Nach der Fast-Pleite: Beginnt bei Solarworld nun das Projekt Wiederaufstieg?

Nach der Fast-Pleite: Beginnt bei Solarworld nun das Projekt Wiederaufstieg?

von Peter Vollmer

Solarworld schreibt wieder schwarze Zahlen - über den Berg ist der Solarhersteller damit aber nicht.

Die Zeiten, in denen sich Frank Asbeck medienwirksam als Sonnenkönig inszenierte, sind längst vorbei. Wenn es nach ihm geht, könnte er aber schon im kommenden Jahr wieder befreit in die Kameras lachen. Denn obwohl das von ihm gegründete Unternehmen Solarwold eine heftige Talfahrt hinter sich hat, deuten nun die ersten Quartalsgewinne seit langem eine zarte Trendwende an.

Nach einem erfolgreichen Schuldenschnitt im vergangenen Herbst ist dies ein weiterer kleiner Erfolg, auch wenn der Teilgewinn nicht aus dem operativen Geschäft, sondern aus einem Zukauf kommt. Außerdem bietet der jüngste Hacker-Angriff aus China Asbeck die Möglichkeit, gegen seine Intimfeinde aus der chinesischen Industrie zu poltern.

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Dass Solarworld je wieder an alte Glanzzeiten anknüpfen kann, ist dennoch unwahrscheinlich. Es ist gerade mal sieben Jahre her, da wurde die Solarbranche abgefeiert – vor allem Solarworld. Selbst als sich 2009 schwierige Zeiten abzeichneten, stand die Aktie noch bei über 3000 Euro, Solarworld begrüßte den 2000. Mitarbeiter und Firmenchef Asbeck überlegte, Opel zu kaufen.

Preisverfall für SolaranlagenSchließlich schrumpften aber auch bei Solarworld die Umsätze. Die Energiepolitik des ersten Merkel-Kabinetts führte zu einem Rückgang der EEG-Vergütungen für Solaranlagen mitten in der Krise – während vor allem asiatische Länder mehr Geld in die Erneuerbaren steckte. Von den ausländischen Konjunkturpaketen profitierte Solarworld zunächst. Doch aus Fernost kamen nicht nur Aufträge, sondern auch Konkurrenten.

Die günstigen chinesischen Anlagen sorgten für einen rapiden Preisverfall. Zwischen 2007 und 2012 sanken die Preise für Solaranlagen um etwa 50 Prozent. Auch wenn die installierte Kapazität in Europa in dieser Zeit von 5000 auf 70.000 Megawatt anwuchs (s. EPIA Market Report 2013, pdf), konnte Solarworld davon nicht profitieren. 2013 war das Eigenkapital aufgebraucht.

Im August standen die Aktionäre des Bonner Unternehmens schließlich vor der Wahl: Schuldenschnitt oder Totalverlust. Die Anleger entschieden sich gegen die Insolvenz, allerdings gehört Solarworld damit zum größten Teil seinen Gläubigern: Fünf Prozent ihrer früheren Anteile durften die Aktionäre behalten. So konnten die Schulden von über 900 Millionen auf unter 500 Millionen Euro gedrückt werden.

Die Aktie liegt auch deshalb nur noch bei rund 30 Euro. Immerhin: Mit dem Zukauf der Solarsparte von Bosch konnte Solarworld überraschen. Asbeck will das defizitäre Thüringer Werk, das sich Bosch zu Boomzeiten zugelegt hatte, wieder profitabel machen. Die Hälfte der 1600 Mitarbeiter soll übernommen werden. Zum Vergleich: Gut 2000 Mitarbeiter hat Solarworld vor dem Kauf beschäftigt. Ein Zeichen dafür, dass die Bonner sich als Solar-Konzern noch breiter aufstellen wollen.

Gewinne 2015 möglichUnd nun also ein Quartals-EBIT (Gewinn vor Zinsen und Steuern) von knapp 130 Millionen Euro. Allerdings: Operativ fiel weiterhin ein Verlust an. Sondereffekte aus dem Bosch-Kauf sorgen für den Gewinn.

Mit echten schwarzen Zahlen dürfte in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen sein. 2015 soll ein gestiegener Umsatz schwarze Zahlen bringen. Angesichts der aktuellen Zahlen ist das kein unmögliches Ziel – wenn der Solarmarkt mitspielt. Ein weiterer Preisverfall bei den Modulen und ein starkes Absenken der Vergütung wäre aber für Solarworld nur schwer zu verkraften.

Mit welchem Geschäftsmodell der größte Erfolg zu erzielen ist, wurde schon auf der Aktionärsversammlung diskutiert. Gut gemeinte Tipps kommen von allen Seiten, ob die Verlagerung der Produktion ins Ausland oder eine Neuausrichtung als Beratungsunternehmen. Für die Geschäftsführung kommt das allerdings nicht infrage. Asbeck will weiterhin die komplette Produktionskette abdecken, vom Solarsilizium bis zu Batteriespeichern.

Ob sich die Kontinuität auszahlt oder sich die fehlende Flexibilität rächt, wird vor allem vom Marktumfeld der nächsten 24 Monate abhängen. Gerade Speicher für Solarenergie können ein lohnender Geschäftszweig werden. Doch auch hier wird sich Solarworld gegen billigere Konkurrenz aus dem Ausland durchsetzen müssen. Zudem werden die Energiewende-Reformen von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel den Heimatmarkt unattraktiver machen, zumindest für die Solaranlagen selbst. Die Probleme kommen - wie schon 2008 - aus China und Berlin und rücken sonnige Zeiten für Solarworld erst einmal in weite Ferne.

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