Nachgefragt: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Vaude, Frau Bauer?

Nachgefragt: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Vaude, Frau Bauer?

von Felix Ehrenfried

Was bewegt die deutschen Nachhaltigkeitsmanager? Heute antwortet Julia Bauer von Vaude.

In regelmäßigen Abständen befragt WiWo Green die wichtigsten Nachhaltigkeitsmanager der deutschen Wirtschaft zu ihren Zielen. Den heutigen Fragebogen hat Julia Bauer ausgefüllt. Sie ist beim Outdoorausrüster Vaude für das Thema Nachhaltigkeitskommunikation zuständig. Das Familienunternehmen mit Sitz am Bodensee tritt für einen "verantwortungsvollen Umgang mit Mensch und Natur" ein, wie es im Unternehmensbild heißt.

Bitte formulieren Sie in einem Tweet von 140 Zeichen, was Nachhaltigkeit für Ihr Unternehmen bedeutet.

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Für Vaude bedeutet Nachhaltigkeit Verantwortung für Mensch und Natur zu übernehmen.

Wie viele Mitarbeiter kümmern sich um das Thema - oder sind Sie Einzelkämpfer?

Nachhaltigkeit ist bei Vaude ein übergeordnetes Ziel und spiegelt sich in allen Abteilungen wieder. So besteht das Vaude CSR-Team aus den Unternehmensbereichen Umweltmanagement, Qualitätsmanagement, Materialentwicklung, Produktion, Unternehmensentwicklung & Reporting sowie Kommunikation. Jedes Team-Mitglied wirkt als Nachhaltigkeits-Botschafter in seinem Arbeitsbereich.  So wird nicht nur der Nachhaltigkeitsgedanke in allen Abteilungen verankert, das CSR-Team ist auch für jeden gut erreichbar.

Nennen Sie kurz die drei wichtigsten Nachhaltigkeitsziele Ihres Unternehmens!

Vaude hat das Ziel, bis 2015 Europas nachhaltigster Outdoor-Ausrüster zu werden – und zwar nicht nur gefühlt, sondern objektiv und messbar. Diese Vision beinhaltet eine ganze Reihe von Teilzielen sowohl am Produkt selbst als auch am Unternehmensstandort und in der Strategie. Diese verfolgen wir mit sehr viel Ehrgeiz und Freude.

Auf einer Schulnoten-Skala von 1 bis 6 - wie gut setzen Sie diese Ziele schon um?

Wir nehmen das Thema Nachhaltigkeit sehr ernst – das spiegelt sich zum Beispiel auch auf unserer Website wieder: Die Bereiche Produkte und Verantwortung sind gleichbedeutend platziert. Was unsere Zielerreichung angeht, so sind wir dank geballtem Engagement auf einem sehr guten Weg. Dennoch kann man in diesem Bereich natürlich nie genug tun. Daher gebe ich uns eine 2.

Auf welches Projekt in dem Feld sind Sie stolz?

Das ist schwer zu sagen, denn jedes noch so kleine CSR-Projekt bringt auf seine Art die Themenkomplexe Wirtschaftlichkeit, Umwelt und Soziales  in Einklang und macht uns natürlich stolz. Persönlich freue ich mich sehr, dass wir dieses Jahr anhand eines in China gedrehten Videos Einblick in unsere internationale Wertschöpfungskette geben konnten. Darin zeigen wir, wie wir uns gemeinsam mit der Fairwear Foundation für faire Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie einsetzen und sprechen ganz offen über die Gründe, einen Großteil unserer Produkte  in Asien zu produzieren.

Wie stellen Sie überhaupt fest, wie nachhaltig ihr Unternehmen ist?

Wir nehmen das gesamte Unternehmen sowie unsere Produkte genau unter die  Lupe, arbeiten mit den strengsten Third Parties der Branche zusammen  und lassen uns in allen Bereichen von unabhängigen Experten prüfen. So ist Vaude beispielsweise seit 2008 als erstes europäisches Outdoor-Unternehmen EMAS- und ISO-14001-zertifiziert und Mitglied der Fairwear Foundation sowie bluesign Systempartner. Zudem arbeiten wir derzeit an einer Bilanzierung nach der Global Reporting Initiative. Das gibt uns die Sicherheit, auf dem richtigen Weg zu sein.

“Go green to get gold” - wie viel Geld spart Ihr Unternehmen, indem es nachhaltiger arbeitet?

Als Bergsportausrüster wissen wir, was es in der Natur zu wahren gilt und übernehmen freiwillig Verantwortung für Mensch und Umwelt. Daher stellt sich die Frage der Kostenersparnis an dieser Stelle gar nicht. Im Gegenteil: Manchmal ist Nachhaltigkeit auch mit einem hohen Planungs- und Kostenaufwand verbunden: Zum Beispiel wenn es darum geht, neue schadstoffarme Materialien zu entwickeln.

Wo sehen Sie ein Geschäftsmodell für Nachhaltigkeit, das über kurzfristige Kostenersparnisse hinausgeht?

Ein interessantes Beispiel ist an dieser Stelle die Klimaneutralität unseres Standortes und aller dort hergestellten Produkte: Nach fünf Jahren Umweltmanagement ist unsere Datenbasis so umfassend, dass wir die gesamten in Obereisenbach anfallenden Treibhausgas-Emissionen um 23 Prozent senken konnten. Alle übrigen werden an einem anderen Ort durch Projekte ausgeglichen, die Emissionen reduzieren. Die Bilanz ist damit neutral.

Konkret unterstützen wir hierfür ein myclimate Gold Standard Projekt in China, das zur Reduzierung von klimaschädlichen Emissionen beiträgt, indem  traditionelle Kohleherde in ländlichen Haushalten durch saubere Gas-Herde ersetzt werden, die mit Biomasse betrieben werden.

Was tun sie, um Lieferketten nachhaltig zu gestalten?

An dieser Stelle hilft uns unsere ganzheitliche Nachhaltigkeits-Strategie: Sie umfasst unter anderem den Einsatz grüner  Materialien, eine saubere Produktion, die Verwendung erneuerbarer Energien,  sowie ökologisch und sozial verantwortungsbewusstes Arbeiten in Vertrieb, Marketing und Logistik und die Zusammenarbeit mit ökologischen Partnern und Netzwerken.

Für alle erlebbar sind unsere dadurch entstandenen Green Shape Produkte - die Vaude Garantie für umweltfreundliche Produkte aus nachhaltigen Materialien und ressourcenschonender Herstellung.

Was ist das größte Hindernis für die Umsetzung von Nachhaltigkeit?

Es gibt für uns nicht das eine große Hindernis – zum Glück! Langfristig nachhaltig zu sein bedeutet allerdings auch, stark zukunftsorientiert zu wirtschaften, was einen hohen Planungsaufwand voraussetzt:  Es ist sicherlich einfacher und oftmals auch kostengünstiger, in bewährte Fußstapfen zu treten, als selbst voranzugehen. Aber längst nicht so befriedigend.

Koppelt Ihr Unternehmen das Gehalt der Führungskräfte an das Erreichen grüner Ziele?Das Gehalt nicht, Boni allerdings schon: Jeder Mitarbeiter hat bei Vaude zwei Bonus-relevante persönliche Ziele - da ist meist ein grünes beziehungsweise nachhaltiges Ziel dabei. Das kann zum Beispiel sein, ein Konzept für Green Financing zu entwickeln. Da unsere CSR Ziele innerhalb der Unternehmensziele ausformuliert sind, sind sie allerdings nicht als "zustzliche Kür" zu sehen, sondern als gleichwertiges Themenfeld zu allen anderen Zielbausteinen.

Was tun Sie persönlich, um nachhaltiger zu leben?

Ich habe mir diesen Sommer ein eBike zugelegt, mit dem ich bei gutem Wetter zur Arbeit fahre. Das macht nicht nur Spaß und ist gesund, sondern spart auch Emissionen und passt damit in das Mobilitätskonzept von Vaude.

Bisher haben in der WiWo-Green-Serie zum Thema Nachhaltigkeit geantwortet: 

1. Alexander von Aufschnaiter, H&M

2. Uwe Bergmann, Henkel

3. Ulf Wenzig, Ikea

4. Erich Harsch, dm-Drogeriemarktkette

5. Dorle Bahr, Beiersdorf

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