Mykorrhiza: Wie einfache Pilze Dünger fast überflüssig machen könnten

Mykorrhiza: Wie einfache Pilze Dünger fast überflüssig machen könnten

von Robyn Schmidt

Ein Pilz, der sich rasch ausbreitet und Nährstoffe aus dem Boden zieht, könnte die Landwirtschaft revolutionieren.

Endomykorrhiza: Der Begriff bezeichnet eine Symbiose, die einige Pilzarten mit Pflanzen eingehen und diese mit Wasser und Nährstoffen versorgen. Dieser Vorgang könnte für die ökologische Landwirtschaft zum Glücksfall werden.  Das glaubt zumindest die Jury des Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt. Sie kürte eine neue Art der Produktion dieser Mykorrhiza-Pilze nun zur Innovation des Jahres - zur Freude von Arthur Schüßler.

Schüßler forscht seit einigen Jahren an den Mykorrhiza Pilzen und hat für das Unternehmen "Wilhelms Best" ein Verfahren zur Massenproduktion von Endomykorrhiza-Pilzen entwickelt. Diese Pilze haben nämlich einige nützliche Eigenschaften.

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Im Boden gehen sie eine Symbiose mit den Pflanzenwurzeln ein. Sie verbinden sich mit den Wurzeln und dringen sogar in das Innere der Pflanzenzellen vor. Das Pilzgeflecht im Boden erreicht viel mehr Nährstoffe und Wasser als die Wurzeln alleine es könnten und leitet es an die Pflanze weiter. Im Gegenzug erhält der Pilz von der Pflanze Kohlenhydrate.

Zwar sind im Boden normalerweise schon Mykorrhiza-Pilze vorhanden, allerdings werden sie durch häufiges Pflügen und Düngen geschädigt. Deshalb sind sie gerade in landwirtschaftlich genutzten Feldern meist rar. Nachhelfen kann man da, wenn man den Pilz unter das Saatgut mischt und aussäht.

Weniger Phosphor, weniger DüngerDer Effekt der Pilze kann enorm sein, denn durch die verbesserte Nährstoffaufnahme könnten sie die Böden entlasten: "Weltweit könnten wir rund 40 Prozent des benutzten Düngers einsparen", schätzt Geschäftsführer Bernhard Aumann. Vor allem muss man weniger Phosphor künstlich in die Erde bringen.

Phosphor, ein wichtiger Pflanzennährstoff, ist eine endliche Ressource, die laut dem Biologen Mohamed Hijri von der Universität Montreal bis zum Ende des Jahrhunderts komplett aufgebraucht sein wird - Forscher suchen deshalb schon seit Jahren nach Recycling-Methoden. Werde konventionell gedüngt, gingen 85 Prozent des genutzten Phosphors im Boden und im Grundwasser verloren, meint er. Nur 15 Prozent kämen bei den Pflanzen an. Der Einsatz von Mykorrhiza-Pilzen könne das Verhältnis so drehen, dass 90 Prozent bei der Pflanze ankommen.

Die Wirkung der Mykorrhiza-Pilze ist keine ganz neue Erkenntnis. Schon 1969 schrieben beispielsweise Melvin Daft und Tom Nicolson von der Universität Dundee in ihrer Untersuchung zur Wirkung von Endomykorrhiza auf Pflanzenwachstum: "Jede Konzentration des Endophyten […] führte zu einer signifikanten Wachstumsstimulation." Bloß hat das Thema wenig Aufmerksamkeit bekommen. "Es wurde fälschlicherweise immer noch lange gedacht, nur die Wurzeln würden Nährstoffe aufnehmen", sagt Aumann. "Dabei werden die meisten über Mykorrhiza aufgenommen."

Deshalb ist auch nicht das Wissen um die Wirkung der Grund, warum Wilhelms Best den Innovationspreis bekam, sondern die neue Produktionsmethode. Denn hergestellt wurden die Pilze auch schon vorher, allerdings sehr aufwendig. "Unsere Methode ermöglicht es uns, für die breite Masse in der Landwirtschaft zu produzieren", sagt Aumann. Das Unternehmen züchtet die Pilze in vitro, also geschützt vor Außeneinflüssen. Auf den Prozess hat das Unternehmen einen Patentantrag gestellt, von dem es hofft, dass er in ein bis zwei Jahre bewilligt wird.

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