Nachhaltigkeits-Manager: Nur Teamwork führt zum Erfolg

Nachhaltigkeits-Manager: Nur Teamwork führt zum Erfolg

von Iris Pufé

Wer Unternehmen sozialer und ökologischer machen will, braucht Unterstützung – vom Vorstand und den Mitarbeitern.

Von Iris Pufé. Die Unternehmensberaterin für Nachhaltigkeit lehrt Corporate Social Responsibility (CSR) unter anderem an der Hochschule München. Sie hat mehrere Bücher zum Thema Nachhaltigkeit verfasst. Iris Pufé schreibt in ihrer Kolumne bei WiWo Green regelmäßig über CSR und die wirtschaftlichen Aspekte der Nachhaltigkeit. Heute: Warum CSR-Manager ein gutes Team brauchen.

Der Nachhaltigkeitsbeauftragte ist die Galionsfigur eines Unternehmens, wenn es um gesellschaftliche Verantwortung geht. Doch wie im Fußball ein Torschützenkönig noch keine Meisterschaft bedeutet, braucht auch der Nachhaltigkeitsmanager Unterstützung durch ein starkes Team – einschließlich der Führungsebene.

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Nachhaltigkeit braucht EinflussUnterstützung durch die Führungsebene zeigt sich schon darin, mit welchen Kompetenzen der Nachhaltigkeitsbeauftragte im Unternehmen ausgestattet ist. Im besten Fall ist er mehr als nur ein Botschafter der Führungsspitze, der durch die verschiedenen Abteilungen tourt, um für gute Stimmung für den grünen Wandel zu sorgen.

Ausgerüstet mit echter Entscheidungsmacht kann der Manager definierte Projekte engagiert vorantreiben und seinen guten Worten, die seine Vermittler- und Informantenrolle verlangen,  auch Taten folgen lassen. Der Fisch stinkt – oder aber duftet – vom Kopf her.

Ein weiterer Vorteil von echten Entscheidungsvollmachten ist, dass auch Ideen und Projekte, die innerhalb von Mitarbeitern ersonnen werden, schnell und unkompliziert umgesetzt werden können. Sind die Mitarbeiter einer Firma vom Nachhaltigkeitsengagement ihres Arbeitgebers überzeugt, so tragen sie dies von ganz allein nach draußen.

Das Startkapital oder die Anfangsinvestition des Nachhaltigkeitsmanagers ist also die Unternehmenskultur. Sie bietet den Nährboden für eine erfolgreiche Nachhaltigkeitsstrategie. Sie ist ein weicher Faktor mit harten Konsequenzen. Fehlt dieses Fundament, können die Bemühungen einer Firma niemals glaubwürdig und authentisch sein.

CSR-Bilanz schafft TransparenzBesonders wenn der Manager von außen ins Unternehmen kommt, hat er eine Sisyphosaufgabe vor sich. Denn nur die Spitze des Eisbergs Unternehmenskultur wie die Arbeitsstrukturen ist von außen überhaupt sichtbar. Demgegenüber spielen sich 90 Prozent unterhalb der Oberfläche ab.

Ausreichend Transparenz hilft an dieser Stelle die internen wie auch externe Stakeholder zu überzeugen. Diese kann durch die über Jahre entwickelten Reporting Tools wie das Sustainability Balanced Scoreboard erreicht werden. In diesem Tool werden nicht nur die wirtschaftlichen Leistungsparameter des Unternehmens, sondern auch Aspekte wie Mitarbeiter- oder Kundenzufriedenheit abgebildet.

Allgemein erlauben Reportingtools die vorhandenen, zumeist diffusen Daten in klare, messbare Einheiten, Größen und Ratios umzuwandeln. Damit kann sowohl das gestiegene Informationsbedürfnis der verschiedenen Interessengruppen, als auch die Zahlenliebe des Controllers zufriedengestellt werden.

Nachhaltigkeitsreportings in den verschiedenen Formen gibt es seit 1990. Seither leisten sie gute Dienste um interne und externe Diskussionen hinsichtlich der Nachhaltigkeitsperformance eines Unternehmens anzustoßen, sachlich zu halten und eine nachhaltige Entwicklung voranzubringen.

Nachhaltigkeit ist mehr als UmweltschutzZiel eines Unternehmens und ihres Umweltmanagers sollte es sein, dass nicht nur wirtschaftliche Mindestziele (Bottom Line) erreicht werden, sondern ebenso soziale und ökologische. Wir erinnern uns: Eine nachhaltigkeitsorientierte Unternehmensstrategie ist dadurch gekennzeichnet, dass sie sowohl soziale als auch ökologische Aspekte systematisch in die Entscheidungsfindung einbezieht. Je nach Art des Unternehmens und seiner Stärken kann diese Strategie auf

-     Effizienz: mehr an Produkt aus einer bestimmten Menge an Rohstoffen zu generieren

-     Suffizienz: vordefinierte Höchstkapazitäten nicht zu überschreiten

-     oder Konsistenz: die Schließung von Produktionskreisläufen, um Ressourcen wiederzuverwenden

ausgerichtet werden.

Dabei gilt es nicht nur die direkten Aktivitäten eines Unternehmens in Betracht zu ziehen, sondern auch dessen indirekte. Als Querschnittsthema lässt sich Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette implementieren.

Nicht nur kurz die Welt rettenWie eingangs erwähnt, geht es den meisten Unternehmen bei ihrer Nachhaltigkeitsstrategie nicht primär um die Verbesserung der Welt oder das Lösen von Umwelt- und Gesellschaftsproblemen. Das Erwirtschaften eines Gewinns ist das gesteckte Ziel einer jeden wirtschaftlichen Unternehmung. Dass dies allerdings nicht zwangsläufig ein Widerspruch sein muss, zeigen die Beispiele Rapunzel und der Autobauer Toyota.

Die Erfolgsgeschichte von Rapunzel begann mit dem Abfüllen organischen Öls in Litermengen in einem „Eine-Welt“-Laden; heute hat das Unternehmen 450 Produkte im Sortiment und zahlreiche Nachhaltigkeitspreise gewonnen ; unter anderem den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2013 für „eine herausragende Bio-Qualität, faires Handeln mit Partnerproduzenten, die Verbreitung einer vegetarischen Lebensweise und die Wertschätzung für Umwelt, Kunden und Mitarbeiter“.

Aber nicht nur in der Nische lässt sich mit grünen Innovationen Geld verdienen. Auch etablierte Marken wie der Autobauer Toyota profitieren von einer konsequenten auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Unternehmensphilosophie. Seit nunmehr zehn Jahren bewertet das japanische Unternehmen jedes neue Fahrzeugmodell mittels eines Ecological Vehical Assessment Systems.

Wer sich nicht verändert, geht unterIn diesem System wird der ökologische Einfluss eines Fahrzeug von seiner Produktion bis hin zu seiner Entsorgung aufgezeigt. So viel Akkuratesse zahlt sich aus. Der Toyota Prius ist das erfolgreichste Resultat dieses Prozesses. Innerhalb der letzten zehn Jahre konnte im Lebenszyklus des Prius rund ein Drittel an CO2 eingespart werden. So ein Ergebnis kann man dann auch für sympathisch aufbereitete Eigenwerbung verwenden.

Immer mehr Unternehmen haben die Zeichen der Zeit erkannt und sind bereit, sich den zunehmenden gesellschaftlichen Verpflichtungen zu stellen. Dies geht über öffentlichkeitswirksame Spenden an caritative Einrichtungen weit hinaus. Firmen setzen sich aktiv damit auseinander, wie sie von innen heraus umweltfreundlicher werden können und passen ihre Produktionsketten und Produkte einer ökologischeren Welt an. Wichtig dabei ist, dass die Angestellten die Träger des Wandels sind. Ohne ihre Unterstützung bleiben Nachhaltigkeitsstrategien bloße Kosmetik.

Alle Texte von Iris Pufé finden Sie hier.

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