, Funktionen und Einstellungungen benutzen musste, ist ein Smartphone eine Hardwareplattform, auf der sich Software beliebiger Hersteller installieren lässt. Das Gerät kann umfangreich nach den Wünschen des Besitzers eingestellt werden.

"Ähnlich wird das in Zukunft bei E-Autos sein", ist sich Autofachmann Fendt sicher. So könne man Sitzeinstellungen, Fahrverhalten und Dämpfung im Model S frei einstellen und den eigenen Wünschen exakt anpassen. Oder, um beim Beispiel Smartphone zu bleiben: Die Lieblingsapps auf dem Bordcomputer installieren und damit auch unterwegs die kleinen Helferlein stets zur Verfügung haben. "Das glaube ich ist eine Sache, die auch die deutschen Kunden sehr begeistern wird", sagt Fendt.

Anfassen können ist für den deutschen Kunden wichtigTrotz aller Begeisterung: Will Tesla hierzulande erfolgreich sein, müssen entscheidende Hausaufgaben gemacht werden. Stichwort Supercharger: Während in den Vereinigten Staaten das Netzwerk an kostenlosen Lademöglichkeiten für Teslas mittlerweile relativ gut ausgebaut ist und weiter wachsen soll, sieht es hierzulande schlecht aus.

Bisher ist keine einzige der superschnellen Ladestationen aufgestellt. Allerdings gibt Firmengründer Elon Musk gegenüber WiWo Green ein Versprechen: "Im letzten Quartal dieses Jahres wird es die ersten Supercharger in Deutschland geben."

Und Musk verspricht noch mehr: Schon Ende 2014 soll es für Tesla-Kunden möglich sein, dank Superchargern durch nahezu ganz Westeuropa kostenlos reisen zu können.

Bis es soweit ist, heißt es für Teslafahrer allerdings: Entweder an der eigenen Ladestelle in der heimischen Garage den Akku aufladen oder auf Angebote fremder Dienstleister, wie RWE oder die lokaler Stadtwerke zurückgreifen. Dass es mit diesen Zapfsäulen möglich ist, mit dem Tesla S auch längere Strecken zu bewältigen zeigte jüngst das Manager Magazin.

Gute Planung für längere TripsDennoch erfordern diese Alternativen gute Planung und sind aufwendig: Unterschiedliche Tankkarten und Abrechnungssysteme erfordern Organisation und viel Platz im Geldbeutel. Da ist die Supercharger-Lösung doch wesentlich komfortabler.

Neben dem Aufbau einer Ladeinfrastruktur ist eine Erhöhung der Zahl der Geschäftsstellen entscheidend. Denn, so erklärt selbst Tesla-Mitarbeiterin Schira, sollte man den Tesla gefahren sein, um seine Qualitäten zu erleben. Bisher gibt es erst drei Niederlassungen, in Frankfurt, Hamburg und München. Doch auch hier will Tesla ausbauen, 250 neue Jobs sind aktuell in Europa ausgeschrieben, bis Ende des Jahres sollen es 400 sein.

So wird sich Ende August zeigen, wie sich die grüne Limousine auf dem deutschen Automarkt schlägt. Dann sollen die ersten S  Modelle hierzulande ausgeliefert werden. Für nächstes Jahr ist dann der Verkaufsstart der SUV-Variante, Model X, in den USA geplant. 2016 könnte es dann zur Nagelprobe kommen. Dann will Unternehmenschef Elkon Musk seinen "Billigtesla" ausliefern, der mit rund 30 000 Euro wesentlich günstiger werden soll als das aktuelle Modell.

Spätestens dann sollten die deutschen Autohersteller ihre Kompetenz in Sachen E-Mobilität stark ausgebaut haben. Anderenfalls könnten die alteingessesen Automarken in ihrem Heimatmarkt von dem kleinen Startup aus Kalifornien überholt werden.

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