Nachgefragt: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Unilever, Herr Koene?

Nachgefragt: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Unilever, Herr Koene?

von Benjamin Reuter

Was bewegt die deutschen Nachhaltigkeitsmanager? Heute antwortet Merlin Koene von Unilever.

In regelmäßigen Abständen befragt WiWo Green die wichtigsten Nachhaltigkeitsmanager der deutschen Wirtschaft zu ihren Zielen. Den heutigen Fragebogen hat Merlin Koene ausgefüllt, Nachhaltigkeitskoordinator und Leiter der Kommunikation bei Unilever Deutschland.

Bitte formulieren Sie in einem Tweet von 140 Zeichen, was Nachhaltigkeit für Ihr Unternehmen bedeutet.

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Nachhaltigkeit bedeutet für uns die Sicherung unseres langfristigen Wachstums. Wachstum und Nachhaltigkeit gehen für Unilever Hand in Hand.

Wie viele Mitarbeiter kümmern sich um das Thema - oder sind Sie Einzelkämpfer?

Alle 173.000 Mitarbeiter weltweit kümmern sich um nachhaltiges Wirtschaften. Nachhaltigkeit ist bei Unilever integraler Bestandteil der Geschäftsstrategie und ist vollständig in die Organisation integriert.

Nennen Sie kurz die drei wichtigsten Nachhaltigkeitsziele Ihres Unternehmens.

Wir wollen bis 2020

1.) Mehr als 1 Milliarde Menschen dabei helfen, ihre Ernährung und ihr Wohlbefinden zu verbessern

2.) Die mit unseren Produkten verbundenen Umweltauswirkungen halbieren – Treibhausgase, Wasserverbrauch und Abfall

3.) Sämtliche landwirtschaftlichen Rohwaren aus nachhaltiger Landwirtschaft beziehen

Auf einer Schulnoten-Skala von 1 bis 6 - wie gut setzen Sie diese Ziele schon um?

Unser Nachhaltigkeitsplan umfasst 50 Ziele. Wir liegen bei fast allen Zielen „im Plan“, sind uns aber bewusst, dass die größten Herausforderungen noch vor uns liegen.

Hervorzuheben sind unsere Fortschritte im Bereich nachhaltige Landwirtschaft, wo bereits 36 Prozent aller von uns eingesetzten landwirtschaftlichen Rohwaren aus nachhaltigem Anbau stammen. In der Produktion haben wir seit 2008 31,5 Prozent CO2 pro produzierte Tonne eingespart.

Wir haben uns auch zum Ziel gesetzt, die Umweltauswirkungen, die beim Gebrauch unserer Produkte anfallen, also beim Konsumenten, zu reduzieren. Das ist eine der größten Herausforderungen in unserem Plan - bei der wir noch nicht im Ziel liegen.

Auf welches Projekt in dem Feld sind Sie stolz?

Stolz macht mich, welchen positiven Einfluss wir als Unternehmen ausüben, seitdem wir Nachhaltigkeit als integralen Bestandteil unsrer Geschäftsstrategie implementiert haben. Ich möchte Ihnen dieses anhand eines Beispiels verdeutlichen. Vor gut einem Jahr hatte ich die Möglichkeit, mir in Bangladesch ein Bild davon zu machen, wie unser Engagement vor Ort das Leben der Menschen nachhaltig verbessert hat: So haben wir dort Trinkwasserbrunnen gebaut.

In Kooperation mit dem World Food Programme und unserem Partner Rewe haben wir seit 2009 mehr als sechs Millionen Schulmahlzeiten finanziert. Wir haben auch ein Vertriebssystem eingeführt, das im Wesentlichen Frauen aus ländlichen Regionen betreiben und ihnen so Arbeit und ein geregeltes Einkommen verschafft. Das Schöne ist: Gleichzeitig steigert dies auch unseren Umsatz im ländlichen Bangladesch, also in den Regionen mit diesem Vertriebssystem, um 85 Prozent.

Wie stellen Sie überhaupt fest, wie nachhaltig ihr Unternehmen ist?

Wir messen weltweit quartalsweise die Fortschritte, die wir bei jedem der gut 50 Nachhaltigkeitsziele machen, anhand eines umfangreichen Controlling-Systems. Die jährlichen Fortschritte werden von unabhängiger Seite überprüft und im Rahmen unseres Progress Reports veröffentlicht.

“Go green to get gold” - wie viel Geld spart Ihr Unternehmen, indem es nachhaltiger arbeitet?

Wir haben im Zeitraum 2008 bis 2012 weltweit allein durch umweltgerechtere Produktion 300 Millionen Euro eingespart – unter anderem durch Einsparung von Energie, Wasser und Abfällen.

Wichtiger aber ist: Wir sehen, dass die Marken, bei denen Nachhaltigkeit zum Markenkern gehört, besonders starke Wachstumsraten zeigen. Das heißt, Nachhaltigkeit zahlt sich von uns in doppelter Hinsicht aus: Durch realisierte Einsparungen, insbesondere im Bereich der Umweltauswirkungen. Andererseits dadurch, dass Nachhaltigkeit ein Wachstumstreiber ist.

Wo sehen Sie ein Geschäftsmodell für Nachhaltigkeit, das über kurzfristige Kostenersparnisse hinausgeht?

Langfristig gibt es meiner Meinung nach kein Geschäftsmodell ohne Nachhaltigkeit: Unternehmen haben langfristig nur dann Erfolg, wenn sie in der Lage sind, die externen Herausforderungen, wie Klimawandel, Bevölkerungswachstum oder soziales Ungleichgewicht, anzunehmen und darauf mit neuen Wirtschaftsmodellen zu antworten.

Wir glauben, dass Wachstum und Nachhaltigkeit sich einander nicht ausschließen. Tatsächlich zeigt unsere Erfahrung, dass Nachhaltigkeit ein Wachstumstreiber ist. Zudem kann durch nachhaltige Beschaffung die Rohstoffversorgung gesichert werden. Und es ergeben sich hervorragende Möglichkeiten für Innovationen, sobald Produktentwicklung aus der Nachhaltigkeitsperspektive betrachtet wird.

Was tun sie, um Lieferketten nachhaltig zu gestalten?

Wie schon beschrieben, wollen wir sämtliche landwirtschaftlichen Rohwaren bis 2020 aus nachhaltigem Anbau beziehen. Ende 2012 haben wir dieses Ziel bei 36 Prozent unserer Rohwaren erreicht. Hierfür arbeiten wir eng mit unseren Lieferanten zusammen. Zum Beispiel unterstützen wir unsere Gemüselieferanten bei komplexen nachhaltigen Landwirtschaftsprojekten, die sie alleine nicht auf die Beine stellen könnten. In Entwicklungs- und Schwellenländern haben wir uns zum Ziel gesetzt, 500.000 Kleinbauern in unsere Lieferkette zu integrieren und ihre Anbaupraktiken durch Training, Beratung und finanzielle Unterstützung nachhaltiger zu gestalten.

Zudem wollen wir die Umweltauswirkungen entlang der Wertschöpfungskette halbieren. Hierfür arbeiten wir eng mit Lieferanten, aber auch mit Handelspartnern (z.B. bei der Reduktion von CO2 entlang der Lieferkette) zusammen. Wir optimieren unser Distributionsnetzwerk und unsere Palettenauslastung und verlagern einen zunehmenden Anteil unserer Logistik auf die Bahn.

Was ist das größte Hindernis für die Umsetzung von Nachhaltigkeit?

Die größte Herausforderung sehe ich darin, auch bei unseren Konsumenten dieselbe Begeisterung für Nachhaltigkeit zu wecken wie bei unseren Mitarbeitern. Das ist mir enorm wichtig, immerhin fallen knapp 70 Prozent der Umweltbelastungen unserer Produkte beim Gebrauch an.

Koppelt Ihr Unternehmen das Gehalt der Führungskräfte an das Erreichen grüner Ziele?

Ja, wir verknüpfen die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen mit Bonuszahlungen für eine wachsende Zahl von Führungskräften.

Was tun Sie persönlich, um nachhaltiger zu leben?

Es gibt viele kleine Dinge, die ich im Alltag berücksichtige – ich nutze Car-Sharing, fahre nach Möglichkeit mit der Bahn, habe meine Heizung umweltgerechter umbauen lassen – und das Interessante daran ist, dass ich merke, dass nicht nur diese Kleinigkeiten zusammen eine große Wirkung haben. Sondern dass ich auch noch Geld dabei spare.

Bisher haben in der WiWo-Green-Serie zum Thema Nachhaltigkeit geantwortet: 

1. Alexander von Aufschnaiter, H&M

2. Uwe Bergmann, Henkel

3. Ulf Wenzig, Ikea

4. Erich Harsch, dm-Drogeriemarktkette

5. Dorle Bahr, Beiersdorf

6. Daniel Schmid, SAP

7. Julia Bauer, Vaude

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