Neue Studie: Monokulturen verursachen Milliardenschäden

Neue Studie: Monokulturen verursachen Milliardenschäden

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In vielen Ländern werden im Winter zumindest die Tannen-Monokulturen abgeholzt. Andere Baum-Felder hingegen bedrohen die Biodiversität.

von Wolfgang Kempkens

Monokulturen sollen Holzhändlern schnelles Geld bringen - tatsächlich sind sie ein (nicht nur) volkswirtschaftliches Desaster.

Um mit Waldwirtschaft größere Gewinne zu erzielen werden vielerorts Bäume in einer Art gepflanzt, die eher an den großflächigen Anbau von Feldern erinnert. So entstehen allerdings Monokulturen, oft mit schnell wachsenden Bäumen, um ebenso schneller Geld zu verdienen.

Ein Denkfehler, sagt nun ein weltweit vernetztes Wissenschaftlerteam, dem auch Professor Hans Pretzsch vom Lehrstuhl für Waldwachstumskunde der Technischen Universität München (TUM) angehört. Geht der Trend zur Monokultur weiter, entstünden bei einem Baumartenverlust von 99 Prozent jährlich Schäden in Höhe von 166 bis 490 Milliarden US-Dollar.

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Verluste, die mehr als doppelt so hoch sind, wie die weltweiten Aufwendungen zum Erhalt der Biodiversität. Hinzu kommen andere Wertverluste durch Reduktion der Biodiversität sowie der Schutz- und Erholungsfunktionen der Wälder, die noch weit über die verminderte Holzproduktion hinausgehen.

"Die Inventuren und Versuchsflächendaten von über 150 Jahren zeigen, wie die Holzzuwächse parallel zum Rückgang der Artenanzahl zurückgehen", sagt Pretzsch, "und wie sie bei der Umwandlung von Waldmonokulturen hin zu Mischbeständen wieder ansteigen können."

Aufforstungs-Fehler der 50er vermeiden

Gerade in den 50er- und 60er-Jahren hätten die Waldbauern hierzulande verstärkt auf Monokulturen mit nur einer Art wie etwa Fichte oder Kiefer gesetzt. "Davon nehmen wir seit einigen Jahren bewusst wieder Abstand. Inzwischen ist in den Waldbaurichtlinien vieler Länder festgeschrieben, dass sich die Bestände möglichst immer aus zwei oder drei Arten aufbauen sollten."

Die Autoren der Studie haben Daten von mehr als 770.000 Probeflächen aus 44 Ländern ausgewertet. Sie erfassten rund 30 Millionen Bäume mit 8700 Baumarten, von Mangroven über Bäume in tropischen Feuchtwäldern, Mitteleuropa, Tundren und Trockensavannen bis hin zum Bestand in mediterranen Wäldern.

Rodung und der Klimawandel setzen der Hälfte aller Baumarten schwer zu, klagen die Forscher. "Das Fazit unserer Studie ist, dass zum Beispiel bei einem Rückgang der Baumartenanzahl um zehn Prozent die Holzproduktion des Waldes im Mittel um sechs bis sieben Prozent einbricht. Und die Produktivitätsverluste nehmen bei weiteren Artenverlusten exponentiell zu", warnt Pretzsch – bis hin zu einem kompletten Verlust.

Pretschs Team hat einen umfassenden Datensatz von Inventuren und langfristigen Versuchsflächen von Monokulturen und Mischbeständen in Mitteleuropa beigesteuert. Die Ergebnisse der Studie dienen der Intergovernmental Platform on Biodiversity and Ecosystem Services und dem United Nations Convention on Biological Diversity als wichtige quantitative Grundlage für den intelligenten Schutz und die nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern.

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