Power to Gas: Wie sich Potenziale in Deutschland besser nutzen lassen

Power to Gas: Wie sich Potenziale in Deutschland besser nutzen lassen

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In vier Regionen Deutschlands sieht die dena Potenzial für Power to Gas (Grafik: dena)

von Angela Schmid

Die dena hat besonders geeignete Standorte für PtG identifiziert. Sie fordert von der Politik Maßnahmen, um die Technologie wirtschaftlich zu machen.

Bei der Energiewende setzen Experten große Hoffnungen in die Power to Gas (PtG)-Technologie. In Deutschland sind zurzeit 33 Projekte geplant oder bereits in der Umsetzung. Der Hakenan der Sache: Ohne Fördergelder vom Land, dem Bund oder der EU kann bisher noch keine Anlage betrieben werden. Ein Konzept, wie aus einem Forschungs- und Entwicklungsansatz der Sprung in ein Marktkonzept gelingen soll, gibt es nicht. „Unternehmen brauchen eine Perspektive“, betont Carolin Schenuit, Projektleiterin bei der Deutschen Energie Agentur dena.

In einem jetzt veröffentlichten Potenzialatlas identifiziert die dena vier Regionen, die sich als Cluster eigenen und listet Handlungsempfehlungen auf, wie diese Technologie wirtschaftlich an Bedeutung gewinnen könnte. „Wir wollen mit der Studie einer breiten Gruppe aus Politik und Wirtschaftsakteuren aufzeigen, dass es Sinn macht, weiter in diese Richtung zu denken“, so  Carolin Schenuit. „Power to Gas ist die einzige heute verfügbare Technologie, die sowohl eine Langfristspeicherung von erneuerbarem Strom ermöglicht, als auch dessen Nutzbarmachung in allen anderen Energieverbrauchssektoren. Beides ist im Kontext des Pariser Klimaschutzabkommens besonders wichtig“, heißt es dazu in der Studie.

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Bundesländer nutzen vorhandene Spielräume

Als besonders geeignete Standorte für PtG hat die dena Unterelbe-Weser-Ems, Mitteldeutschland-Berlin-Brandenburg, Neckar und Rhein-Main-Ruhr herauskristallisiert. In den Regionen kommen mehrere günstige Faktoren zusammen: Verschiedene Pilotprojekte bestehen bereits und weitere sind geplant. Standorte für die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien und für die Nutzung von Wasserstoff und Methan aus PtG sind vorhanden und lassen sich miteinander verbinden.  

Die Schwerpunktregionen zeichnen sich zudem dadurch aus, dass die Landespolitik die bereits vorhandenen Spielräume nutzt und den Ausbau von PtG anstrebt. Nordrhein-Westfalen unterstützt zum Beispiel Brennstoffzellenbusse im öffentlichen Nahverkehr und Wasserstoffantriebe im Schienenverkehr. Ähnliche Initiativen haben Hessen, Hamburg und Niedersachsen ergriffen. Baden-Württemberg fördert den Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur, in Berlin ist der Ausbau von Wasserstofftankstellen geplant.

Interesse an Wasserstoff ist sowohl in der Industrie, zum Beispiel zur Herstellung von Ammoniak, als auch in Raffinerien vorhanden, wo Wasserstoff in großen Mengen zur Entschwefelung von Kraftstoffen benötigt wird. „Eine strombasierte Gasherstellung ist im Moment überproportional belastet, was die Herstellung unwirtschaftlich macht“, erklärt die dena-Projektleiterin. Für einen fairen Wettbewerb müssten die geändert werden.

Probleme durch Entgelte und Abgaben

Ein großes Handicap sind die Entgelte und Abgaben, die für die Nutzung des regenerativen Stroms anfallen. Die dena fordert daher, PtG als Energiespeicher von Zuschlägen zu befreien, damit der Wasserstoff wettbewerbsfähig ist. Auch die sogenannte Letztverbraucherabgabe müsse gestrichen werden. Denn der Strom wird nicht verbraucht, sondern umgewandelt oder gespeichert. Ohne die Letztverbraucherabgaben würde sich die Kostenbilanz von Power-to-Gas-Anlagen entscheidend verbessern.

Könnten die Produktionskapazitäten gesteigert und die Kosten gesenkt werden, kann dies aus Sicht der dena perspektivisch zu positiven wirtschaftlichen Effekten führen, indem die Technologieführerschaft gesichert wird und Exportchancen entstehen. „Power to Gas ist eine Schlüsseltechnologie für den Klimaschutz und die Energiewende“, sagt Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung. PtG sei eine gute und verfügbare großtechnische Lösung, erneuerbare Energien in allen Sektoren nutzbar zu machen. 

Enttäuscht ist Carolin Schenuit darüber, dass eine Studie im Auftrag des schleswig-holsteinischen Energiewendeministeriums, mit dem Ergebnis Windenergie lieber zu nutzen, als abzuschalten, keine Berücksichtigung im EEG fand. „Damit wurde eine Chance verpasst.“

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