Nemo's Garden: Salat anbauen unter Wasser

Nemo's Garden: Salat anbauen unter Wasser

von Lisa Hegemann

Ein Gewächshaus frisst normalerweise viel Energie. Das Projekt Nemo's Garden will mit seinen Unterwasser-Gärten die Emissionen reduzieren.

Gewächshäuser sind wenig klimafreundlich: Während ein Kilogramm Kopfsalat im Freilandanbau etwa 140 Gramm Kohlenstoffdioxidemissionen verursacht, verbraucht dieselbe Menge in einem Treibhaus etwa 4450 Gramm, mehr als 30 Mal so viel. Doch der Anbau auf dem Feld dient nicht unbedingt als Alternative, denn die Landwirtschaft setzt Pestizide ein, die ins Grundwasser gelangen können.

Beide Probleme will Sergio Gamberini mit einem ungewöhnlichen Ansatz lösen. Mit seinem Projekt „Nemo's Garden“ plant der Hobbytaucher, künftig Gemüse im Meer anzupflanzen. Dadurch will er nicht nur Treibhausgase einsparen und ohne Pestizide auskommen, sondern auch die Landwirtschaft in Länder bringen, deren Böden nicht für den Lebensmittelanbau geeignet sind.

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Ein Treibhaus ganz ohne BewässerungsanlageUnterstützt von der Ocean Reef Group, für die er arbeitet, hat Gamberini seine Idee an der Küste Italiens in der Nähe von Savona umgesetzt. Dafür hat er durchsichtige, nach unten offene, Ballons unter Wasser mit Luft gefüllt und am Meeresboden verankert, etwa fünf bis zehn Meter unter der Meeresoberfläche. Die Ballons fassen ein Volumen von etwa 800 bis 2000 Liter. Auf einer Plattform in der „Biosphäre“, wie der Gründer die Ballons unter Wasser nennt, hat Gamberini Behälter mit Salat- oder auch Basilikum-Samen befestigt. Sie stellen das Gewächshaus mitten im Meer dar.

Anders als seine Pendants an Land braucht das Treibhaus unter Wasser aber keine künstliche Bewässerungsanlage. Ihr Wasser bekommen die Pflanzen in Nemo’s Garden auf ökologischem Wege: Durch das Sonnenlicht, das durch die Ballons auf die Samen scheint, verdunstet das Meerwasser unter der Pflanzen-Plattform und sammelt sich als Dampf oben im Ballon. Die nun salzfreien Tropfen, die dadurch entstehen, dienen den Pflanzen sozusagen als Regen unter Wasser und halten sie feucht.

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Weil der Ozean stabile Temperaturen bietet, bleibt auch die Wärme unter Wasser gleich. Das soll den angebauten Pflanzen den optimalen Lebensraum bieten. Außerdem bleiben die Pflanzen vor Schädlingen geschützt – ganz ohne Pestizide. „Es ist im Prinzip ein ökologisches und autonachhaltiges System“, sagt Sergio Gamberinis Sohn Luca in einem Video.

Um immer zu wissen, wie es den Pflanzen gerade geht, welche Temperatur herrscht und wie sie sich entwickeln, haben sein Vater und er Kameras angebracht, mit denen Interessierte live auf der Webseite verfolgen können, wie die Pflanzen wachsen und gedeihen. Regelmäßig schwimmen zudem Taucher in das Unterwasser-Gewächshaus, um nach den grünen Erzeugnissen im blauen Ozean zu sehen.

Drei Jahre lang haben Sergio und Luca Gamberini an dem Projekt recherchiert. Im August haben sie eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter gestartet, um Nemo's Garden weiterzuentwickeln. Binnen 30 Tagen haben sie mehr als 30.000 Euro eingenommen. Damit wollen sie nun weiter an ihrer Idee forschen, unter anderem mehr Daten sammeln, um herauszufinden, wie viel schneller Pflanzen unter Wasser wachsen können, aber auch welche Größe von Ballons am Besten für das Unterwassergewächshaus geeignet sind.

Gemüseanbau im AquariumDie Gamberinis wollen Nemo's Garden aber nicht nur in landwirtschaftsarme Küstenregionen bringen, sondern auch in die Wohnzimmer: Jedem soll es künftig möglich sein, im Aquarium Basilikum oder Salat anzupflanzen. Mit dem eingesammelten Kapital auf Kickstarter sollen aus den Prototypen sowohl für die eigenen vier Wände als auch für das Meer Industrieprodukte werden.

Mit ihrer Idee beackern die Gamberinis ein Thema, das schon seit längerer Zeit im Fokus grüner Forschungen steht: Die Ideen für den Gemüseanbau im Glashaus reichen vom CO2-neutralen Gewächshaus über ein Treibhaus, das selbst in der Wüste Wasser produziert, bis hin zu einem Exemplar, das mittels Luftbläschen Meerwasser entsalzt und für den Anbau verwendet. Selbst für die Stadt und für den Weltraum haben Forscher und Unternehmen bereits Konzepte entwickelt, um die Versorgung mit frischem Gemüse zu gewährleisten.

Die Gamberinis sind nun die ersten, die das Gewächshaus ins Meer verlegen. Damit lassen sie sich zwar als Vorreiter bezeichnen, allerdings bedeutet das auch: Die langfristigen Auswirkungen ihres Vorhabens lassen sich noch nicht absehen. Auch das müssen die Gamberinis erst noch erforschen.

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