Nachgefragt: Was bedeutet Nachhaltigkeit für VW, Herr Thomas?

Nachgefragt: Was bedeutet Nachhaltigkeit für VW, Herr Thomas?

von Peter Vollmer

Was bewegt die deutschen Nachhaltigkeitsmanager? Heute antwortet Wolfram Thomas von VW.

In regelmäßigen Abständen befragt WiWo Green die wichtigsten Nachhaltigkeitsmanager der deutschen Wirtschaft zu ihren Zielen. Den heutigen Fragebogen hat Wolfram Thomas ausgefüllt. Bei VW ist er Beauftragter für Umwelt, Energie und neue Geschäftsfelder. Die Volkswagen AG ist der größte Automobilhersteller Europas, Thomas arbeitet dort seit den 80er-Jahren in unterschiedlichen Funktionen.Herr Thomas, bitte formulieren Sie in einem Tweet von 140 Zeichen, was ökologische Nachhaltigkeit für Ihr Unternehmen bedeutet.Nachhaltigkeit heißt für uns: Zukunftsfähigkeit und Lebensqualität. Wir übernehmen mit innovativen und effizienten Produkten Verantwortung.

Wie viele Mitarbeiter kümmern sich um das Thema – oder sind Sie Einzelkämpfer?Wir sind ein starkes Team, das den Umweltgedanken ins gesamte Unternehmen trägt. Wir haben das Thema Umweltschutz quer durch Organisationsebenen, Entscheidungsprozesse, Standorte sowie Marken, Bereiche und Tochtergesellschaften verankert. Damit stellen wir sicher, dass entlang der automobilen Wertschöpfungskette alle involviert werden und viele ihren Beitrag leisten. Oberstes Gremium ist der Konzernvorstand in seiner Funktion als so genanntes Nachhaltigkeitsboard.

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Nennen Sie bitte die drei wichtigsten Nachhaltigkeitsziele Ihres Unternehmens.Volkswagen will das nachhaltigste Automobilunternehmen der Welt sein. Um in ökologischer Hinsicht der führende Automobilhersteller zu werden, setzen wir eine Umweltstrategie um, die folgende Zielfelder hat: 1) Führend bei umweltfreundlichen Produkten. 2) Top in Ressourcenschonung über Lebenszyklus. 3) Durchgängige Verankerung im Unternehmen. 4) Top in intelligenter Mobilität.

Auf einer Schulnoten-Skala von 1 bis 6 – wie gut setzen Sie diese Ziele schon um?Insgesamt würde ich uns eine „2“ geben – wir belegen Top-Platzierungen in renommierten Rankings. Volkswagen war der erste Automobilhersteller, der sich zum EU-Grenzwert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer bekannt hat. Wir sind gut unterwegs: Im letzten Jahr lag der Durchschnittswert der Fahrzeugflotte bei rund 126 Gramm. Und wir haben heute schon 57 Modellvarianten im Programm, die unter 95 Gramm CO2 pro Kilometer liegen. Bei den angestrebten 25 Prozent Umweltentlastung in unseren Werken bis 2018 haben wir bereits 19 Prozent erreicht.

Auf welches Projekt in dem Feld sind Sie stolz?Der ökologische Umbau eines Konzerns mit zwölf Marken und 119 Standorten auf der ganzen Welt ist ein ambitioniertes Unterfangen. Wir sind überzeugt, dass wir den gründlichsten Ansatz gewählt haben, indem wir alle entscheidenden Stellen miteinander vernetzt und die besten Ideen für mehr Nachhaltigkeit transparent und greifbar gemacht haben. Jetzt können alle von allen lernen und alle von allen profitieren.

Wie stellen Sie überhaupt fest, wie nachhaltig Ihr Unternehmen ist?Nachhaltigkeit ist heute kein „Nice-to-have“. Nachhaltigkeit ist ein echter Werttreiber für unser Geschäft. Wir sagen daher ganz klar: Nur was messbar ist, ist gut. Deshalb haben wir uns selber anspruchsvolle Ziele gesetzt, überprüfen regelmäßig den Fortschritt anhand verschiedener Leistungskennzahlen und steuern gegen, wenn wir merken, dass es nicht vorangeht. Wir können aber nicht nur unser eigener Schiedsrichter sein, sondern schauen natürlich auch, wie wir extern von Ratingagenturen bewertet werden.

„Go Green to get gold“ – wie viel Geld spart Ihr Unternehmen, indem es nachhaltiger arbeitet?Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif, darf aber auch nicht als reiner Kostenaufwand verstanden werden. Mit Umweltschutz, wie wir ihn verstehen, sind immer Innovationen und Produktionsfortschritte verbunden. Wir bauen so unsere Technologieführerschaft weiter aus. Der Konzern investiert in den kommenden fünf Jahren insgesamt 85,6 Milliarden Euro, davon rund zwei Drittel in immer effizientere Fahrzeuge, Antriebe und umweltschonendere Produktion. Diese Investitionen rechnen sich.

Wo sehen Sie ein Geschäftsmodell für Nachhaltigkeit, das über kurzfristige Kostenersparnisse hinausgeht?Es ist heute die Grundanforderung von Flottenkunden, Finanzinvestoren, Umweltverbänden und Politik, dass ökologische Nachhaltigkeit ein integraler Bestandteil des Geschäftsmodells ist. Wir prüfen alle Maßnahmen auf Wirtschaftlichkeit und wir haben die nachhaltige Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit im Auge.

Was tun Sie, um Lieferketten nachhaltig zu gestalten?Wir bauen das Konzept „Nachhaltigkeit in den Lieferantenbeziehungen“ mit allen Marken weiter aus. Unsere Anforderungen sind Vertragsbestandteil bei der Beschaffung aller Waren und Dienstleistungen weltweit. Alle Lieferanten sind verpflichtet, diese Anforderungen an ihre Zulieferer weiterzugeben. Bei Nichteinhaltung wird die Geschäftsbeziehung beendet. 87 Prozent unserer Hauptlieferanten haben ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem. Bisher haben rund 14.500 Lieferanten unser E-Learning-Modul Nachhaltigkeit mit dem Abschlusstest absolviert – das entspricht 71 Prozent Umsatzabdeckung. Gleichzeitig haben rund 15.400 Lieferanten unseren Fragebogen Nachhaltigkeit beantwortet. Das entspricht 87 Prozent Umsatzabdeckung.

Was ist das größte Hindernis für die Umsetzung von Nachhaltigkeit?Die Komplexität des Themas. Zum Teil auch die Dynamik, die daraus entsteht, dass die Ansprüche der Stakeholder und der Ratingagenturen beständig steigen und sich gelegentlich auch mal ändern. Wir nennen das „moving targets“. Eine weitere Herausforderung ist die durchgängige Verankerung des Themas in einem großen Unternehmen mit zwölf starken Marken.

Koppelt Ihr Unternehmen das Gehalt von Führungskräften an das Erreichen grüner Ziele?Ja, wir haben bereits große Schritte in diese Richtung getan. In der Produktion bestehen beispielsweise Zielvereinbarungen, die dazu anhalten, ökologische Nachhaltigkeit in den Fabriken messbar voranzutreiben.

Was tun Sie persönlich, um nachhaltiger zu leben?Wir sprechen im Familienkreis viel über diese Themen. Mir ist der sorgsame Umgang mit Wasser sehr wichtig – zum Beispiel beim Duschen, Abwaschen oder Garten wässern. Außerdem achte ich darauf, dass Früchte und Gemüse der Jahreszeit entsprechend gekauft werden und aus lokalem Anbau stammen.

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Bisher haben in der WiWo-Green-Serie “Nachgefragt” geantwortet:

1. Alexander von Aufschnaiter, H&M

2. Uwe Bergmann, Henkel

3. Ulf Wenzig, Ikea

4. Erich Harsch, dm-Drogeriemarktkette

5. Dorle Bahr, Beiersdorf

6. Daniel Schmid, SAP

7. Julia Bauer, Vaude

8. Ulrich von Deessen, BASF

9. Merlin Koene, Unilever

10. Uwe Kleinert, Coca-Cola

11. Michael Hermanns, Generali

12. Birgit Klesper, Telekom

13. Barbara Blohberger, Mondelez

14. Johannes Merck, Otto Group

15. Detlef Herb, Kyocera

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