Presseschau: Länder wollen weiter keine Verantwortung für Atommüll übernehmen

Presseschau: Länder wollen weiter keine Verantwortung für Atommüll übernehmen

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Besucher im Erkundungsbergwerk Gorleben - eine Option, welche die Enlager-Kommission nicht ausschließen will.

Die Endlager-Kommission hat beschlossen, dass überall nach einer Deponie für Atommüll gesucht wird. Das beschäftigt natürlich die Lokalzeitungen. Ein Überblick.

Aufwendig war es allerdings. 34 Experten aus Politik, Umweltgruppen, Wissenschaft und Wirtschaft haben sich zwei Jahre lang beraten, um eine Empfehlung dazu abzugeben, wie der deutsche Atommüll die kommenden Jahrzehntausende gelagert wird. Vielleicht wird es sogar eine Million Jahre sein. Im Herbst wird sich die Politik auf eine Überarbeitung des Standortauswahlgesetzes einigen müssen.

Wie schwierig das ist, bringt die Westdeutsche Zeitung auf den Punkt: "Würde man eine Gruppe von eingefleischten Atomkraftbefürwortern aus allen deutschen Regionen in einen Raum sperren und ihnen sagen, Essen gibt es, wenn ihr euch auf den Standort für ein Atommüll-Endlager geeinigt habt - sie würden verhungern. Niemand will die Hinterlassenschaften dieser Technologie je bei sich haben. Und das ist, neben den schweren Folgen eines Unfalls, das durchschlagendste Argument gegen die Kernkraft: Es ist zutiefst unethisch, etwas in Gang zu setzen, das einen so gefährlichen Müll produziert und diesen Müll dann einfach den nachfolgenden Generationen aufzubürden. Und zwar eine Million Jahre lang."

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Deponie-Suche Atom-Endlager möglicherweise erst im nächsten Jahrhundert

Die Endlager-Kommission rechnet nicht damit, dass der Zeitplan für die Atommüll-Lagerung eingehalten werden kann. Ein Szenario geht von fast 100 Jahren mehr aus.

Für schwach und mittelradioaktiven Atommüll gibt es bereits Lager - etwa Morsleben. Quelle: dpa

Auf das Problem, welche Gesteinsformation sich nun am besten eignet, geht die Mittelbayerische Zeitung ein: "Weil kein Land den radioaktiven Schrott haben will, regiert das Prinzip des Heiligen Florian: Bringt das Zeug im Nachbarland unter, nur nicht bei uns! [...] Den in Deutschland angefallenen Müll müssen wir auch in Deutschland sicher lagern. Das sind die heute lebenden Generationen den nachfolgenden schuldig.

Fachlich und zugleich hochpolitisch spitzte sich die Endlagerdebatte auf die Frage zu: Salz, Ton oder Granit? Man ist wohl davon ausgegangen, dass dieses harte Gestein über Hunderttausende von Jahren stabil bleiben würde. Dass sich jedoch gerade in zerklüftetem Granit Risse bilden können, in die Wasser eindringen kann, wurde leider nur unzureichend in Rechnung gestellt. Der Widerstand von Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf war leider nicht erfolgreich. Über Ostbayern hängt das Damoklesschwert, zum Atomklo Deutschlands gemacht zu werden."

Niemand will Verantwortung für den Atommüll übernehmen

Für Klimaretter.info stellt sich die Sache genau andersherum dar: "Ein Atom-Endlager im schönen Bayern? Das geht ja nun gar nicht. Zwar ist das Land seit langem bundesweiter Spitzenreiter bei der Produktion von strahlendem Müll aus Atomkraftwerken, für Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) aber steht fest: 'Die Gesteine in Bayern sind nicht für ein Endlager geeignet.' Host mi. Was in München soviel heißt wie im Rest Deutschlands: Punktum. Das ist also übrig geblieben vom historischen Endlager-Konsens, den Bund und Ländern vor drei Jahren erzielten."

Die Lausitzer Rundschau geht hart mit den Erzeugern ins Gericht: "Nirgendwo auf der Erde gibt es bisher ein funktionierendes Endlager. Trotzdem errichtet die Atomindustrie weltweit fleißig neue Meiler. Vielleicht werden sich einmal Diktaturen als Müllverwerter anbieten, die damit Geld verdienen wollen und den Widerstand der Bevölkerung nicht fürchten müssen. Sibirien, die Wüste Gobi, so etwas. Oder man schießt das Zeug ins Weltall. Die Endlager-Kommission war der lobenswerte Versuch der deutschen Atomkraftnutzer-Generation, nach einer Ethik der Verantwortung zu handeln."

Umfrage Deutsche haben immer noch keine Lust auf Atomstrom

Die Deutschen befürworten weiterhin den Atomausstieg - die nun präsentierten Ergebnisse der Endlagerkommission dürften das nur bestätigen.

Zurzeit steht der Atommüll noch in Zwischenlagern, hier in Gundremmingen (Bayern). Beliebt ist er nicht. Quelle: dpa

Die taz zitiert Jochen Stay von der Initative Ausgestrahlt: "Nach zwei Jahren bleibt ein Scherbenhaufen. Der Konflikt ist nicht gelöst, sondern lediglich vertagt. Wesentliche Entscheidungen werden der neuen, mächtigen Atommüll-Behörde überlassen." So werde es auch diese neue Behörde sein, die anhand der von der Kommission beschlossenen Kriterien entscheidet, ob der umstrittene Standort Gorleben im Verfahren bleibt.

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