Nachgefragt: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Generali, Herr Hermanns?

Nachgefragt: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Generali, Herr Hermanns?

von Benjamin Reuter

Was bewegt die deutschen Nachhaltigkeitsmanager? Heute: Michael Hermanns von Generali.

In regelmäßigen Abständen befragt WiWo Green die wichtigsten Nachhaltigkeitsmanager der deutschen Wirtschaft zu ihren Zielen. Den heutigen Fragebogen hat Michael Hermanns ausgefüllt. Er leitet das Konzern-Nachhaltigkeitsmanagement der Versicherungsgruppe Generali. Sie ist mit mehr als 13,5 Millionen Kunden der zweitgrößte Erstversicherungskonzern auf dem deutschen Markt.

Bitte formulieren Sie in einem Tweet von 140 Zeichen, was Nachhaltigkeit für Ihr Unternehmen bedeutet.

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Nachhaltigkeit ist seit jeher Maxime unseres Geschäftsmodells und heißt Übernahme von Verantwortung in unserer gesamten Wertschöpfungskette.

Wie viele Mitarbeiter kümmern sich um das Thema – oder sind Sie Einzelkämpfer?

Nachhaltigkeit ist in der Generali Deutschland Gruppe ein fest verankerter Teil der Unternehmenskultur. Das gedankliche Bild des „Hauses der Verantwortung“ bündelt dabei verschiedene Initiativen der Generali Deutschland, die entweder dem Konzern-Nachhaltigkeitsmanagement (unternehmerische Verantwortung) oder dem Generali Zukunftsfonds (bürgerschaftliche Verantwortung) zugeordnet sind. Konzernweit sind jedes Unternehmen, jede Abteilung und jeder einzelne Mitarbeiter in ihren jeweiligen Wirkungsbereichen dazu aufgefordert, nachhaltig und verantwortungsvoll zu wirtschaften. Nachhaltigkeit ist kein abstrakter Prozess, sondern wird vor allem von Menschen getragen: unseren Mitarbeitern. Deshalb sensibilisieren wir sie kontinuierlich und systematisch für die Wichtigkeit nachhaltigen Handelns. Bei uns im Konzern-Nachhaltigkeitsmanagement sind die strategische Ausrichtung sowie die Steuerung und Messung der Nachhaltigkeitsaktivitäten angesiedelt. Diese zentrale Gruppe Nachhaltigkeit besteht derzeit aus drei Mitarbeitern; hinzu kommen die Kollegen aus dem Generali Zukunftsfonds sowie der Unternehmenskommunikation. Das Nachhaltigkeitsmanagement berichtet an den Konzern-Nachhaltigkeitsausschuss. Diesem gehören neben einem Vorstandsmitglied der Generali Deutschland Holding AG auch die Geschäftsführer einzelner Konzerngesellschaften sowie Abteilungsleiter relevanter Fachabteilungen an.

Nennen Sie kurz die drei wichtigsten Nachhaltigkeitsziele Ihres Unternehmens.

1. Vollständige Integration des Themas Nachhaltigkeit in unsere Kerngeschäftsfelder Kapitalanlage, Versicherungsprodukte und Immobilien

2. Etablierung von Nachhaltigkeit in unseren Strategien und Planungsprozessen

3. Erreichung unserer qualitativen und quantitativen Konzern-Nachhaltigkeitsziele für den Zeitraum 2013-2015

Auf einer Schulnoten-Skala von 1 bis 6 – wie gut setzen Sie diese Ziele schon um?

Ich vergebe für die Generali Deutschland Gruppe die Schulnote 2. Vor allem für Unternehmen ist beim Thema Nachhaltigkeit der Weg das Ziel. Die Anforderungen an die nachhaltige Entwicklung weiten sich ständig aus und werden immer komplexer. Die Schulnote 1 suggeriert Perfektion und Zielerreichung, was meines Erachtens kaum möglich ist. Wir haben uns als Versicherungskonzern auf diesen Weg begeben und eine integrierte Nachhaltigkeitsstrategie definiert. Derzeit sind wir dabei, das Thema Nachhaltigkeit vollständig in unser Kerngeschäft zu integrieren. Dies ist für eine gute Schulnote ein immens wichtiger Schritt.

Auf welches Projekt in dem Feld sind Sie stolz?

Seit 2009 haben wir konzernweit zahlreiche Initiativen und Projekte umgesetzt, die alle auf den Erfolg unserer integrierten Nachhaltigkeitsstrategie einzahlen. Besonders hervorheben kann man in diesem Zusammenhang jedoch unsere Klimaschutzstrategie, für die uns CDP, das Carbon Disclosure Project, im November 2013 in den Carbon Performance Leadership Index (CPLI) aufgenommen hat. Außerdem zu nennen sind die Integration von Environmental Social Governance (ESG)-Kriterien in unsere Kapitalanlagestrategie – in Kooperation mit der renommierten Nachhaltigkeits-Ratingagentur OEKOM Research – sowie die Einführung eines innovativen Nachhaltigkeitsscorings für das Immobilienportfolio der Gruppe.

Wie stellen Sie überhaupt fest, wie nachhaltig Ihr Unternehmen ist?

Wir haben im Bereich Nachhaltigkeit konzernweit ein professionelles Controlling etabliert, welches auf drei Säulen beruht. Die erste Säule ist ein Daten-, Zahlen- und Faktencontrolling, bei dem alle nicht-finanziellen Kennzahlen der Generali Deutschland Gruppe erhoben werden. Die zweite Säule bildet der sogenannte Nachhaltigkeitskalender. Er gibt eine Übersicht über alle Aktivitäten je Konzerngesellschaft und Fachbereich in einem Geschäftsjahr. Die dritte Säule ist ein Performancecontrolling, mit dem die Leistung und Weiterentwicklung eines Fachbereichs zum Thema Nachhaltigkeit über ein Reifegradmodell bewertet wird.

„Go green to get gold“ – wie viel Geld spart Ihr Unternehmen, indem es nachhaltiger arbeitet?

Es ist sehr schwer, die Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens in finanziellen Dimensionen zu bewerten. Außer der Kostensenkung werden zu viele verschiedene, teils immaterielle, Aspekte beeinflusst, etwa die Förderung und Motivation der Mitarbeiter, die Steigerung der Performance, ein verbessertes Risikomanagement und die Erhöhung der Transparenz und Reputation. Es wird jedoch zunehmend deutlich, dass finanzielle Kennzahlen und nicht-finanzielle Kennzahlen eng miteinander verknüpft sind. Mit großer Sicherheit ermöglichten nachhaltige Aspekte in der Generali Deutschland Gruppe im Jahr 2012 gegenüber dem Vorjahr Einsparungen in Höhe von mehr als einer Million Euro.

Wo sehen Sie ein Geschäftsmodell für Nachhaltigkeit, das über kurzfristige Kostenersparnisse hinausgeht?

Wie zuvor erläutert, bietet die Integration von Nachhaltigkeit in das Geschäftsmodell zahlreiche Chancen und Potenziale. Die nachhaltige Ausrichtung unserer wirtschaftlichen Tätigkeit ist deshalb zentraler Bestandteil unseres unternehmerischen Werteverständnisses und Treiber der Wettbewerbsfähigkeit. Deshalb begreifen wir unsere Geschäftstätigkeit über konkrete ökonomische Aspekte hinaus als ganzheitliche Verantwortung für Unternehmen, Mensch und Umwelt. Wir fassen das in die Formel: Versicherung ist Verantwortung. Für uns als Versicherungskonzern gilt seit jeher die Maxime, nicht von der Substanz, sondern vom Ertrag zu leben. Kunden erwarten in allen Lebensphasen Geschäftsmodelle, die Zinsschwankungen und Finanzkrisen überdauern und über lange Laufzeiten hinweg Leistungen garantieren.

Was tun sie, um Lieferketten nachhaltig zu gestalten?

Gemeinsam mit unserem Konzerneinkauf arbeiten wir daran, nachhaltige Aspekte in die Lieferantenbewertung und im Rahmen von Dienstleistungs- und Produktausschreibungen zu integrieren. In diesem Zusammenhang bauen wir ein Reportingsystem auf und aus, in dem systematisch Nachhaltigkeitskriterien erfasst werden und in die vollständige Lieferantenbewertung einfließen. Auch hierbei ist wieder wichtig zu betonen, dass wir uns auf einen Weg begeben haben und unsere Herangehensweise auch in Zusammenarbeit mit externen Netzwerken wie econsense, dem Forum Nachhaltiger Entwicklung der Deutschen Wirtschaft e.V., ständig professionalisieren.

Was ist das größte Hindernis für die Umsetzung von Nachhaltigkeit?

Das größte Hindernis sind sicherlich wir selbst. Damit meine ich jeden Einzelnen in seiner Rolle als Konsument, Familienangehöriger, Mitarbeiter, Wähler, Ehrenamtler und Mitglied der Gesellschaft. Wir unterschätzen unsere Einflussmöglichkeiten und sind nur allzu oft zu bequem, etwas an unserem Verhalten zu ändern. Neudeutsch würde ich es folgendermaßen ausdrücken: Skepsis gegenüber Transformation und Change Management. Aber natürlich ist es für den Einzelnen sehr schwer, mit den dramatischen globalen Veränderungsprozessen Schritt zu halten. Unsere unternehmerische Verantwortung sollte dabei vor allem in der Hilfestellung und Transparenz liegen.

Koppelt Ihr Unternehmen das Gehalt der Führungskräfte an das Erreichen grüner Ziele?

In den vergangenen Geschäftsjahren waren in verschiedenen Konzerngesellschaften der Generali Deutschland Gruppe immer wieder variable Gehaltsbestandteile von Führungskräften und auch Mitarbeitern an Nachhaltigkeitsziele gekoppelt. Aktuell gibt es für das Geschäftsjahr 2013 für die Mitarbeiter der Servicegesellschaft Generali Deutschland Services ein monetäres Ziel zur Einsparung von Stromenergie.

Was tun Sie persönlich, um nachhaltiger zu leben?

Allein schon durch meinen Job beschäftige ich mich die meiste Zeit des Tages mit dem Thema Nachhaltigkeit. Ich versuche, so oft es geht nachhaltige Aspekte in meinem Konsumverhalten zu berücksichtigen. Beispielsweise fahre ich jeden Tag mit der Bahn und dem ÖPNV zur Arbeit und versuche, regionale und saisonale Lebensmittel zu kaufen.

Bisher haben in der WiWo-Green-Serie zum Thema Nachhaltigkeit geantwortet:

1. Alexander von Aufschnaiter, H&M

2. Uwe Bergmann, Henkel

3. Ulf Wenzig, Ikea

4. Erich Harsch, dm-Drogeriemarktkette

5. Dorle Bahr, Beiersdorf

6. Daniel Schmid, SAP

7. Julia Bauer, Vaude

8. Ulrich von Deessen, BASF

9. Merlin Koene, Unilever

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