Nachgefragt: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Henkel, Herr Bergmann?

Nachgefragt: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Henkel, Herr Bergmann?

von Sebastian Matthes

Was bewegt die deutschen Nachhaltigkeitsmanager? Die neue WiWo-Green-Serie.

In einer neuen Serie befragt WiWo Green die wichtigsten Nachhaltigkeitsmanager der deutschen Wirtschaft zu ihren Zielen. Den ersten WiWo-Green-Fragebogen hat Uwe Bergmann, Head of Sustainability Management von Henkel, ausgefüllt. Bergmann kümmert sich bei Henkel schon seit dem Jahr 2000 um das Thema und ist daher auf Nachhaltigkeitskonferenzen und bei Diskussionsrunden stets ein gefragter Gesprächspartner.

Herr Bergmann, Bitte formulieren Sie in einem Tweet von 140 Zeichen, was Nachhaltigkeit für Ihr Unternehmen bedeutet.

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Herausforderung und Chance: Lösungen vorantreiben, damit im Jahr 2050 rund 9 Milliarden Menschen gut und im Einklang mit den begrenzten Ressourcen der Erde leben können.

Wie viele Mitarbeiter kümmern sich um das Thema - oder sind Sie Einzelkämpfer?

Rund 47.000 Mitarbeiter. Nachhaltiges Wirtschaften kann erst dann fest in die täglichen Aufgaben integriert werden, wenn alle Mitarbeiter die entsprechenden Prinzipien verstehen und die Möglichkeit haben, ihren Beitrag einzubringen. Im Rahmen von 670 „Action Plan“-Meetings haben unsere Führungskräfte im letzten Jahr mit ihren Teams mehr als 6000 Maßnahmen zur Umsetzung unserer Nachhaltigkeitsziele auf dem Weg zum „Faktor 3“ definiert.

Nennen Sie bitte die drei wichtigsten Nachhaltigkeitsziele Ihres Unternehmens.

Wir haben ein klares langfristiges Ziel: Bis 2030 wollen dreimal effizienter zu werden. Im Verhältnis zum ökologischen Fußabdruck, den wir durch unsere Produkte und Dienstleistungen hinterlassen, wollen wir den Wert verdreifachen, den wir für unsere Kunden, Verbraucher, Nachbarn sowie unser Unternehmen schaffen. Dieses Ziel, bezeichnen wir als „Faktor 3“.

Um unser ambitioniertes Ziel im Jahr 2030 erreichen zu können, müssen wir unsere Effizienz jährlich um durchschnittlich 5 bis 6 Prozent steigern. Daher wollen wir in den Jahren von 2011 bis 2015 das Verhältnis zwischen geschaffenem Wert und ökologischem Fußabdruck um insgesamt 30 Prozent verbessern.

Auf einer Schulnoten-Skala von 1 bis 6 - wie gut setzen Sie diese Ziele schon um?

Wir machen bei unseren Zielen gute Fortschritte und liegen voll im Plan, unsere Mitarbeiter haben ein klares Verständnis davon, was wir mittel- und langfristig erreichen wollen und unsere Partner schätzen die Klarheit unserer Ziele, unsere langfristige Ausrichtung sowie unsere Kompetenz und Erfahrung auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit.

Die Bewertung überlasse ich gerne denen, die sich darauf spezialisieren. Beim Dow Jones Sustainability Index und von Oekom Research werden wir als führend in unserer Industrie bewertet, Sustainalytics sieht uns im DAX auf Rang 2 und in die Liste der „100 nachhaltigsten Unternehmen der Welt“ wurden wir Anfang des Jahres zum fünften Mal aufgenommen.

Bei allen Fortschritten ist uns aber auch klar: Angesichts der Herausforderungen haben wir noch einen langen Weg vor uns.

Auf welches Projekt in dem Feld sind Sie stolz?

Aus unseren Überlegungen, wie sich Mitarbeiter noch stärker im Bereich Nachhaltigkeit engagieren können, haben wir zum Beispiel im Unternehmensbereich Laundry & Home Care die Idee entwickelt, Mitarbeiter zu Nachhaltigkeitsbotschaftern zu machen.

Dafür schulen wir Mitarbeiter so, dass sie das Thema Nachhaltigkeit insbesondere nach außen kompetent vertreten können. Seit Mitte 2012 haben rund 1000 Mitarbeiter in Online-Seminaren einen Überblick über die globalen Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung und die konkrete Henkel-Nachhaltigkeitsstrategie erhalten. Auch unsere Vorstände sind dabei. Die Botschafter wollen Kunden, Verbraucher, Lieferanten und im derzeitigen Schwerpunkt besonders Schülern nachhaltiges Denken und Handeln vermitteln. Das Motto heißt: "Educating for a more sustainable world."

Wie stellen Sie überhaupt fest, wie nachhaltig ihr Unternehmen ist?

Für unsere Strategie haben wir drei Erfolgskriterien ("Measures of Success") – definiert, die wir regelmäßig in unserem Sustainability Council sowie im Vorstand diskutieren. Das sind

  • positives Feedback von Kunden und anderen Stakeholdern,
  • relevante Nachhaltigkeitsratings und -indizes, in denen wir insgesamt besser abschneiden als unsere Konkurrenz,
  • und natürlich die nachhaltige und wirtschaftlich erfolgreiche Entwicklung unseres Geschäfts, für die wir entsprechende Ziele formuliert haben.

“Go green to get gold” - wie viel Geld spart Ihr Unternehmen, indem es nachhaltiger arbeitet?



Nachhaltigkeit und finanzieller Erfolg gehen bei uns Hand in Hand. Nachhaltiges Wirtschaften reduziert Kosten, treibt Innovationen, stärkt die Position auf den Zukunftsmärkten und spielt auch bei den Investitionsentscheidungen von Anlegern zunehmend eine Rolle. Das zeigt sich auch darin, dass wir  bereits 2010 unsere Nachhaltigkeitsziele für 2012 erfüllt haben, zwei Jahre früher als geplant. Gleichzeitig hatten wir das bis dahin wirtschaftlich erfolgreichste Jahr in der Geschichte des Unternehmens.

Wo sehen Sie ein Geschäftsmodell für Nachhaltigkeit, das über kurzfristige Kostenersparnisse hinausgeht?

Nachhaltigkeit ist für uns ein strategischer Erfolgsfaktor und Wettbewerbsvorteil. Nachhaltigkeit steht für langfristige Effizienz und einen bestmöglichen Ressourceneinsatz. Unsere Produktionsstätten arbeiten kontinuierlich daran, ihren Energieverbrauch weiter zu verringern und so zum Klimaschutz beizutragen, Materialeinsatz und Abfallmengen zu reduzieren sowie den Wasserverbrauch und die Abwasserbelastungen einzuschränken. Unternehmensweit konnten wir so den Energieverbrauch in den letzten zehn Jahren um 42 Prozent senken.

Auf der anderen Seite wollen wir mehr Wert schaffen: für unsere Kunden und Verbraucher, unser gesellschaftliches Umfeld sowie für unser Unternehmen. Wir brauchen Innovationen, Produkte und Technologien, die mehr Lebensqualität und gleichzeitig einen geringeren Material- und Rohstoffverbrauch ermöglichen. Mit unserer langen Erfahrung im nachhaltigen Wirtschaften wollen wir zusammen mit unseren Lieferanten, Kunden und Verbrauchern zukunftsfähige Lösungsansätze entwickeln.

Was tun sie, um Lieferketten nachhaltig zu gestalten?

Von unseren Lieferanten und Vertragspartnern erwarten wir, dass ihr Verhalten unseren unternehmensethischen Werten entspricht. Grundlage hierfür sind unsere konzernweit gültigen Einkaufsstandards sowie die bereits 1997 formulierten Standards zu Sicherheit, Gesundheit und Umwelt. Wir nutzen den industrieübergreifenden Code of Conduct des deutschen Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) als unseren weltweit gültigen Lieferanten-Code sowie als Basis für unseren mehrstufigen »Responsible Supply Chain Process«. Ziel des Prozesses ist es, die Einhaltung der Standards durch die Lieferanten zu gewährleisten und gemeinsam mit unseren strategischen Lieferanten die Nachhaltigkeitsstandards in unserer Lieferkette zu verbessern.

Der systematische Ausbau unserer Audit-Programme für Lieferanten ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Schwerpunkt in den kommenden Jahren. Dabei wollen wir nicht nur die Quantität der Lieferanten-Auditierungen erhöhen, sondern auch die Transparenz und Effizienz verbessern und unternehmensübergreifend Standards mitgestalten. So wollen wir gemeinsam mit weiteren Unternehmen der chemischen Industrie – BASF, Bayer, Evonik und Lanxess sowie den internationalen Partnern AkzoNobel und Solvay – im Rahmen einer gemeinsamen Initiative die Nachhaltigkeitsbewertung und die Audit-Kriterien für unsere Lieferanten standardisieren.

Was ist das größte Hindernis für die Umsetzung von Nachhaltigkeit?

Hindernisse und Herausforderungen gibt es viele. Um die richtigen Lösungen zu finden brauchen wir die Kreativität, und das Engagement unserer Mitarbeiter. Dafür haben wir die Voraussetzungen geschaffen: Eine klare und einfache Nachhaltigkeitsstrategie, damit unsere Mitarbeiter verstehen, was wir erreichen wollen und wie. Durch ihre Verankerung im Kerngeschäft wird die Strategie für die tägliche Arbeit unserer Mitarbeiter relevant. Die langfristige Perspektive hilft, Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und bessere Lösungen zu entwickeln. Durch die aktive Rolle, die unsere Mitarbeiter bei der Umsetzung der Strategie spielen, verstehen sie die Relevanz des Themas für ihr Arbeitsumfeld besser und erkennen, welchen Beitrag sie zur Erreichung unserer Nachhaltigkeitsziele leisten können. Und auch das Top-Management spielt als Unterstützer und Botschafter – nach innen wie nach außen – eine zentrale Rolle.

Koppelt Ihr Unternehmen das Gehalt der Führungskräften an das Erreichen grüner Ziele?

Um persönlichen Leistungswillen sowie individuelle Beiträge der Belegschaft zum Erfolg unseres Unternehmens zu honorieren, erhalten unsere rund 9.000 Management-Mitarbeiter leistungsabhängige Vergütungsbausteine. Einen besonderen Einfluss auf diese Bonuszahlungen hat dabei die individuelle, jährliche Leistungsbeurteilung.

Die Leistungsbeurteilung unserer Mitarbeiter für die Bonuszahlung erfolgt stets im Kontext unserer Vision und unserer Unternehmenswerte. So enthalten die Zielvereinbarungen der Mitarbeiter auch Nachhaltigkeitskriterien wie die Reduktion von Energie- und Wasserverbrauch oder Unfallraten, wenn diese Themen in den Einflussbereich der Mitarbeiter fallen und eine klare Geschäftsrelevanz haben. Darüber hinaus müssen alle Mitarbeiter in ihren Zielerreichungsgesprächen die Einhaltung aller anwendbaren Gesetze und Henkel-Standards bestätigen.

Was tun Sie persönlich, um nachhaltiger zu leben?

Ich versuche, Ressourcen bewusst zu nutzen. Dazu gehört Energieeffizienz im Haushalt, richtig Heizen und Waschen bei niedrigen Temperaturen mit einem guten Waschmittel, kurze Duschen und bewusstes Autofahren, aber auch Qualität zu kaufen und die frischen Erdbeeren aus dem Garten zu genießen.

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