Neuartiger Werkstoff: Startup fertigt Surfbretter aus Pilzen

Neuartiger Werkstoff: Startup fertigt Surfbretter aus Pilzen

von Thiemo Bräutigam

Das US-Unternehmen Ecovative hat Pilze als Baustoff entdeckt. Jetzt stellt es das erste umweltfreundliche Surfbrett aus Myzelen vor.

Als hätten wir es nicht schon immer geahnt: Surfer stehen auf Pilze. Jedenfalls wenn man das neue Produkt 'Mushroom Surfboard' des US-Unternehmens Ecovative wortwörtlich nimmt. Das Unternehmen, das sich auf Produkte aus pflanzlichen Werkstoffen spezialisiert hat, nutzt Pilze als Baustoff.

Um genau zu sein, sind es die Myzele von Pilzen, die zu Surfbrettern werden. Also die fadenförmigen Zellen eines Pilzes. Meist breiten sich diese Myzelen unter der Erde aus.

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Dieses Geflecht, das wie ein riesiges Nervensystem im Boden wurzelt, kann enorme Ausmaße erreichen. Mit einer Ausdehnung von neun Quadratkilometern (das entspricht etwa 1200 Fußballfeldern) schaffte es der Dunkle Hallimasch (lat. Armillaria ostoyae) sogar ins Guiness Buch der Rekorde: Als größtes Lebewesen der Welt.

Ganz so riesig sind die Myzele von Ecovative allerdings nicht. Ihr Material „Myco Foam“, was frei übersetzt Pilzschaum bedeutet, züchten die Designer auf Getreidehülsen und Samen aus landwirtschaftlichen Abfällen.

Am Ende der Produktion steht ein Material, das genauso stabil wie leicht ist und Werkstoffen aus Erdöl echte Konkurrenz bietet. Aus dem Pilzkunststoff können Pappbecher, Verpackungsmaterial oder Thermobehältern werden - oder eben Surfbretter.

Surfbrett wächst in einer FormEcovative setzt damit auf die Kreislaufwirtschaft. Produkte, die erneuerbar und regenerativ sind – auch bekannt unter dem Prinzip Cradle to Cradle. Das Material ist biologisch abbaubar und entsteht auf natürliche Weise. Auf Kunststoffe und Klebemittel verzichtet das Unternehmen gänzlich.

Die Form des Endprodukts lässt sich ebenfalls auf ganz natürliche Weise bilden. Denn der Myco Foam wird in Formteilen gezüchtet. Weder Stanzen noch Pressen sind nötig, um am Ende ein Surfbrett in der Hand zu halten.

Der Pilzschaum fügt sich der vorgegebenen Form und dehnt sich darin optimal aus. Ecovative verspricht seinen Kunden sogar individuelle Anpassungen: Ob das Brett härter oder weicher wird, können die Designer durch die Züchtung beeinflussen.

Noch ein Aspekt wird die ohnehin schon umweltfreundliche Surfergemeinde begeistern: Bekommt ein Surfbrett Schäden oder bricht sogar, ist das bisher schädlich für das marine Ökosystem.

Kunststoffe aus Erdöl bauen sich langsam ab und sind ein zunehmendes Problem für die Ozeane. Ganze Inseln aus Müll schwimmen mittlerweile in den Weltmeeren. Die abbaubaren Mushroom Surfboards sind dagegen unproblematisch - sie zersetzen sich schnell und biologisch.

In nur fünf bis sieben Tagen ist ein solches Pilzprodukt gezüchtet. Das Brett soll am Wochenende auf einer Surfermesse in Kalifornien ausgestellt werden. Dort suchen die Designer auch nach einem Partner für die Serienproduktion. Über den möglichen Preis schweigt sich das Unternehmen noch aus.

Nachtrag: Das Unternehmen Ecovative hat den Buckminister Fuller Preis gewonnen. Die mit 100.000 US Dollar dotierte Auszeichnung wird an Initiativen und Projekte vergeben, die sich mit innovativen Zukunftsstrategien beschäftigen.

Das folgende Video zeigt, wie ein Pilz-Surfbrett entsteht:



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