Moss FM: Dieser Radioempfänger bezieht seinen Strom aus Moos

Moss FM: Dieser Radioempfänger bezieht seinen Strom aus Moos

von Felix Ehrenfried

Bisher hat Moos nur wenig Nutzen für den Menschen. Nun haben Forscher das Gewächs als Energieträger entdeckt.

Geht es um den wirtschaftlichen Nutzen von Moos, kommt das Online-Lexikon Wikipedia zu einem eindeutigen Ergebnis: "Für den Menschen waren und sind die Moose von sehr geringem wirtschaftlichen Nutzen", heißt es dort. Das könnte sich bald ändern - daran glauben zumindest die Forscher, die jetzt einen Radioempfänger entwickelt haben, der seine Energie aus dem grünen Gewächs bezieht.

Die Schweizer Designerin Fabienne Felder hat gemeinsam mit Paolo Bombelli und Ross Dennis, zwei Wissenschaftlern aus Cambridge, eine Methode entwickelt, mit der sie aus Moos Energie gewinnen können. Die Technik, die sie "biologische Solarzellen" nennen, nutzt die Fotosynthese, bei der Pflanzen Kohlendioxid mithilfe von Lichtenergie in Sauerstoff umwandeln, zur Energiegewinnung. Bei dem Prozess entstehen Elektronen, dabei entstehende Spannung wandeln die Tüftler elektrischem Strom um.

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Damit betreiben sie einen Radioempfänger, den sie "Moss FM" getauft haben. Das sei besonders beachtlich, da damit zum ersten Mal ein Endverbraucher mittels "biologischen Solarzellen" angetrieben werde, der mehr Energie verbrauche als ein kleines LCD-Display, sagten die Entwickler gegenüber dem Dezeen-Blog. Aktuell hätten fünf Biosolarzellen eine Leistung von rund 3,5 Milliwatt je Quadratmeter, erklärt Felder.

Bisher nur 0,1 Prozent der Energie nutzbarDie Entwickler haben große Hoffnungen in die Technik. Sie glauben, dass Pflanzen als Solarzellen schon bald kommerziell als Energiequelle genutzt werden könnten. So ließen sich aktuell gerade einmal 0,1 Prozent der Energie nutzen, die das Moos bei der Fotosynthese produziert. Ließe sich der Prozentsatz erhöhen, seien so schon bald auch energieintensivere Anwendungen möglich. "Wir glauben, dass die Technik in fünf bis zehn Jahren kommerziell nutzbar ist", sagt Felder.

Auch Designerin Felder zeigt sich optimistisch, was die weitere Entwicklung angeht. Sie vergleicht die Schritte, die nun gegangen werden müssen, mit der Entwicklung von Photovoltaikzellen. "Biologische Solarzellen werden durch einen ähnlichen Entwicklungsprozess gehen: Optimale Leitermaterialien müssen bestimmt werden, passende Pflanzen gefunden und die richtige Bewässerung und Systeme, die einen stabilen Stromfluss garantieren, müssen entwickelt werden", sagt sie.

Besonders wichtig sei dabei die Auswahl der richtigen Pflanzen. So sei Moos zwar extrem robust und benötige wenig Wasser, "allerdings mag es kein direktes Sonnenlicht", sagt Felder. Andere Pflanzen, die weniger Probleme mit Sonnenstrahlung haben, könnten jedoch kaltes Wetter weniger vertragen. "Der richtige Vegetationsmix" sei die Lösung für dieses Problem.

Einsparungen im Millionenbereich möglichBevor Moos als Energieträger genutzt werden kann, müssen die Forscher also noch einiges verbessern. Sollte es allerdings soweit kommen, und Moos und andere Pflanzen treiben in Zukunft unsere iPhones an, könnte das einen bedeutenden Einfluss auf die Umwelt haben. Würden 25 Prozent der Londoner Bevölkerung, rund 2,7 Millionen Menschen, ihr Handy täglich zwei Stunden mit Energie aus Moos laden, "würden wir genug Energie sparen um eine kleine Stadt zu versorgen", rechnet Felder vor.

Dies entspräche 42,5 Millionen Kilowattstunden und damit Einsparungen von 6,81 Millionen Pfund (rund rund 8,2 Millionen Euro) und 39.632 Tonnen CO2 jährlich.

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