Palmöl-Ersatz: Hefekulturen könnten Raubbau an der Natur beenden

Palmöl-Ersatz: Hefekulturen könnten Raubbau an der Natur beenden

von Jonas Gerding

Umweltschützer kritisieren seit langem den massenhaften Einsatz von Palmöl. Britische Forscher haben eine Alternative entwickelt.

Die Europäische Union hat erkannt, dass es so nicht weitergehen kann. Enthält ein Produkt Palmöl, müssen Unternehmen das unmissverständlich auf die Verpackung schreiben. Seit Ende vergangenen Jahres gilt die Vorschrift.

Zuvor konnten Produktgestalter mit vagen Bezeichnungen wie "Pflanzenfett" oder "pflanzlichen Ölen" den wahren Inhalt verschleiern. Mehr Transparenz soll nun kritischen Kunden die Möglichkeit geben, sich gegen Waren mit dem umstrittenen Palmöl zu entscheiden.

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Denn immer mehr Konsumenten sind darüber informiert, wie sehr das knallharte Geschäft mit dem Palmöl Mensch und Umwelt zusetzt: Regenwälder werden brandgerodet, seltene Tiere aus ihrem Lebensraum verdrängt und Arbeiter auf Plantagen geknechtet. Außerdem verdrängen die lukrativen Palmölplantagen teilweise lebenswichtige Ackerpflanzen von fruchtbaren Böden. Ödnis statt Wildnis: Der Errichtung von Palmölplantagen fallen ganze Landstriche schützenswerter Regenwälder zum Opfer (Copyright: glennhurowitz)[/caption]

Wie schön es doch wäre, wenn es einen nachhaltigen und profitablen Ersatz für das Allzweckmittel Palmöl gebe würde!

Ein Forscherteam der britischen "University of Bath" nährt nun die Hoffnung, dass es dazu kommen könnte. Drei Jahre lang haben Rod Scott, Christopher Chuck und Kollegen nach Alternativen gesucht - und sind fündig geworden.

Die Alternative soll nicht etwa auf großflächigen Feldern angebaut, sondern industriell in großen Tanks hergestellt werden. Dabei greifen die Forscher auf eine alte Technik zurück: Hefekulturen, metschnikowia pulcherrima, um genau zu sein.

Vom Weinbau inspiriert

Hefen sind einzellige Pilze, die sich vermehren. Dafür sind sie insbesondere auf eine Energiequelle angewiesen: Zucker. Die natürlichen Stoffe helfen zum Beispiel dem Gärprozess des Weins. Bewährt hat sich m. pulcherrima im südafrikanischen Weinbau - und war bislang nicht dafür bekannt, auch ölige Substanzen zu erzeugen, wie es den Forschern nun gelungen ist.

In einem 500 Liter fassenden Bottich haben sie mit der ausgefallenen Hefe experimentiert. Der notwendige Zucker befindet sich in einer Vielzahl von Essensresten, in Abfällen der Landwirtschaft oder in Energiepflanzen.

Er musste allerdings erst mit chemischen Prozessen gelöst werden, bevor er mit der Hefe vermengt werden konnte. Nach rund einem Monat hatte sich das Gemisch in einen Stoff mit einen Fettanteil von 40 Prozent verwandelt mit Eigenschaften, die denen des Palmöls sehr ähnlich sind.

Noch sind das erste Versuche, der Praxistest steht noch aus. Den hat der belgische Hersteller von Reinigungs- und Waschmitteln Ecover schon gemeistert. Seine Alternative zum Pflanzenöl wird ebenfalls industriell hergestellt.

Allerdings setzt Ecover auf Algen. In einem Metalltank fressen Algen Sauerstoff und Zucker und vermehren sich dadurch. Anschließend werden sie getrocknet und das Öl aus ihnen herausgepresst. In einem Waschmittel wurde das Algenöl auf den Markt gebracht.

Alternative zur Alge

Die Forscher der britischen Bath-Universität kennen die Ergebnisse dieses Verfahrens. Sie brüsten sich nun damit, einer effizienteren Methode auf der Spur zu sein: Hefekulturen könnten aus der gleichen Menge Biomasse viel mehr Öl produzieren als Algen.

Außerdem brauchen sie kein Licht. Das würde eine Produktion rund um die Uhr ermöglichen, die nicht auf künstliche Beleuchtung angewiesen ist. Das senkt die Kosten.

Die Wissenschaftler hoffen, dass ihnen mit der speziellen Hefe der Durchbruch gelingt. Denn im Vergleich zu anderen Hefesorten scheint die Vermehrung der Kultur relativ robust zu sein: Die pH-Werte können stark variieren und eine Produktion ist bei Temperaturen zwischen 12 und 30 Grad Celsius möglich.

Die Forscher glauben außerdem, dass sich das Verfahren überall anwenden lässt, weil es auch draußen in einer nicht vollständig sterilen Umgebung erfolgreich war.

Die Kosten sind die Hürde für die Hefe

Eine der größten Herausforderungen ist indes nicht die Hefekultur, sondern ihr Energielieferant: der Zucker. Der befindet sich zwar in einer Vielzahl von pflanzlichen Abfällen. Allerdings muss er in dem besagten chemischen Prozess herausgelöst werden, bevor er mit der Hefe vermengt wird. Solche Verfahren sind aufwendig - und teuer. Noch jedenfalls.

Grundsätzlich taugt die Hefe dazu, Öl herzustellen. Das haben die Experimente gezeigt. Es könnte allerdings Jahre dauern, bis es gelingt, das Verfahren industriell zu nutzen - wenn es sich nicht als ungeeignet herausstellen sollte.

Wie bei so vielen Innovationen könnten auch hier die Kosten der Knackpunkt sein. Denn Palmöl ist gerade deshalb so beliebt, weil es sich so billig produzieren lässt - zumindest, wenn man weiterhin die Umweltschäden aus der Rechnung heraushält.

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Bildquellen:

Photo by glennhurowitz / CC BY-ND 2.0 

Photo by Trocaire / CC BY 2.0 

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