Nachgefragt: Was bedeutet Nachhaltigkeit für dm, Herr Harsch?

Nachgefragt: Was bedeutet Nachhaltigkeit für dm, Herr Harsch?

von Felix Ehrenfried

Was bewegt die deutschen Nachhaltigkeitsmanager? Heute: Erich Harsch, Geschäftsführer von dm.

In regelmäßigen Abständen befragt WiWo Green die wichtigsten Nachhaltigkeitsmanager der deutschen Wirtschaft zu ihren Zielen. Den vierten Fragebogen hat Erich Harsch ausgefüllt. Der gebürtige Wiener ist seit 2008 Vorsitzender der Geschäftsführung der dm-Drogeriemarktkette. Deren Gründer Götz Werner ist bekennender Anthroposoph und tritt seit vielen Jahren für eine nachhaltigere Wirtschaft ein.

Herr Harsch, bitte formulieren Sie in einem Tweet von 140 Zeichen, was Nachhaltigkeit für Ihr Unternehmen bedeutet.

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Nachhaltigkeit ist für uns bei dm kein unternehmerisches Ziel, sondern Teil unseres Selbstverständnisses.

Wie viele Mitarbeiter kümmern sich um das Thema – oder sind Sie Einzelkämpfer?

Mehrere Mitarbeiter arbeiten hauptamtlich, und noch viel mehr im Rahmen ihrer jeweiligen Aufgabe daran, das Unternehmen nachhaltiger zu gestalten. Es ist uns wichtig, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass alle rund 33 000 Kolleginnen und Kollegen ein Bewusstsein für nachhaltiges Handeln entwickeln können.

Nennen Sie kurz die drei wichtigsten Nachhaltigkeitsziele Ihres Unternehmens?

Wir versuchen, Nachhaltigkeit in all ihren Facetten zu berücksichtigen. Generell begreifen wir Nachhaltigkeit in vier Dimensionen: ökonomisch, ökologisch, sozial und kulturell. Die kulturelle Nachhaltigkeit erachten wir als zentral und setzen hier auch unseren Schwerpunkt, um in den anderen Dimensionen entsprechend wirken und gestalten zu können. Wir möchten damit Impulse geben, das Nachdenken über nachhaltiges Handeln anregen und dazu ermutigen, persönlich Verantwortung zu übernehmen.

Auf einer Schulnoten-Skala von 1-6 – wie gut setzen Sie diese Ziele schon um?

Unabhängige Erhebungen, wie zum Beispiel der Sustainability Image Score, bei dem wir uns im Vergleich zum Vorjahr um sieben Positionen verbessern konnten und nun Platz drei belegen, zeigen uns, dass unser Handeln wahrgenommen und entsprechend gewürdigt wird. Wie überall gibt es natürlich auch beim Thema Nachhaltigkeit einige Bereiche, die schon sehr weit fortgeschritten sind, und andere Bereiche, die noch besonderer Pflege bedürfen.

Auf welches Projekt in dem Feld sind Sie stolz?

Einen besonderen Stellenwert haben unsere Bemühungen beim Thema Nachhaltigkeit in der Ausbildung. Seit August 2010 begleitet der „Rote Faden der Nachhaltigkeit“ unsere Lehrlinge durch die Drogistenausbildung und hilft ihnen, sich an das Thema heranzutasten. Unser Konzept wurde 2011 und 2012 sogar vom Rat für Nachhaltige Entwicklung als vorbildlich ausgezeichnet.

Ein weiteres Nachhaltigkeits-Projekt, auf das wir stolz sind, ist unsere Kooperation mit der Deutschen UNESCO-Kommission im Rahmen der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, aus der unsere große Nachhaltigkeitsinitiative „Ideen Initiative Zukunft“ hervorgegangen ist. Seit Beginn der Kooperation haben sich mehr als 7000 Projekte, die sich für eine lebenswerte Welt von morgen einsetzen, beworben. Gerade in diesem Bereich möchten wir unser Engagement weiter ausführen und vertiefen.

Wie stellen Sie überhaupt fest, wie nachhaltig Ihr Unternehmen ist?

Dass wir mit unserem Streben auf dem richtigen Weg sind, zeigt uns das Feedback und der Zuspruch, den wir durch unsere Kunden und Partner erhalten, wie auch die Auszeichnungen, die wir bereits erhalten haben. Beispielsweise wurden wir 2011 zusammen mit der Deutschen UNESCO-Kommission für „Ideen Initiative Zukunft“ mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet. Auch der Deutsche Kulturförderpreis des BDI, den wir 2012 für unser Weiterbildungsprogramm für ErzieherInnen „Singende Kindergärten“ erhalten haben, bestätigt unser Engagement.

"Go green to get gold" - wie viel Geld spart Ihr Unternehmen, indem es nachhaltiger arbeitet?

Nachhaltigkeit von der Instrumentenebene her, als Möglichkeit der Kostenersparnis zu denken, ist meines Erachtens nicht der richtige Ansatz. Das Thema muss sich aus dem Selbstverständnis des sozialen Organismus des Unternehmens heraus entwickeln.

Wo sehen Sie ein Geschäftsmodell für Nachhaltigkeit, das über kurzfristige Kostenersparnisse hinausgeht?

Ein prägnantes Einzel-Beispiel hierfür ist der gewissenhafte Umgang mit Ressourcen. So haben wir beispielsweise unsere Zentrale in Karlsruhe, unsere Verteilzentren und die mehr als 1400 dm-Märkte vollständig auf Strom aus regenerativen Energien umgestellt. Die mit uns seit vier Jahrzehnten verbundenen Kunden und Partner zeugen außerdem von einem langfristigen und vor allem partnerschaftlichen Umgang, von dem letztendlich beide Seiten profitieren. Und die wesentlichsten und umfassendsten Investitionen sind all diejenigen kulturellen Initiativen bei dm, die zur Bewusstseinsbildung der Menschen beitragen.

Was tun Sie, um Lieferketten nachhaltig zu gestalten?

Für diesen Bereich bedeutet Nachhaltigkeit, gleich mehrere Anforderungen zu erfüllen: die Umwelt schonen,  mit Industriepartnern und Spediteuren effizient zusammen arbeiten und für dm-Kunden jederzeit Waren bereitstellen. Mit Hilfe einer Software für Zeitfenster-Management verbessern wir die Belieferung der Zentrallager. Über die sechs Volumenverteilzentrenwerden alle großvolumigen Artikel gehändelt. Diese sind regional und liegen näher an unseren Märkten. Routen und Verpackungseinheiten werden so gestaltet, so dass die Transportwege möglichst effizient genutzt werden.

Ein weiteres Beispiel für effiziente Logistik sind ausgeklügelte Verpackungen, so genannte Trays. Diese Kartonagen lassen sich rasch verräumen. Sind sie leer, werden die Kartonagen in modernen Pressen stark verdichtet. So verringern sich die Abholfrequenz und der Aufwand für den Transport beim Entsorgen.

Der jüngste Erfolg unserer Bemühungen ist der neue dm-Pfadfinder für ALANA-Textilien auf unserer Homepage. Hier können unsere Kunden den Produktionsweg ihres gekauften Kleidungsstücks bis zu dem Ort an dem die Baumwolle angebaut wurde nachverfolgen – damit schaffen wir Transparenz.

Was ist das größte Hindernis für die Umsetzung von Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit bedeutet, jeden Tag einen Schritt weiter zu gehen. Das Thema muss erst in das Bewusstsein der Menschen gelangen und dann in kleine, handhabbare und täglich umsetzbare Ziele übersetzt werden. Bildung ist hier ein zentrales Element, da sie die Auseinandersetzung mit der Thematik fördert und konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzeigt.

Koppelt Ihr Unternehmen das Gehalt für Führungskräfte an das Erreichen grüner Ziele?

Nein. Nachhaltigkeit kann sich nur entfalten wenn sie gelebt wird, Tag für Tag, und das nicht nur von Führungskräften. Aus diesem Grund ist es von großer Bedeutung, dass wir für alle Mitarbeiter die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen, um gemeinsam und zusammen unsere Ziele zu erreichen.

Was tun Sie persönlich, um nachhaltiger zu leben?

Als Privatperson versuche ich stets, mir Zeit zu nehmen für Menschen, die mir wichtig sind und die mir soziale und menschliche Verbundenheit geben. Nicht nur in unserem Büro in Karlsruhe trinke ich fair gehandelten Kaffee und steige, statt ins Auto, öfter mal auf’s Fahrrad.

Bisher haben in der WiWo-Green-Serie zum Thema Nachhaltigkeit geantwortet: 

1. Alexander von Aufschnaiter, H&M

2. Uwe Bergmann, Henkel

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