Nachgefragt: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Pfizer, Herr Becker?

Nachgefragt: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Pfizer, Herr Becker?

von Benjamin Reuter

Was bewegt die deutschen Nachhaltigkeitsmanager? Heute antwortet Michael Becker von Pfizer.



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In regelmäßigen Abständen befragt WiWo Green die wichtigsten Nachhaltigkeitsmanager der deutschen Wirtschaft zu ihren Zielen. Den heutigen Fragebogen hat Michael Becker ausgefüllt. Er befasst sich als Director Pfizer Global Engineering täglich mit Themen wie Energieverbrauch und dem Rohstoffeinsatz in der Produktion. Das Pharmaunternehmen Pfizer zählt zu den größten Arzneimittelherstellern weltweit. 

Herr Becker, bitte formulieren Sie in einem Tweet von 140 Zeichen, was Nachhaltigkeit für Ihr Unternehmen bedeutet.

#pfizergoesgreen: Nachhaltigkeit ist für mich der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen. Soviel wie nötig, so wenig wie möglich!

Wie viele Mitarbeiter kümmern sich um das Thema ­ oder sind Sie Einzelkämpfer?

Jeder Mitarbeiter bei Pfizer beteiligt sich an dem Thema Nachhaltigkeit. Bei allen unseren Bemühungen geht es nicht nur um den Bereich Energie, sondern auch um Aspekte wie die Minimierung von Abfällen, die Erhöhung der Zuverlässigkeit der Maschinen und die Optimierung der Prozesskette – von der Anlieferung der Rohwaren bis zum fertigen Produkt.

Nennen Sie bitte die drei wichtigsten Nachhaltigkeitsziele Ihres Unternehmens.

Pfizer hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 die Treibhausgasemissionen um 20 Prozent zu senken. Außerdem wollen wir die Abfälle um 15 Prozent und den bisherigen Wasserverbrauch um fünf Prozent reduzieren. Damit möchten wir unseren Beitrag zur Stabilisierung der globalen Erdtemperatur leisten.



Auf einer Schulnoten-Skala von 1 bis 6 ­ – wie gut setzen Sie diese Ziele schon um?

Pfizer liegt für mich bei einer Eins minus. Im Zeitraum von 2000 bis 2007 konnten wir die Treibhausgasemission bereits um 20 Prozent und zwischen den Jahren 2007 und 2012 noch einmal um 25 Prozent senken. Am Produktionsstandort in Freiburg stammen mehr als 90 Prozent der benötigten Energie aus nachwachsenden Rohstoffen – das haben wir vor allem unserer Holzpellets-Heizanlage zu verdanken, die seit 2009 in Betrieb ist. Hinzukommt, dass wir ständig unseren Herstellungsprozess optimieren, um die „Gutrate“ unserer Produkte zu erhöhen und den Ausschuss von Papier, Folie, Wirkstoff sowie Energieeinsatz pro hergestellter Tablette beziehungsweise Kapsel zu verringern. Alle Mitarbeiter sind diesbezüglich mit den Herstellungsprinzipien bestens vertraut.

Auf welches Projekt in dem Feld sind Sie stolz?

Auf STAR! Dabei handelt es sich um ein Projekt, das von Studenten der FH Offenburg realisiert wurde. Mit der Kraft der Sonne soll künftig der Feuchtigkeitsgehalt der Prozessluft für die Herstellung und Verpackung von pharmazeutischen Produkten reguliert werden. Die Hochschüler untersuchten dafür verschiedene Solartechniken und entwickelten im Anschluss eine neue kosteneffiziente und energiesparende Lösung für den Trocknungsprozess. Wir boten den Studenten unsere fachliche Unterstützung und eben dieses Projekt an – eine klassische Win-Win-Situation.

Wie stellen Sie überhaupt fest, wie nachhaltig Ihr Unternehmen ist?

Hierzu haben wir innerhalb von Pfizer eine globale Datenbank, in die alle Projekte eingestellt werden. So kann jeder von jedem lernen und wenn er will Projekte auch kopieren. Natürlich messen, dokumentieren und vergleichen wir auch regelmäßig Werte wie die Treibhausemission, Energie- und Wasserverbrauch.

„Go green to get gold“: ­ Wie viel Geld spart Ihr Unternehmen, indem es nachhaltiger arbeitet?

Zwischen 2008 und 2012 konnten wir durch unsere Bemühungen in puncto Nachhaltigkeit Kosten in Höhe von 85 Millionen Dollar einsparen. Dieser Wert setzt sich aus ganz verschiedenen Posten zusammen. So leistet beispielsweise auch die Holzpellets-Heizanlage in Freiburg ihren Teil dazu. Sie senkt die Energiekosten des Standorts um einen sechsstelligen Betrag im Jahr und den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß gleich um 5500 Tonnen mit. Das Energiekonzept des Freiburger Standorts ist innerhalb von Pfizer Vorbild – aktuell implementieren unsere Kollegen in Puerto Rico zum Beispiel eine vergleichbare Holzpellet-Anlage.



Wo sehen Sie ein Geschäftsmodell für Nachhaltigkeit, das über kurzfristige Kostenersparnisse hinausgeht?

Es ist wichtig, sich nicht von kurzen Markttendenzen verleiten zu lassen. Anbieter versuchen mit kurzfristigen Preisänderungen fossile Brennstoffe wieder attraktiv zu gestalten. Aber unterm Strich sind es immer Steigerungen und keine reellen Einsparungen.

Was tun sie, um Lieferketten nachhaltig zu gestalten?

Alle unsere Lieferanten werden in der sogenannten „Auswahlphase“ zum Thema Nachhaltigkeit um Stellungnahme gebeten. Im kommenden Jahr werden wir für sie zudem Vorgaben implementieren, die bis 2020 zu einer signifikanten Verbesserung der Umweltstandards entlang der Zulieferkette führen sollen.

Was ist das größte Hindernis für die Umsetzung von Nachhaltigkeit?

Der eigene Wille jedes Menschen ist das größte Hindernis, aber auch die beste Chance etwas zu erreichen.

Koppelt Ihr Unternehmen das Gehalt der Führungskräfte an das Erreichen grüner Ziele?

Ja. Ich habe in jedem Jahr mindestens ein grünes Ziel in meinen sogenannten „Objectives“. Im Moment plane ich zwei grüne Windkraftanlagen in Irland und den Einsatz von Holzpellets in Puerto Rico.

Was tun Sie persönlich, um nachhaltiger zu leben?

Ich verbringe jedes Wochenende mit meiner Familie in einem herrlichen Waldstück – ohne Strom und fließend Wasser. Dort suche ich die Nähe zur Natur und habe die meisten Einfälle zum Thema erneuerbare Energien.

***

Bisher haben in der WiWo-Green-Serie “Nachgefragt” geantwortet:

1. Alexander von Aufschnaiter, H&M

2. Uwe Bergmann, Henkel

3. Ulf Wenzig, Ikea

4. Erich Harsch, dm-Drogeriemarktkette

5. Dorle Bahr, Beiersdorf

6. Daniel Schmid, SAP

7. Julia Bauer, Vaude

8. Ulrich von Deessen, BASF

9. Merlin Koene, Unilever

10. Uwe Kleinert, Coca-Cola

11. Michael Hermanns, Generali

12. Birgit Klesper, Telekom

13. Barbara Blohberger, Mondelez

14. Johannes Merck, Otto Group

15. Detlef Herb, Kyocera



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