Neues Monitoringsystem: Unternehmen sehen Stromverbrauch in Echtzeit

Neues Monitoringsystem: Unternehmen sehen Stromverbrauch in Echtzeit

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Der Kasten, der die Stromdaten sammelt, ist ziemlich unscheinbar. (Foto: Enit)

von Angela Schmid

Ein neues Monitoringsystem sammelt Daten von hunderten Stromzählern und zeigt sie in Echtzeit - für viele Unternehmen könnte es zur Stromspar-Hilfe werden.

Die Energiekosten im Mittelstand sind enorm. Strom, Wasser und Gas können bis zu einer Million Euro und mehr im Jahr verschlingen. Investitionen in Energieeffizienz sind daher beliebt. Mehr als 80 Prozent der Mittelständler haben in den vergangenen Jahren laut Untersuchung des Beratungsunternehmens PwC (pdf) entsprechende Maßnahmen ergriffen.

Luft nach oben ist aber noch reichlich vorhanden. Denn bisher haben die Unternehmen kaum Informationen darüber, wann und wie die Energie genau verbraucht wird. Echtzeitdaten und Informationen darüber, welche Anlagen in einem Unternehmen wie viel Strom verbrauchen, gibt es meist nicht. Jedoch lässt sich der Verbrauch nur so steuern.

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Einfach ist die Lösung nicht. Mehrere Jahre haben Hendrik Klosterkemper, Pascal Benoit und Simon Fey daran getüftelt, ein Monitoring- und Steuerungssystem für mittelständische Industriebetriebe zu entwickeln. Der schließlich von ihnen konstruierte ENIT Agent soll den Unternehmen nun aber eine intelligente Steuerung des Stromverbrauchs ermöglichen.

Die Entwicklung war jedoch nicht ganz einfach. Alle Zähler zu erfassen und die Daten in Echtzeit wiederzugeben - "das ist, wie ein großes Blutbild zu entnehmen", erklärt Klosterkemper.

Alte und billige Stromzähler erschweren den Abgleich

Die erste Hürde sind die Zähler. Unterschiedliche Hersteller und unterschiedliche Generationen mit unterschiedlichen Schnittstellen haben den Forschern das Leben schwer gemacht. Viele sind bis zu 20 Jahre alt, manche zudem Billiggeräte aus Russland. Aber sie alle müssen die gleiche Sprache sprechen, damit die Software die Daten erkennen und verarbeiten kann.

Angeschlossen wird der Agent an den Hauptzähler, worüber auch die zahlreichen Unterzähler erkannt werden können. Neben dem Verbrauch werden damit die zunehmenden Erzeugungsanlagen wie ein BHKW oder Fotovoltaik-Module erfasst. "Wir wollen dem Kunden dabei helfen, Daten zu verarbeiten, damit die Energiekosten besser zugeordnet werden und er die Energieeffizienz steigern kann", erklärt Klosterkemper.

Die Hardware erfasst die Energiedaten und bietet ein vollständiges Energiemanagementsystem für Gewerbe und Industriebetriebe, das mit Strom-, Wärme-, Gas- und Wasserzählern kompatibel ist. Die Software liefert eine präzise Auswertung der Energieflüsse, die in ein Energiemanagement-Portal überführt werden und die nötige Transparenz für eine intelligente Steuerung der Energieflüsse ermöglicht. Die Inbetriebnahme des Systems schaffe das Trio mittlerweile an nur einem Tag. In der Branche gleicht das einer Lichtgeschwindigkeit.

Entwickelt haben sie das System im Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme in Freiburg. Allerdings stand für sie fest, dass sie es auch selbst auf den Markt bringen wollten. 2014 gründeten sie dazu ENIT Energy IT Systems, holten noch Kai Klaptor als CFO mit ins Boot und brachten den Agenten im vergangenen Jahr auf den Markt.

Mittlerweile preisgekrönt

Ein System, das in der Fachwelt für Aufmerksamkeit sorgte. Erst vor einigen Wochen erhielten Klosterkemper, Benoit und Fey dafür den dynamo-Preis für besonders innovative Unternehmen. Im vergangenen Jahr bekamen sie den Preis der Stiftung Biomed für Ideenreichtum und kurz darauf wurden sie von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel mit dem Gründerpreis für innovative Unternehmensgründungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien ausgezeichnet.

Unternehmen können bei den Stromkosten zwischen fünf und 20 Prozent einsparen: "Bereits unsere ersten Kunden aus der Lebensmittelindustrie, Metallverarbeitung und dem Erdbau sparen jährlich zwischen 10.000 und 50.000 Euro Stromkosten und können ihre Ressourcen effizienter nutzen", so Klosterkemper. Nur repräsentativ ist das nicht: Bisher haben lediglich gut 60 Kunden den Agenten, der wie ein unscheinbarer grauer Kasten aussieht, gekauft.

Kunden sind zufrieden

Besonders beeindruckt von dem offenen System, das individuelle Problemlösungsansätze und kundenspezifische Softwareprogrammierung ermöglicht, ist Jens Heinz. Heinz ist Leiter der Ingenieurtechnik bei dem Recyclingunternehmen APK. Energie ist bei APK Hauptkostentreiber, ein entsprechendes Energiemanagement hat demnach höchste Priorität.

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"Über das ENIT-System können wir Lastspitzen besser erkennen und abfedern", sagt Heinz. Das sei aber nicht der Hauptgrund der Anschaffung gewesen, sondern vielmehr die modulare Erweiterbarkeit – denn die Anzahl der Zähler soll auf 800 ausgebaut werden, um jede einzelne Anlage im Unternehmen erfassen zu können.

Wichtig war Heinz zudem, dass ENIT unabhängig von allen Herstellern ist und in die jetzige Datenbank des Unternehmens übertragen werden kann. Weil der Agent das Netzwerk nutzt, müssen zudem keine Kabel durch die Hallen gezogen werden. "Bisher waren alle Systeme zu starr", erklärt der Ingenieur. Das Einsparpotential für sein Unternehmen schätzt er auf etwa fünf Prozent – aber "das wäre schon super".

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