Plasma-Läusekamm: Umweltfreundlich gegen kleine Quälgeister

Plasma-Läusekamm: Umweltfreundlich gegen kleine Quälgeister

von Wolfgang Kempkens

Plasma statt Chemiekeule: Wissenschaftler haben einen Läusekamm entwickelt, der die Umwelt und die Behandelten schont.

Auffallend häufig kratzt sich die Kleine am Kopf. Die Mutter ahnt schon, was los ist. Im Kindergarten tummeln sich wieder Läuse. Die hüpfen von Kopf zu Kopf, sodass nach kurzer Zeit alle Kinder befallen sind. Jetzt muss harte Chemie ran, keine schöne Vorstellung. Auch, weil manche Kinder allergisch auf die Kur reagieren.

Künftig reicht es, mit einem Spezialkamm durch das Haar zu fahren. Das ist überhaupt nicht gesundheitsgefährdend und dazu noch absolut umweltverträglich. Die Prozedur überleben weder die Läuser selbst, noch ihre Eier, Nissen genannt. Eine chemischen Behandlung hingegen vertragen die Nissen, sodass diese mehrfach wiederholt werden muss, um sie auch zu zerstören.

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Läusen und Nissen mit Plasma zu Leibe rückenDie Läuse und ihre Brut sterben in einem Plasma, das der Kamm erzeugt. Plasmen sind gasähnliche Zustände der Materie. Genauer: ein Gemisch aus elektrisch positiv und negativ geladenen Atomkern-Bauteilchen, das der Kamm aus Luft erzeugt. Mit einer Batterie im Griff des Kamms erzeugt er zwischen seinen Zinken kurzzeitig eine hohe elektrische Spannung, die die Luft in ein Plasma verwandelt.

Die Energiezufuhr ist so gering, dass sie nur die Elektronen, also die elektrisch negativ geladene Teilchen, energetisch angeregt. Diese Energie übertragen sie auf die Insekten und deren Eier, was beide nicht überleben. Für Menschen ist das Plasma, das übrigens kalt ist, völlig ungefährlich. Ebenso für die Umwelt, die nicht mehr unter der Chemikeule leidet.

„Bereits nach einmaligem Durchkämmen ist die Hälfte der flügellosen Insekten tot“, sagt Professor Wolfgang Viöl vom Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik (IST) in Göttingen, der die Entwicklung leitet. „Innerhalb eines Tages ist man die Quälgeister los.“ Vor allem viele Menschen mit Vorerkrankungen können aufatmen, wenn es den Kamm in den Handel kommt, weil sie auf Insektenvernichtungsmittel (Biozide) allergisch oder mit Atemproblemen reagieren.

Kofpläuse in Entwicklungsländern: Überträger gefährlicher KrankheitenDie IST-Forscher planen, den Läusekamm zunächst in einer Kleinserie herzustellen. Kinderarztpraxen in der Region Göttingen testeten ihn bereits mit Erfolg. Auch in Entwicklungsländern könnte er zum Einsatz kommen. Dort übertragen Kopfläuse auch gefährliche Erreger, wie etwa von Fleckfieber oder des Fünf-Tage-Fiebers.

Ebenso eignet sich der Kamm für die Behandlung von Tieren. „Passt man die Form und den Abstand der Zinken entsprechend an, lassen sich auch Haustiere behandeln“, sagt Viöl. Bisher behandeln Landwirte Nutztiere mit Tierlausbefall auch im großen Rahmen mit Chemie, häufig sogar vorbeugend. Das belastet die Umwelt zusätzlich - der Plasma-Lauskamm verspricht aber auch hier Hilfe.

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