Nachgefragt: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Beiersdorf, Frau Bahr?

Nachgefragt: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Beiersdorf, Frau Bahr?

von Benjamin Reuter

Was bewegt die deutschen Nachhaltigkeitsmanager? Heute antwortet: Dorle Bahr von Beiersdorf.

In regelmäßigen Abständen befragt WiWo Green die wichtigsten Nachhaltigkeitsmanager der deutschen Wirtschaft zu ihren Zielen. Den fünften Fragebogen hat Dorle Bahr ausgefüllt, seit 2011 bei der Beiersdorf AG verantwortlich für ökologische Nachhaltigkeit und Arbeitssicherheit. Zu Beiersdorf gehören unter anderem die Marken Nivea und Tesa

1. Bitte formulieren Sie in einem Tweet von 140 Zeichen, was Nachhaltigkeit für Ihr Unternehmen bedeutet.

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Nachhaltigkeit bedeutet für uns, Verantwortung für Mensch und Umwelt zu übernehmen – heute und für alle nachfolgenden Generationen.

2. Wie viele Mitarbeiter kümmern sich um das Thema – oder sind Sie Einzelkämpfer?

Nein, um in Ihrem Duktus zu bleiben, wir „kämpfen“ mit allen Mitarbeitern gemeinsam für die Umsetzung unserer Nachhaltigkeitsstrategie. In der Konzernzentrale sind wir im Bereich Corporate Sustainability 14 Mitarbeiter. Diese wiederum arbeiten eng mit zahlreichen Kollegen und Kolleginnen in den verschiedenen Fachfunktionen zusammen, zum Beispiel in der Forschung und Entwicklung, in der Verpackungsentwicklung, in den Produktionszentren oder in der Logistik. Darüber hinaus gibt es in den Regionen weitere Mitarbeiter, die für die lokale Umsetzung unserer Nachhaltigkeitsstrategie verantwortlich sind.

3. Nennen Sie kurz die drei wichtigsten Nachhaltigkeitsziele Ihres Unternehmens

Unsere internationale Nachhaltigkeitsstrategie „We care“ konzentriert sich auf die drei Bereiche „Products“, „Planet“, „People“. Für jedes dieser Handlungsfelder hat das Unternehmen klare, langfristige Ziele definiert: Bis zum Jahr 2020 will Beiersdorf 50 Prozent seines Umsatzes mit Produkten erzielen, die eine deutlich reduzierte Umweltbelastung aufweisen (Basisjahr 2011), die CO2-Emissionen pro verkauftem Produkt um 30 Prozent verringern (Basisjahr 2005) sowie eine Million Familien erreichen und dazu beitragen ihr Leben zu verbessern (Basisjahr 2013).

4. Auf einer Schulnoten-Skala von 1 bis 6 – wie gut setzen Sie diese Ziele schon um?

Wir sind auf einem guten Weg. Nach der Einführung der neuen Nachhaltigkeitsstrategie „We care“ lag im vergangenen Jahr der Fokus auf dem Start von Pilotprojekten, die zentral für die Zielerreichung sind. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Beispiele – auch aus den Tochtergesellschaften – für das fortgesetzte Nachhaltigkeitsengagement von Beiersdorf.

5. Auf welches Projekt in dem Feld sind Sie stolz?

Auf die Entscheidung, beim Fabrikneubau in Mexiko in Energieeffizienz und den effizienten Einsatz von Ressourcen zu investieren. Wir streben für das Produktionszentrum in Silao den international anerkannten LEED-Standard in Platin an. Bisher gibt es kaum Produktionswerke, die dieses Niveau erreichen. Das neue Werk wird deutlich energieeffizienter sein als vergleichbare Werke, weniger Wasser verbrauchen und mit Kraft-Wärme-Kopplung und Fotovoltaik auch erneuerbare und hocheffiziente Energien einsetzen. Aber auch in Deutschland erhöhen wir kontinuierlich die Energieeffizienz und setzen zunehmend auf regenerative Energiequellen.

6. Wie stellen Sie überhaupt fest, wie nachhaltig ihr Unternehmen ist?

Wir erstellen jährlich einen Nachhaltigkeitsbericht und veröffentlichen zudem einen Report nach GRI-Standards, um unsere Arbeitsabläufe und Aktivitäten so transparent wie möglich zu machen. Wir arbeiten kontinuierlich an der Erweiterung und Konsolidierung unserer globalen Datengrundlage, um einen genauen Überblick über unseren aktuellen Status und unsere derzeitigen Erfolge zu geben.

7. “Go green to get gold” – wie viel Geld spart Ihr Unternehmen, indem es nachhaltiger arbeitet?

In erster Linie sehen wir unser Nachhaltigkeitsengagement als Chance für ertragreiches und nachhaltiges Wachstum. Daneben eröffnen sich natürlich auch Möglichkeiten zur Reduktion von Kosten, z.B. durch höhere Energieeffizienz oder geringere Abfallmengen.

8. Wo sehen Sie ein Geschäftsmodell für Nachhaltigkeit, das über kurzfristige Kostenersparnisse hinausgeht?

Für uns ist „care“ nicht nur Teil unseres Kerngeschäfts, sondern ein zentraler Wert, der für unsere Verantwortung gegenüber Menschen und ihrer Umwelt steht. In einer zunehmend unsicheren und sich schnell wandelnden Welt, die von enormen sozialen und umweltpolitischen Veränderungen beeinflusst wird, können meines Erachtens nur jene Unternehmen erfolgreich sein, die flexibel auf Veränderungen reagieren. Unser Nachhaltigkeitsansatz konzentriert sich daher vor allem darauf, die Anpassungsfähigkeit des Unternehmens zu stärken und eine Kultur zu etablieren, die uns eine zukunftsorientierte Rolle sichert. Wir haben den Anspruch, dass Beiersdorf mit seinen starken Marken auch in einhundert Jahren das Hautpflegunternehmen Nummer 1 ist.

9. Was tun Sie, um Lieferketten nachhaltig zu gestalten?

Wir haben einen Verhaltenskodex (Code of Conduct) entwickelt, der einheitliche und verbindliche Kriterien zu verantwortungsbewusstem Handeln festlegt. Er stellt sicher, dass unsere Lieferanten im Bereich Nachhaltigkeit die gleichen Maßstäbe erfüllen, die auch für uns bindend sind. Abgedeckt sind zum Beispiel die Bereiche Korruption, Menschenrechte und Umweltschutz. Darüber hinaus wurde ein entsprechendes System entwickelt, mit dem wir die Einhaltung des Kodex bei unseren Lieferanten überprüfen können und mit dem wir regeln, wie wir mit Abweichungen umgehen.

Und wir führen Gespräche mit unseren Lieferanten, um zum Beispiel die Supply Chain vor allem bei Rohstoffen und Packmaterialien nachhaltiger zu gestalten. Bei Lieferanten, die unsere Anforderungen nicht erfüllen oder die gegen unseren Verhaltenskodex verstoßen, ergreifen wir entsprechende Maßnahmen. Das kann im Extremfall auch zur Beendigung der Lieferbeziehung führen.

10. Was ist das größte Hindernis für die Umsetzung von Nachhaltigkeit?

Eine große Herausforderung ist es, die Komplexität zu reduzieren. Das gelingt uns durch Kommunikation und Engagement im gesamten Unternehmen. Wir sind überzeugt, dass wir den Weg zu mehr Nachhaltigkeit nur gemeinsam mit allen Mitarbeitern gehen können, um die ehrgeizigen Ziele unserer Nachhaltigkeitsstrategie zu erreichen.

11. Koppelt Ihr Unternehmen das Gehalt der Führungskräfte an das Erreichen grüner Ziele?

Nein, das ist aus unserer Sicht auch nicht erforderlich. Nachhaltigkeit ist ein lebendiger Teil unseres Unternehmens, der für Mitarbeiter und Führungskräfte selbstverständlich ist. Wir treiben unser Engagement voran, machen es transparent und stärken damit auch nachhaltig unsere Unternehmens- und Markenwerte.

12. Was tun Sie persönlich, um nachhaltiger zu leben?

Ich mache mir heute bei meinen Kaufentscheidungen viel mehr Gedanken als noch vor zehn Jahren. So achte ich zum Beispiel beim Einkauf von Lebensmitteln auf regionale und saisonale Ware. Und ich radle ins Büro, so dass ich im Alltag weitestgehend aufs Auto verzichten kann. Außerdem nutzen wir zu Hause Regenwasser als Brauchwasser für Waschmaschine und Toilette und erwärmen das Warmwasser über Solarthermie. Dies tue ich nicht nur, um heute umweltbewusster zu leben, sondern auch um meine beiden Söhne zu einer umweltbewussten und gesunden Lebensweise zu erziehen.

Bisher haben in der WiWo-Green-Serie zum Thema Nachhaltigkeit geantwortet: 

1. Alexander von Aufschnaiter, H&M

2. Uwe Bergmann, Henkel

3. Ulf Wenzig, Ikea

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