Nachhaltige Hochschulen: Studieren in der Fair-Trade-Uni

Nachhaltige Hochschulen: Studieren in der Fair-Trade-Uni

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Ein Entwurf des neuen Nullenergie-Zentralgebäudes der Lüneburger Leuphana Universität.

von Angela Schmid

Wie gestaltet man einen fairen Campus? Der Verein hinter dem Fairtrade-Siegel probiert das derzeit mit sieben Hochschulen aus.

Hochschulen gelten als besonders fortschrittlich, und so ist es keine Überraschung, dass das Thema Nachhaltigkeit dort immer mehr in den Alltag einzieht. Nun gibt es sogar erste Fair-Trade-Unis. Eine davon: Die private EBC Hochschule in Hamburg.

Aus den Automaten können die Studenten nur fairen Kaffee und Schokoriegel ziehen, Studien und Bachelorarbeiten behandeln gezielt nachhaltige Themen und ein Forschungscluster "Corporate Social Responsibility (CSR) und Nachhaltigkeit" gibt es nun auch: "Das Thema Nachhaltigkeit ist in der Hochschule sehr positiv aufgenommen worden. Wichtig ist aber, dass dies gelebt wird", erklärt Professorin Nicole Fabisch, die die Steuerungsgruppe an der Uni leitet.

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Fair Trade ist ein unverzichtbarer Bestandteil von Nachhaltigkeit. Die bewusste Auseinandersetzung mit der Herkunft von Produkten ist auch Fabisch wichtig. Deshalb setzte sie sich auch dafür ein, dass die EBC als erste private Hochschule Deutschlands den Titel "Fairtrade-University" erhielt.

Das bekannte Fairtrade-Logo. Quelle: dpa

Das bekannte Fairtrade-Logo.

Bild: dpa

Seit 2014 wird der Titel vom Verein TransFair an Hochschulen vergeben, die an ihrem Campus das Bewusstsein für fairen Handel schaffen und in konkreten Projekten aktiv werden. Der Verein hat seitdem sieben Hochschulen ausgezeichnet. Wenn das Konzept bekannter werde, gebe es aber auch mehr Bewerbungen, ist Edith Gmeiner vom Verein TransFair überzeugt. Die NGO setzt sich für fairen Handel ein, verteilt etwa das bekannte Fairtrade-Siegel.

Erst faire Städte, nun faire Hochschulen

Die Auszeichnung als "Fairtrade-University" ist der Nachfolger von "Fairtrade Towns". Bereits seit 2009 werden damit Kommunen ausgezeichnet, die sich für den fairen Handel einsetzen. Auch dies lief anfangs schleppend. Mittlerweile sind 419 Städte dabei - Tendenz steigend. "Es ist ein Domino-Effekt", erklärt Edith Gmeiner. Es folgte die Auszeichnung von Schulen, um jungen Menschen den Gedanken an einem bewussten Umgang mit Produkten des Alltags zu vermitteln.

Eine der ersten Hochschulen in Deutschland, die den Titel erhielt, war die Leuphana Universität Lüneburg. "Sie stellt eine wertvolle Ergänzung unserer zahlreichen Initiativen und Anstrengungen in Sachen Nachhaltigkeit dar", so Universitäts-Präsident Sascha Spoun.

Der klimaneutrale Campus, die Umstellung der Energieversorgung auf Ökostrom, der CO2-neutrale Versand von Briefen haben die Leuphana Universität zu einer der klimafreundlichsten in Deutschland gemacht. Als erste Universität wurde eine eigene Fakultät Nachhaltigkeit eingerichtet, die über 29 Professuren in sieben Forschungsinstituten verfügt.

Studenten als Botschafter

Die Nachhaltigkeitswissenschaften sind aus Sicht von Spoun eines der wichtigsten Handlungsfelder zur Entwicklung einer Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts, in der wissenschaftliche Erkenntnisse, ethische Maßstäbe und praktisches Handeln im Einklang mit einer nachhaltigen Entwicklung stehen.

Dass sich bereits Studenten im ersten Semester umfassend mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen, ist ebenfalls einzigartig in der deutschen Hochschullandschaft. Bei den jungen Frauen und Männern kommt das an: Sie legten auf dem Campus einen Gemüsegarten an, betreiben eine Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt, Repaircafés und bieten Tauschmöglichkeiten für Kleider und Bücher an.

Auch beim Fair Trade ist die Kreativität groß. Mit „Lünebohne“ haben sie fair gehandelten Kaffee, Espresso und Kakao für Lüneburg auf den Markt gebracht. Und die studentische Gründung mela wear vertreibt 100 Prozent Fairtrade- und bio­zertifizierte Kleidung sowie den nach eigenen Angaben weltweit ersten Fairtrade-Rucksack. "Die Nachhaltigkeit ist inzwischen zu einem Charaktermerkmal unserer Universität geworden", so Pressesprecher Henning Zühlsdorff.

Auch kleine Hochschulen achten auf Nachhaltigkeit

Auch die deutlich kleinere Fachhochschule Westküste (FHW) in Heide hat das Zukunftsthema aber längst in die Lehre aufgenommen. "Nachhaltigkeit bedeutet für uns als Hochschule, mit unseren Kompetenzen Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen und das Bewusstsein junger Menschen für das Thema zu fördern", erklärt Sprecher Carsten Friede. Nachhaltigkeit sei ein Schwerpunkt in Studiengängen wie "Green Energy" oder "Umweltgerechte Gebäudesystemtechnik".

Ergänzt werde dies durch Projekte wie der Ausbildung zum Nachhaltigkeits- und EE-Scout in der Region, erklärt Friede, der die Bewerbung für den Titel Fairtrade-University vorantreibt. Für ihn ein weiterer Baustein, um die Hochschule bestmöglich nachhaltig auszurichten. "Mit dem Siegel möchten wir sichtbar für fairen Handel, faire Arbeitsbedingungen und umweltgerechte Verfahren einstehen."

"Sowohl Professoren als auch Studierende nehmen das Thema positiv auf und sind immer wieder stark interessiert, da sie sich mehr oder weniger darüber bewusst sind in einer globalisierten Welt zu leben und Teil weltweiter Ausbeutungsmechanismen zu sein", erklärt Bauke von Rechenberg von der Fairtrade University Rostock, die mit der Uni des Saarlandes einer der ersten war, die den Titel verliehen bekam.

Zufrieden ist Bauke von Rechenberg aber noch nicht. In Zukunft solle die Lehre noch stärker einbezogen werden, um dem forschenden Ansprüchen einer Fairen Universität gerecht zu werden. Auch die universitäre Verwaltung soll darauf hin geprüft werden, wo Produkte aus fairem Handel in den Alltag einbezogen werden können. Dies, so Bauke von Rechenberg, sei ein Prozess und eine step-by-step-Entwicklung.

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