Onlinehändler Fairnopoly: Das bessere Amazon kommt aus Berlin

Onlinehändler Fairnopoly: Das bessere Amazon kommt aus Berlin

von Matthias Streit

Fairer Onlinehandel - geht das? Ja, sagt ein Startup aus Berlin und will mit Transparenz und guten Arbeitsbedingungen punkten. Doch nicht alles läuft, wie gewünscht.

Streikende Mitarbeiter, vermeintlich schlechte Arbeitsbedingungen und eine fragliche Steuerpolitik. Der Onlineversand-Riese Amazon kommt einfach nicht aus den Negativschlagzeilen. Das schlägt sich auch in der Stimmung der Kunden nieder: Erstmals seit Jahren rutscht der US-Konzern auf den zweiten Rang der beliebtesten deutschen Händler.

Dass Marktplätze im Internet auch anders funktionieren können, möchte das Berliner Startup Fairnopoly beweisen. Mit Transparenz, fairen Arbeitsbedingungen und – ganz neu im Onlineversandhandel – dem Genossenschaftsmodell wollen sie den Markt aufmischen.

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„Uns geht es nicht darum, jemanden mit dem Unternehmen reich zu machen. Wir wollen eine transparente und unabhängige Alternative zu den Großen sein“, sagt Felix Weth, Vorstandsmitglied und Ideengeber von Fairnopoly.

Darum basiert Fairnopoly auf der Genossenschaft. Schon mit 50 Euro kann man sich Anteile sichern, maximal dürfen es 10.000 Euro sein. Die Obergrenze gibt es, damit sich niemand eine Entscheidungshoheit erkauft. Schon jetzt gehört der Internet-Marktplatz mehr als 1.000 Genossen. Dabei ist die Plattform erst im September online gegangen.

Um etwas zu kaufen oder zu verkaufen, muss man aber kein Genosse sein. Es reicht schon, sich als Nutzer anzumelden. Die Verkäufe generieren, ganz ähnlich wie beim Konkurrenten ebay, die Umsätze des Marktplatzes. Anteilig zahlen die Käufer eine Gebühr an Fairnopoly, maximal jedoch 30 Euro – zum Vergleich: Bei ebay liegt das obere Limit bei privaten Verkäufen bei 75 Euro.

Blitzstart verpasst

Immerhin 3.000 Nutzer gibt es bereits, mehr als 15.000 Artikel wurden auf die Seite gestellt. Für den Anfang nicht schlecht, trotzdem nicht genug, findet Weth.

„Es ging ein bisschen langsamer los, als wir uns das vorgestellt haben. Unser Ziel ist es, bis Ende 2014 100.000 Nutzer zu haben, jetzt im Weihnachtsgeschäft sollten es eigentlich 10.000 sein“, sagt er. Um das Geschäft anzukurbeln, muss Fairnopoly bekannter werden. Das sollen aber nicht teure Anzeigen richten, sondern gezieltes Marketing in den Netzwerken von Weth und seinen Kollegen.

Das hält Christin Schmidt vom Bundesverband des Deutschen Versandhandels jedoch nicht für ausreichend: „Mundpropaganda allein funktioniert heute nicht mehr. Die Menschen sind sehr technikaffin und die Wege zu ihnen sehr viel kürzer geworden. Man sensibilisiert diese nur, wenn man auf vielen verschiedenen Kanälen präsent ist.

Dennoch glaubt Schmidt an die Marktnische für Fairnopoly. Die größte Zielgruppe des Anbieters seien Menschen zwischen 30 und 40 Jahren und junge Familien – die umsatzstärksten Zielgruppen unter den Konsumenten. Viele von ihnen legen Wert auf nachhaltige und fair gehandelte Produkte, sind zudem bereit etwas mehr dafür zu bezahlen.

Transparenz schafft SolidaritätGenau da könnte das Startup punkten. Fair und nachhaltig sind zwar nicht alle angebotenen Artikel – auf der Plattform kann alles vom Strickpulli bis zum alten Fernseher angeboten werden. Doch bei Fairnopoly geht es um mehr als die Artikel, es geht vor allem um faires, soziales Unternehmertum.

Da wäre zum einen die Gewinnbeteiligung aller Genossen, zum anderen das Arbeitsverhältnis der Angestellten. Der höchste Lohn eines Angestellten dürfe nie mehr als das Dreifache vom niedrigsten Gehalt betragen, so die Statuten. Konkret heißt das: aktuell bekommt Vorstandsmitglied Weth wie die meisten Angestellten ein sogenanntes „solidarische Einstiegsgehalt“ von 1.700 Euro brutto.

Nachzulesen gibt es all das beim „Open Bank Project“, bei dem sich Fairnopoly vor kurzem ein Profil eingerichtet hat. Dort werden, transparent für alle, sämtliche Kontobewegungen der Genossenschaft veröffentlicht – aber nur soweit, dass der Datenschutz der beteiligten Personen gewahrt wird.

Gleichzeitig erkennt man hier auch, dass Fairnopoly noch ein Startup ist. Was aufs Konto kommt, ist weit von den Größenordnungen der etablierten Rivalen entfernt. Nur selten sticht eine fünfstellige Summe zwischen den 50 und 500 Euro-Beträgen heraus. Die Berliner sind deshalb bemüht, einen stärkeren Wachstumskurs einzuschlagen.

Der Streit um den Name

Helfen soll dabei eine Crowdfunding-Kampagne bei Startnext (den aktuellen Stand zeigt das Bild links). Schließlich hat das schon einmal funktioniert. Damals, Anfang 2013, wurden 210.000 Euro gesammelt, die den Start des Online-Marktplatzes erst ermöglichten.

Jetzt will das Startup nochmal mindestens 125.000 Euro sammeln, im besten Falle bis zu 500.000 Euro. Damit soll die Plattform weiter ausgebaut werden – von einer attraktiveren Darstellung über bessere Integration in sozialen Netzwerken bis hin zum Käuferschutz.

Allerdings ist der Idee vom fairen Marktplatz nicht jeder wohlgesonnen. Vor kurzem schickte eine internationale Rechtsanwaltskanzlei eine Unterlassungserklärung im Namen des Spieleherstellers Hasbro. Grund: Die Wortmarke „Fairnopoly“ verletze die Markenrechte zum Spiel „Monopoly“.

Der Vorstand um Weth wird den Forderung nicht nachkommen. In einer Erklärung auf ihrer Internetseite heißt es: „Was wir im Kern kritisieren, ist die Art des Wirtschaftens, für die dieses Spiel weltweit symbolisch steht. Fairnopoly steht für die Aussage, dass wir nicht länger in einer Welt leben möchten, in der der Großteil der Wirtschaft auf Profit auf Kosten anderer ausgerichtet ist.

Genau deshalb werden sie weitermachen. Um damit nicht zuletzt den großen Rivalen im Onlinehandel zu zeigen, dass es auch anders, dass es fair geht.

Folgen Sie Matthias Streit auf Twitter: @MatthStr

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