Papier: Lasern statt recyceln

von Lisa Hegemann

Forscher wollen Papier künftig nicht mehr recyceln, sondern mit Hilfe von Laserlicht wiederverwendbar machen.

Wenn die Zeitung gelesen ist, landet sie oft im Müll. Um das Papier dann wiederzuverwenden, muss es bislang recycelt werden. Bei diesem Prozess wird zwar weniger Wasser und Energie verbraucht als bei der Herstellung von neuem Papier, doch der Weg ist vergleichsweise aufwendig. Verschiedene Projekte – wie etwa in Japan – versuchen bereits, die Methode zu vereinfachen.

Ein Team aus internationalen Forschern will altes Papier nun auf eine andere Art und Weise wieder benutzbar machen. Die Wissenschaftler der University of Cambridge und der Universität Nürnberg-Erlangen wollen die verwendeten Blätter „entdrucken“, also die Farbe des Druckers wieder entfernen, wie sie in einem Aufsatz für das Royal Society Journal schreiben. Das soll mit grünem Laserlicht funktionieren. Mit kurzen Lichtblitzen sollen die Pigmente der Druckerfarbe verdampfen.

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Die Forscher gehen davon aus, dass dies die Umweltbelastung durch Papier „signifikant reduzieren“ könnte. Durch den Prozess sollen vier Schritte der Papierherstellung wegfallen: Forstwirtschaft, der sogenannte Holzaufschluss – die Gewinnung des Zellstoffs –, die Produktion sowie die Beseitigung des Papiers. Das Entdrucken könne die Kohlenstoffdioxidemissionen pro Tonne an Kopierpapier um 95 Prozent reduzieren, heißt es in dem Artikel weiter. Beim Recycling soll der Prozentsatz bei 76 Prozent liegen.

Günstiger als RecyclingIn ihrer Untersuchung haben die Wissenschaftler zehn Laserverfahren getestet, um herauszufinden, welches das Papier am ehesten wieder weiß werden lässt. Am effektivsten sind nach Angaben der Studie Laser mit Infrarot-Licht, die die Druckfarbe mit zehn Pikosekundenpulsen entfernen. Das Papier sei nach der Behandlung mit dieser Art von Licht und Geschwindigkeit am wenigsten beschädigt.

Das Verfahren könnte nicht nur der Umwelt zugute kommen, sondern auch dem Geldbeutel: Eine mit Lasern aufbereitete Seite soll nach Angaben der Forscher günstiger sein als eine recycelte. Diese kostet derzeit etwa 0,03 Pfund pro Seite. Um mit diesem Preis mithalten zu können, muss der „Laser-Entdrucker“, wie ihn die Autoren nennen, vier Annahmen erfüllen: Das Gerät muss sieben Jahre lang funktionieren, auf eine Auslastung von 20 Prozent sowie auf eine Durchlaufgeschwindigkeit von 50 Seiten pro Stunde kommen, und die variable Kosten für Energie liegen bei 1.408 Pfund.

Trifft das alles zu, dürften das Gerät nicht mehr als 16.800 Pfund (etwa 23.700 Euro nach derzeitigem Kurs) kosten. Die Wissenschaftler halten das für realistisch, da der Entdrucker derzeit für etwa 19.000 Pfund gebaut werden könne. Das heißt aber auch: Noch ist Recyclingpapier günstiger als das „Entdrucken“.

 

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