Procter & Gamble: 4,6 Milliarden Kunden und kein Abfall

Procter & Gamble: 4,6 Milliarden Kunden und kein Abfall

von Felix Ehrenfried

Aus leerer Duschgelflasche mach einen Turnschuh: Der US-Mischkonzern Procter & Gamble setzt auf Null-Abfall und zeigt, wie aus Recycling bares Geld wird.

Und wieder ein Beispiel aus den Vereinigten Staaten, das zeigt, wie Wiederverwertung unternehmerisch sinnvoll sein kann: Der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (P&G), zu dem Marken wie Gillette, Wella oder Blend-a-Med gehören, ist auf dem Weg, ein „Null-Abfall-Unternehmen“ zu werden.

45 Produktionsstätten des weltweit vertretenen Unternehmens sind mittlerweile schon abfallfrei, auf lange Sicht will der Konzern komplett ohne Müll auskommen. Ein Ziel, das auch andere Firmen wie Unilever verfolgen. Sieht man die Anzahl der abfallfreien Fabriken bei Procter & Gamble im Kontext der Unternehmensgröße, wird das Ausmaß jedoch erst deutlich: Nach Unternehmensangaben benutzen täglich 4,6 Milliarden Menschen Produkte des Konzerns, das sind fast zwei Drittel der Weltbevölkerung.

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Wenn ein Großkonzern wie P&G ernsthaft recycelt, bedeutet das oftmals enorme Einsparungen für das Unternehmen und große Entlastungen für die Umwelt: Abfälle müssen nicht aufwendig abtransportiert und verbrannt werden, natürliche Ressourcen werden weniger ausgebeutet. Das Beispiel GM zeigt, dass eine solche Recyclingoffensive zudem ein wirtschaftlicher Erfolg sein kann. Der Autobauer spart jährlich rund eine Milliarde US Dollar (773 Millionen Euro) durch Wiederverwertung.

Eine Milliarde US Dollar durch RecyclingDoch kommen wir zurück zu P&G. Der Konsumgüterkonzern erklärt, dass er ebenfalls jährlich rund eine Milliarde US Dollar (773 Millionen Euro) durch Recycling einspare oder durch Wiederverwertung an Unternehmenswert generiere.

Doch damit gibt sich das Unternehmen nicht zufrieden. Bisher werden zwar schon 99 Prozent der Unternehmensabfälle wiederverwertet, auf lange Sicht will P&G aber komplett ohne Restmüll auskommen. Wann das sein soll, steht jedoch nicht fest. Len Sauers, Vizepräsident für globale Nachhaltigkeit erklärt vage: „Das ist eine Reise mit einem sich kontinuierlich ändernden Ziel.“

Ein Beispiel für die Wiederverwertung bei P&G ist die Fabrik in Boston, in der Produkte der Marke Gillette hergestellt werden. Hier ist der gesamte Arbeitsalltag auf Recycling ausgerichtet. Statt kleine, eigene Abfalleimer am Arbeitsplatz müssen Mitarbeiter ihren Müll zu zentralen Abfalleimern bringen.

Das hat zwei Effekte. Der Mitarbeiter hat einen Anreiz, weniger Müll zu produzieren, da er nicht immer zum Abfalleimer laufen will. Zum anderen ist es an einer zentralen, größeren Abfallstelle wesentlich einfacher, unterschiedliche Behälter für den Müll aufzustellen. So gibt es einen Biomüll für organische Abfälle und spezielle Behälter für Plastiktüten.

Recycling in der CafeteriaAuch die Cafeteria der Gillette-Fabrik bleibt vor der Reycling-Offensive nicht verschont. Neben Schildern, die überall zum Müll vermeiden aufrufen, erklären andere Zeichen, wie man seine Abfälle recyceln kann. So bestehen Verpackungsmaterialen, wie Kaffeebecher, meist aus Mais oder Zucker und können einfach kompostiert werden.

Ähnliches gilt für die Verpackung der Rasierer, die in der Fabrik hergestellt werden. Eines der Produkte wird in einer Verpackung aus Zuckerrohr, Bambus und einer Schilfsorte ausgeliefert. Allein diese Maßnahme führt laut Unternehmensangaben zu einer 57 prozentigen Einsparung von Plastik bei der Verpackung.

Diese Beispiele zeigen, wie Recycling bei P&G funktioniert: Jegliche Materialien, die bei anderen Unternehmen, als Abfall deklariert, den Weg Richtung Deponie oder Verbrennung gehen würden, werden bei P&G in einem anderen Bereich wieder verwertet. So werden aus Plastikabfällen, die bei der Produktion von Pflegeprodukten anfallen, Sohlen für Sportschuhe. Ausschussprodukte aus der Herstellung von Damenbinden werden als Energieträger für die Herstellung von Zement in einem ungarischen Werk eingesetzt.

Hinter der Recyclingoffensive steht bei P&G das GARP (Global Asset Recovery Purchases) Team. Die Mitarbeiter sollen die weltweit anfallenden Abfälle zu Geld machen. Das ist es auch, was den Recyclingerfolg bei P&G ausmacht, erklärt Forbes McDougall, der Leiter des GARP Teams: „Wir sind ein Team, das auf Einkauf spezialisiert ist und nicht direkt auf Umweltthemen.“ So betrachtet man hier jeglichen Abfall „nicht als Abfall, sondern als etwas, das immer für einen anderen Zweck wiederverwendet werden kann.“

Aber nicht alles beim Weltkonzern aus den USA ist so grün wie sein Recyclingprogramm. So werfen Verbraucherorganisationen P&G vor, Produkte teilweise immer noch an Tieren zu testen, schlechte Arbeitsbedingungen bei Zulieferen zu akzeptieren und teilweise hohe Anteile an potenziell gesundheitsschädlichen Zusatzstoffen in den Produkten einzusetzen.

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