Ohne Holz: Kolumbianer baut Möbel aus Plastikmüll und Kaffeeresten

Ohne Holz: Kolumbianer baut Möbel aus Plastikmüll und Kaffeeresten

von Sabrina Keßler

Juan Nicolás Suaréz sammelt Plastik- und Hausmüll ein, um daraus umweltfreundliche Möbel zu bauen - ohne Holz.

Juan Nicolás Suaréz war es leid. Als Wirtschaftsingenieur arbeitete er Jahre lang bei einem großen Unternehmen, das Bier, Wasser und Softdrinks herstellte. Abgefüllt wurden die Getränke branchenüblich in Plastikflaschen. Doch statt recycelte Behälter zu verwenden, nutzte die Firma nur nagelneue Flaschen. Für den Kolumbianer war klar: Hier will er nicht bleiben.

Heute, zwei Jahre später, ist Suaréz Chef seiner eigenen Firma Diseclar. Statt die Umwelt durch sein altes Unternehmen mit Plastikmüll zu verschmutzen, hat er Recycling zu seiner Lebensaufgabe gemacht. Wo andere Abfall und Gerümpel sehen, sieht Suaréz inzwischen nun nur noch eins: Möbel.

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Umweltfreundlicher als konventionelle MöbelDie Rohstoffe der außergewöhnlichen Möbel - abbauresistentes Plastik und Pflanzenfasern – sammelt der Ingenieur auf Mülldeponien und Recyclingstellen. Dort findet er nicht nur wiederverwertbares Plastik, sondern auch agrarindustrielle Abfälle wie Kaffeereste, Reis und Rohrzucker. „Dieser Mix macht unsere Möbel resistent gegen Feuchtigkeit, schützt vor UV-Strahlung und verleiht ihnen einen authentischen Holz-Look“, sagt der Gründer.

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Die schönen Möbel haben einen ernsten Hintergrund. Allein in Kolumbien, Suaréz Herkunftsland, fallen jeden Tag 40.000 Tonnen Müll an, von dem lediglich fünf Prozent recycelt werden. Diseclar will diese Quote erhöhen und dafür jedes Jahr rund 300 Tonnen Plastikmüll und 192 Tonnen agrarindustriellen Abfall wiederverwerten. Wenig im Vergleich zu den Massen, die jeden Tag weggeworfen werden. Doch allein dadurch hilft Suaréz dabei, rund 35.000 Tonnen CO2 einzusparen.

Recycling spart allerdings nicht nur Emissionen, sondern schützt auch vor übermäßiger Abholzung. Suaréz schätzt, dass sein Mix aus Plastik und Bio-Müll rund 2000 Bäumen das Leben rettet – jedes Jahr. Zudem schaffe er 300 indirekte Jobs an Recyclingstellen und 250 weitere unter Kaffeebauern, von denen er seine „Rohstoffe“ in Zukunft beziehen möchte.

Erfolg auch außerhalb des Landes?In Kolumbien sind die Möbel bereits erfolgreich. In seinem Heimatland verkauft er alles, was normalerweise aus Holz besteht: Gartenmöbel, Zäune, Liegen, Carports, Bänke, Vogelhäuschen und sogar „Holzböden“. Ganze Städte ordern inzwischen seine Designs, um die eigenen Grünanlagen ökologisch aufzuwerten.

Um auch international verkaufen zu können, sammelte der Gründer im Sommer rund 100.000 Euro auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo ein. Die USA, Mexiko und Costa Rica seien potentielle neue Märkte, doch bisher fehlten ihm die finanziellen Mittel, begründete er die Kampagne. Die geglückte Finanzierung verhilft ihm nun, die Produktionskapazitäten zu steigern und endlich zu expandieren. Und vielleicht wird es die Möbel dann auch schon bald in Deutschland zu kaufen geben.

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